AUF  UND  DAVON   
Fotoreisen - Fotoshows - Reiseerlebnisse

Möglichst ohne Einschränkungen - räumlich wie zeitlich - mit maximaler Selbstbestimmung durch die Welt reisen. Wir haben diesen Traum bereits mehrmals mit dem eigenen Fahrzeug verwirklicht...

DIE ERSTE AFRIKA-RUNDE

In den Jahren 1986 und 1987 konnten wir in jeweils sechs Monaten eine Afrika-Runde realisieren: zunächst mit einen alten LKW von Kairo aus dem Nil entlang südwärts, durch den Sudan und über die Zentralafrikanische Republik nach Zaire. Dem Kongo folgten wir stromaufwärts und über das damals gerade erst befriedete Uganda gelangten wir nach Kenya. Wendepunkt Nairobi. Nach ein paar Monaten studieren bzw. arbeiten in Europa kamen wir zurück und setzten die Reise mit dem Lastwagen über Tanzania und Ruanda fort. Auf anderen Routen ging es abermals durch Zaire und die Zentralafrikanische Republik, diesmal aber weiter nach Kamerun. Im Norden Nigerias waren wir völlig unerwartet mitten im farbenfrohen Reiterfest Durbar und im Niger durften wir den Viehmarkt in Agadez, mit den vielen markanten Köpfen unterschiedlicher Völker, erleben. Nach einer Saharadurchquerung - wegen eines kapitalen Kupplungsschadens unseres Trucks teilweise per Autostop - gelangten wir nach Algier. Hier untersuchten wir zum Reiseabschluss für die Wiener Wirtschaftsuniversität bis in höchste algerische Wirtschafts- und Politikerkreise mittels Fragebogen "Das Image Österreichs in Algerien".

BIS ZUM ENDE ALLER STRASSEN

TEIL 1: Durch ASIEN Von Juli 1992 bis August 1993 ging es mit dem kleinstmöglichen Fahrzeug - einem roten Renault R4 - zunächst von Wien nach Nepal. Auf diesen 10.000km durchquerten wir den Balkan und die Türkei, besuchten Freunde im nicht nur verkehrstechnisch etwas unübersichtlichen Teheran, wurden am pakistanischen Karakorum-Highway von Felsstürzen für eine Woche auf der Straße eingeschlossen und besuchten von Amritsar übers Taj Mahal bis Varanasi wichtige Stätten in Indien. Am Weg nach Kathmandu passierten wir auch Lumpini, den Geburtsort Buddhas. Und erst nach über 10.000km mußten wir erstmals einen Reifen flicken - göttlicher Beistand? Den benötigt man jedenfalls, um unbeschadet durch Pakistan und Indien zu fahren... Nach weiteren (Straßen-)Abenteuern am indischen Subkontinent verließen wir das Land, in dem jeder Mindestabstand so unbekannt wie das Wort "Nein!" ist und sperrten unseren roten R4 in Mumbai (Bombay) in einen Container. Auf Wiedersehen in Ostafrika!

TEIL 2: Durch AFRIKA Das dauert. Zunächst gönnen wir uns eine Woche in Äthiopien - was 1992 eine Reise ins Unbekannte war. Umso interessanter erwies sich der Besuch von Axum, Gondar und der mystischen Felsenkirchen in Lalibela... In Mombasa war Ausdauer, Verhandlungsgeschick und Konseqzenz nötig, um das Auto einerseits komplett und andererseits ohne Schmiergeld aus dem Hafen zu bekommen. Geschafft - und wir glauben, das ist sowas wie ein Ritterschlag für Afrikareisende... Weniger freudig war unser Gesichtsausdruck, als sich ein paar Wochen später das rechte Hinterrad mitsamt Aufhängung vom Chassis verabschiedet hat. Aber weil Afrika alles kann, kann ein Mechanikar in Arusha/Tanzania am Samstag, 2. Jänner, das wieder anschweißen. Und völlig ohne hochtechnische Hilfsmittel ist die Halbachse beinahe perfekt justiert! Urlaubsstimmung am Malawisee - und böses Erwachen in Zimbabwe. Gaby bringt aus der Regenzeit am Malawisee die Malaria mit - und kann diese nach ziemlichem Leiden dank massiver Medikation in Harare besiegen. Auch ich teste die Ärzte in Zimbabwe - den rotblauen Striemen am Bein, die Blutvergiftung infolge eines Zeckenbisses, wird eine geballte Ladung unbeschrifteter, bunter Antibiotika-Plillen entgegengeworfen. Mit Erfolg. Aber das sind nicht die Gründe, weshalb wir Zimbabwe ins Herz geschlossen haben. In diesem landschaftlichen Paradies finden wir viele offene, freundliche Menschen, an diese Begegnungen denken wir bis heute sehr gerne - und fragen uns, was aus dem Land heute geworden ist... Nach über 40.000km erreichen wir "das Ende aller Straßen" - das Kap der Guten Hoffnung. Unser "Kistl", wie der R4 inwischen liebevoll heißt, hat alle Widrigkeiten überstanden. Und ein bisserl was geht immer noch - wir haben noch Zeit und verbringen die nächsten 10 Wochen in Namibia. Noch ein Land zum Verlieben. Und ein Ort zum niemals vergessen: die Epupa-Fälle am Grenzfluss Kunene zu Angola. Die Kunene-Erstbefahrung mit dem Raft war eine interessante Begegnung mit recht großen Krokodilen, ansonsten ruhiger als erwartet. Und schließlich ging´s zurück nach Zimbabwe - wo wir unser braves rotes "Kistl" nach über 50.000km gut verkauften - und vielleicht läuft es heute noch als Taxi in Harare...

OUT & BACK - 1 JAHR AUSTRALIEN

1999/2000 - Mit zwei kleinen Kindern möchten wir nicht nach Afrika - die möglichen Krankheiten schrecken uns ab. Und Australien kennen wir ja noch überhaupt nicht, das biet sich förmlich an für ein entspanntes Familienreisejahr. Schon nach 2 Wochen haben wir unser Gespann - einen Landcruiser HJ60 und eine großen Doppelachser Wohnwagen - beisammen. Die Fahrkünste dafür müssen mühsam erarbeitet werden, das regenreiche El Niño-Jahr macht das nicht einfacher. Trotzdem gelingt es und wiederum sind wir über 50.000km unterwegs, rund um und quer durch den "Roten Kontinent". Die Kids, bei der Abreise 3 und 5 Jahre alt, sind schon nach ein paar Wochen echte "Aussies", parlieren fließend Englisch (sogar verständlich!) und fühlen sich am Strand am wohlsten. Auf Bier und Angelzeug können sie noch verzichten. Am Cape York verteidigen wir die Kids mit Holzprügeln gegen die zahlreichen "Salties" (Leistenkrokodile) und im Red Center klappt Töchterchen einmal mit einem Sonnenstich zusammen - was eigentlich der einzige medizinische Vorfall im ganzen Jahr war. Bei wirklich schlechten Straßen lassen wir den Caravan zurück, übersiedeln ins Zelt, verkaufen das den Kids als "Urlaubszeit" und testen unseren Landcruiser dann auf den miesesten Pisten, etwa im "Red Center". Der Build-up, die schwüle Vorregenzeit, erwiest sich im Northern Territory als extrem unangenehm, da hilft auch nicht der wunderbare Kakadu-Nationalpark... umso lieber geht es dann über die Gibb River Road nach Broome in Westaustralien. Und der Norden vom Westen, das ist unser Favorit! Am Cape Leveque finden wir unser kleines Paradies, gestört nur von einer großen Giftschlange, die Gaby mit dem Besen aus unserer Hütte vertreiben muss. (die Kids bleiben ungerührt, Schlnagen kennen die schon viel zu viele...) Geologisch und landschaftlich besonders beeindruckend ist der Karijini-Nationapark. In den schroffen Schluchten zu trekken und die kühlen Wasserstellen zu entdecken - das ist ein besonderes Erlebnis! Weihnachten in Perth, Halbzeit im Westen und so nebenbei finde ich in dieser Gegend meinen neuen Liebelingswein: den "Chenin Blanc" vom Amberley Estate in Margaret River hat es mir angetan! Hier in Margaret River finden wir auch die erste und einzige Fliegenplage während der Reise. Gutes Timing ist also aus vielen Gründen nötig... bei der Durchquerung der Nullarbor-Desert hat das Timing auch nicht so recht geklappt: drei Tage Regen begleiten uns auf dieser Strecke! Wir lassen die tollen Buchten, glänzenen Salzseen und verwunschene Goldgräberdörfer Westaustraliens hinter uns und setzen auf das südaustralische Kangaroo Island über. Hier können wir ganz spontan ein paar Nächte lang ein Leuchtturmwärterhäuschen im Nationalpark mieten - ein Traum! Nicht nur wegen der "Remarkable Rocks" im Abendlicht. Bei über 50 Grad macht die Opalsuche in Cooper Pedy kaum mehr Freude, dafür die Wanderung in den kühlen Bergen der Flinders Range umso mehr. In Melbourne quartieren wir uns bei der Verwandtschaft ein (welcher Italier hat keine Familienmitgleider in Australien...?), treffen uns mit Tony Wheeler (Lonely Planet) zum Plausch und ich werde zum Fotografieren für den Ferrari-Australien-Importeur beim Grand Prix engagiert. Laut war´s! In Tasmanien gibt es eigenartige Tiere - so laufen uns etwa ein Platypus (Schnabeltier) und einige Echidnas (Ameisenigel) vor die Füße. In Tasmanien gibt es eigenartige Campingplätze: wir sind wieder mit dem Zelt unterwegs - und finden keinen ebenen Platz auf der ganzen riesigen Insel... Sohnemann macht die Reise nun zusätzlich spannend. Er schiebt sich beim Spielen einen fingergliedgroßen dunkelroten Akaziensamen ins Auge. Statt Küstenwanderung gibt es Spitalsaufenthalt - aber statt Operation fällt der Samen von selbst aus der Augenhöhle. Glück gehabt! Mit wacker kletternden Kids wandern wir am berühmten Overland-Trek, landschaftlich ein wunderbarer Kontrast zum Festland! Zuück in New South Wales erklimmen wir den höchsten Berg des Kontinents - die Wiener Hausberge sind wahrlich hochalpin dagegen.In der österreichischen Botschaft in Canberra werden wir mit einigermaße neuen Zeitschriften versorgt - und erfahren, dass über Österreich "die Wende" hereingebrochen ist, mit EU-Sanktionen inklusive. Ein paar Tage in Sydney lassen es uns vergessen, aber der Abschied naht, wir müssen unser Zeugs verkaufen! Den heimeligen Wohnwagen sind wir rasch los, den Landcruiser verkaufen wir an einen Händler. Und erleben einen letzten "australischen Höhepunkt": Wir haben schon das Geld für das Auto bekommen, da bemerkt der Käufer: "Oh, ihr bleibt noch eine Woche in Australien? - Da habt ihr den Schlüssel, bringt mir das Fahrzeug dann in ein paar Tagen, ihr benötigt es ja noch!" Und so lernen wir auch noch die größte Sandinsel der Welt, Frazer Island, kennen und lieben. Und wissen nun noch mehr, was wir an Australien besonders schätzen: die unkomplizierten, hilfsbereiten, ehrlichen Aussies!