Traveller Club Austria

Traumhafte Südseeinseln abseits des Tourismus

Rubriken: Tipp - Reiseziele: Salomonen

Den Traum vom unberührten Südseeparadies, den
hat wohl jeder schon geträumt. Doch wo ist es zu finden? Sicher
nicht auf Tahiti oder Fiji und schon gar nicht auf Hawaii. Auf
der Suche nach der "echten" Südsee stieß ich in einem
Länderlexikon auf folgenden Absatz: "Die Salomonen werden
bislang kaum besucht. Regierung und Vertreter der Kirchen treten
gegen einen Ausbau des Tourismus ein. Wer sich außerhalb der
Hauptstadt auf schwierige Reisebedingungen einstellt, wird mit
einem unverfälschten Südseeparadies belohnt." Das machte
mich neugierig, und als ich dann erfuhr, daß es noch keine
hundert Jahre her ist, daß hier vier Österreicher von
Einheimischen erschlagen und zwei von ihnen verspeist wurden,
stand für mich fest: da will ich hin!

Die Salomonen oder Solomon Islands
sind ein seit 1978 unabhängiger Staat östlich von Neu-Guinea.
Sie umfassen 922 Inseln und Inselchen, von denen 347 bewohnt
sind. Die zu 94 % aus Melanesiern bestehende Bevölkerung siedelt
fast ausschließlich an der Küste; das Innere der Inseln ist von
dichtem Regenwald bedeckt - sofern er nicht von ausländischen
Holzfirmen zerstört worden ist. Es herrscht immerfeuchtes
tropisches Klima. Malaria ist ein echtes Problem; über ein
Drittel der Bevölkerung ist chronisch krank.

Trotzdem möchte ich die Salomonen als Paradies
bezeichnen, allein schon deshalb, weil es so schwierig ist,
dorthin zu gelangen. Ob man als Österreicher ein Visum braucht,
konnten wir nicht restlos klären. Die Salomonen sind nämlich
diplomatisch nur in Australien und bei der UNO vertreten. Für
Europa gibt es einen "roving ambassador". Jedenfalls
hat uns die britische Botschaft in Wien ein Visum verkauft.
Schwieriger schon gestaltete sich die Anreise. Es gibt nur wenige
Flüge von den Salomonen ins benachbarte Ausland, die noch dazu
nicht auf interkontinentale Verbindungen abgestimmt sind. Wir
wählten die billigere Variante über Brisbane in Australien und
waren drei Tage und zwei Nächte unterwegs. Etwas schneller
geht’s über Singapur und Port Moresby - wenn es mit den
Anschlüssen klappt.

Die größte Hürde stellen allerdings die
Kontrollen des Landwirt-schaftsministeriums bei der Ankunft in
Honiara, der Hauptstadt der Salomonen, dar. Schon der im Flugzeug
ausgeteilte Fragebogen machte uns stutzig. Die Frage, ob wir in
den letzten 30 Tagen auf einem Bauernhof gewesen seien,
beantworteten wir noch kühn mit "Nein", obwohl wir aus
einem kleinen Tiroler Bergbauerndorf kommen, aber die Frage nach
dem Besitz von bereits getragenen Schuhen konnten wir doch nicht
gut verneinen. Wie in Australien ist auch auf den Salomonen die
Einfuhr von Lebensmitteln streng verboten. Der Beamte auf dem
Flughafen verbiß sich dann auch prompt in ein Päckchen
dehydrierter Nahrung, das wir obenauf eingepackt hatten. Wenn der
gute Mann gewußt hätte, was sich in unseren Rucksäcken noch
alles verbarg - von Pumpernickel über Salami und Käse bis zum
Studentenfutter -, er hätte den Schock sicher nicht überlebt,
und wir hätten die größten
Schwierigkeiten gehabt. Es ging

Aufenthaltserlaubnis für drei Monate, obwohl
wir nur fünf Wochen bleiben wollten.

Honiara erinnert an ein burgenländisches
Straßendorf. Im Zentrum gabelt sich die einzige Straße, was die
Anlage eines "großstädtischen" Einbahn-systems
ermöglichte. Die einzige Sehenswürdigkeit der Stadt, die erst
während des Zweiten Weltkriegs als US-amerikanischer Stützpunkt
entstand, ist ein Freilichtmuseum mit typischen Gebäuden aus
allen Teilen des Inselreichs. Eine preiswerte Unterkunft zu
finden ist nicht einfach, aber die Taxifahrer sind sehr
hilfsbereit. Taxifahrten sind übrigens ausgesprochen billig. In
Honiara und in Gizo, der zweitgrößten Stadt der Salomonen,
bereitet es keine Schwierigkeiten, zu Mittag ein warmes Essen zu
bekommen. Am Abend haben aber die meisten Restaurants
geschlossen, und man kocht besser selbst. In fast allen
Unterkünften gibt es eine Küche zur allgemeinen Benützung -
eine hervorragende Möglichkeit, mit Menschen von anderen Inseln
in Kontakt zu kommen und Informationen zu sammeln.

Von den Hügeln oberhalb Honiaras kann man am
Horizont die Vulkaninsel Savo, unser erstes Ziel, erkennen. Wir
hatten in Erfahrung gebracht, daß es dort ein Rest-house für
Besucher geben soll. Die einzige Möglichkeit, nach Savo zu
gelangen, ist mit einem Kanu. Es dauerte Stunden, bis wir
jemanden gefunden hatten, der bereit war, uns für umgerechnet 75
S pro Person mitzunehmen. Das Kanu entpuppte sich als ein kleines
Glasfiberboot mit Außenbordmotor. Obwohl die See keineswegs
stürmisch war und der Steuermann geschickt versuchte, auf den
Wellenkämmen zu fahren, wurden wir immer wieder von Brechern
voll erwischt. Bis auf die Haut durchnäßt, erreichten wir nach
eineinhalb Stunden unser Ziel. Unsere Rucksäcke hatten wir in
weiser Voraussicht in Müllsäcke, die wir von zu Hause
mitgenommen hatten, gestopft, sodaß wenigstens unser Gepäck
einigermaßen trocken blieb.

Doch alle Unannehmlichkeiten waren sofort
vergessen, als wir die Uferböschung erklommen: unter hohen
Kokospalmen erstreckte sich eine traumhaft schöne Anlage. Und
als am Abend die Sonne glutrot im Meer versank, die Frauen ein
köstliches Essen servierten und die Knaben Kokosnüsse von den
Bäumen holten, da warteten wir nur mehr darauf, daß sich
Gauguin zu uns an den Tisch setze. Am nächsten Tag bestiegen wir
mit einem Führer den Vulkan, eine äußerst schweißtreibende
Angelegenheit. Unsere Absicht, tags darauf ohne Begleitung die
Insel zu umrunden, stieß bei unserem Gastgeber auf völliges
Unverständnis.

Es sei für uns Weiße unmöglich, allein durch
die vielen Dörfer zu gehen. Da er für seine Begleitung nichts
verlangte, fügten wir uns in das Unvermeidbare. Wir merkten
bald, wie wichtig es für uns war, einen einheimischen Führer zu
haben. Bei jedem Dorf eilte er voraus, kündigte dem
Dorfältesten unser Kommen an, beteuerte, daß wir keine Tabus
verletzen und keine Papayas stehlen werden und ersuchte um
Erlaubnis, unseren Weg fortsetzen zu dürfen. Bei einigen
Dörfern schlichen wir aber außen vorbei, hier gab es vermutlich
noch offene Rechnungen aus der "headhunting period".
Nach einem weiteren Tag auf Savo kehrten wir wieder völlig
durchnäßt nach Honiara zurück.

Unser nächstes Ziel war die Westprovinz.
Wir beschlossen, nach Gizo, dem Hauptort, zu fliegen. Bei
strahlendem Wetter konnten wir von oben die vielen Inseln, Atolle
und Lagunen, die wir in den nächsten Wochen besuchen wollten,
überblicken. Drei Tage später kämpften wir uns bei sehr
stürmischer See, hoher Dünung und starker Strömung mit einem
gecharterten Kanu drei Stunden lang zur Insel Vella Lavella
durch. Auf welches Abenteuer wir uns da eingelassen hatten,
merkten wir spätestens, als unser Bootsmann wegen der hohen
Wellen und der starken Brandung die Einfahrt in die Lagune nicht
und nicht finden konnte.

Auf Vella Lavella hatten wir einen
originellen Führer: einen 71jähr-igen Kriegsveteranen, der im
dichtesten Regenwald wiederholt stehenblieb, laut auflachte, sich
mit der Hand auf den Oberschenkel schlug und freimütig bekannte,
schon wieder die Orientierung verloren zu haben.

Nach Gizo zurückgekehrt, steuerten wir als
nächstes die Vulkaninsel Kolombangara an. Diesmal war das
Kanu ein alter Einbaum, aber das Meer war ruhig, und die
Überfahrt verlief problemlos, wir wurden also weder richtig
naß, noch drohten wir zu kentern. Wir landeten in Iriri,
das heißt, zunächst mußten wir im Boot sitzen bleiben, bis der
Häuptling entschieden hatte, ob er uns aufnehmen wollte.

Als wir endlich aussteigen durften, war aber
auch schon alles für unseren Aufenthalt geregelt. Da es keine
freie Hütte gab, wurde einfach eine Schulklasse ausgeräumt, und
wir konnten neben der Tafel auf dem Boden schlafen. Rührend
wurde für unser leibliches Wohl gesorgt. Einmal bekamen wir von
drei verschiedenen Familien je ein Abendessen, von denen wir
natürlich keines zurückweisen konnten. Ein solches Essen
besteht meist aus Maniok, Yams, Süßkartoffeln und Kohl, in
einem Erdofen auf heißen Steinen gegart und ungesalzen serviert.

Hier in Iriri erlebten wir auch einige
Erdbeben. Sie richten aber kaum Schaden an, da alle Hütten aus
Bambusstangen und Sagopalm-zweigen gebaut sind und nicht so
leicht einstürzen. Kolombangaras Vulkan ist mit 1770 m Seehöhe
der höchste Berg in der Westprovinz, eine Herausforderung für
jeden echten Tiroler. Seine Besteigung bereitet kaum
bergsteigerische Schwierigkeiten, dafür machten uns die
undurchdringliche Vegetation, der glitschige Boden, die vielen
Spinnen, die große Schwüle und die häufigen Wolkenbrüche
schwer zu schaffen.

Unser nächstes Ziel war die Marovo Lagune. Sie
gilt als die größte Lagune der Erde; der Schriftsteller James
A. Michener bezeichnete sie wohl zu Recht als eines der sieben
Naturwunder der Welt. Wieder einmal erwies sich der einzige
ausschließlich die Salomonen umfassende Reiseführer als
unbrauchbar (von Lonely Planet, Anm. d, Red.) was die Angaben
über Unterkünfte betraf. Der "village organizer" von
Patutiva konnte uns aber weiterhelfen. Er kannte jemanden, der in
der Nähe von Cheke auf der Insel Vangunu eine Hütte besaß, die
er an Fremde vermietete.

Als wir Stunden später dort ankamen, waren wir
trotz des aufziehenden Tropensturms begeistert. Die Hütte stand
unter hohen Palmen direkt am Ufer der Lagune, weit von jeder
Siedlung entfernt. Daß es zuwenig Betten gab, konnte den
Besitzer der Hütte nicht erschüttern. Schon am nächsten Morgen
erschien mit einem Kanu ein Tischler, der in wenigen Stunden das
fehlende Bett zimmerte. Unser Gastgeber besaß auch ein
Motorboot, mit dem er uns an den folgenden Tagen zu vielen
interessanten Plätzen und unbewohnten Inseln in der Lagune
brachte. Hier konnten wir schnorchelnd die phantastische Welt der
Korallenriffe erkunden. Wir lernten auch die hier praktizierte
traditionelle Methode des Fischfangs kennen. Mit Hilfe giftiger
Pflanzen werden die Fische betäubt, sodaß wir sie mit bloßen
Händen fangen konnten.

Der Abschied von der Marovo Lagune fiel uns
sehr schwer. Für die Rückreise nach Honiara benutzten wir das
Linienschiff. Die "Western Queen" war allerdings alles
andere als königlich: ein uraltes, total verrostetes und
verdrecktes Schiff, das in besseren Zeiten in Australien als
Ausflugsdampfer gedient hatte. Für die hohen Wellen des Pazifiks
war es viel zu klein, sodaß wir uns auf unserer Fahrt wie auf
einer nicht enden wollenden Hochschaubahn vorkamen. Die letzten
Tage unseres Aufenthalts auf den Salomonen verbrachten wir auf
der Insel Guadalcanal, auf der sich auch die Hauptstadt Honiara
befindet. Wir besuchten das Denkmal für die 1896 gefallenen
Österreicher am Tetere Beach und lernten in einer
Adventistenschule einen lebenden Österreicher kennen, der sich
aber im Gegensatz zu uns auf den Salomonen überhaupt nicht wohl
fühlte. Mit der Gewißheit, ein Schatzkästlein unserer Erde
kennengelernt zu haben, verließen wir nach fünf Wochen die
Südsee. Wir hatten die ganze Zeit keinen anderen Traveller
getroffen.

Zum Schluß noch ein paar Anmerkungen zu den
Preisen: Die Salomonen sind kein billiges Reiseland, aber sicher
preisgünstiger als andere Südseestaaten. Von Guadalcanal und
Gizo abgesehen, spielt Geld eine untergeordnete Rolle. Vielen
Menschen auf abgelegenen Inseln sind Waren lieber als Bargeld. Da
das aber ein Gewichtsproblem ist, haben wir doch meistens mit
Geld bezahlt. Nicht selten wurden wir gebeten, den Preis selbst
festzusetzen. Für Unterkünfte haben wir, falls Betten zur
Verfügung standen, zwischen 75 und 90 S pro Person und Nacht
bezahlt. Gecharterte Kanus mit Außenbordmotor kosten etwa 300 S
pro Fahrtstunde inkl. Benzin.

-Josef Watzinger-

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Wednesday, 08. February 2012