Traveller Club Austria

Südliches Afrika

Rubriken: Tipp - Reiseziele: Südafrika

Die Route ist nicht umsonst eher beliebt: Ankunft in der
Republik Südafrika, Namibia, durch Botswana nach Simbabwe,
zurück nach Südafrika. Dennoch bekamen wir eigentlich nur die
Vorteile des präzedenten Tourismus zu spüren, nämlich eine
durchwegs ganz angenehme Infrastruktur. Von wogenden
Touristenmassen keine Spur – vielleicht auch die Gunst der
(westlichen sowie südafrikanischen) Zwischensaison. Aber gehen
wir’s von vorne an:

Wir zwei Mitfahrerinnen hatten einander und Andreas, den
(nichtnur) Autobesitzer, zum Zwecke der Reise per Inserat
kennengelernt. Ich über die TCANews im Herbst
’96, Petra über den Bazar. Ein paar Treffen verfestigten
eine ungefähre Vorstellung der Reiseroute und der
unterschiedlichen Charaktere mit der Prognose, daß das wohl
funktionieren würde. Tatsächlich funktionierte es blendend und
war fast durchgehend, mit den üblichen kleinen, besprochenen und
beigelegten Krisen, enorm lustig und freundschaftlich, was doch
bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, daß drei nahezu wildfremde
Leute sechs Wochen und fast zwölftausend Kilometer in vier
Ländern im südlichen Afrika miteinander unterwegs waren.

Petra und ich flogen Anfang Mai von Wien mit British Airways
über London um läppische 8.800, ATS nach Johannesburg, wo wir
von Andreas und Greg abgeholt wurden. Andreas ist Österreicher,
hat sich mittlerweile aber weitgehend in Südafrika
niedergelassen, sich einen Toyota HiLux gekauft und sucht über
Inserat immer wieder Reiselustige, die mit ihm durchs südliche
und östliche Afrika ziehen wollen, das Benzin zahlen und
genügend beisteuern, daß er sich die Versicherung und die
Reparaturen für’s Auot etc. auch leisten kann. Letztlich
ist es für alle Beteiligten ein günstiges Arrangement –
außerdem können Pauschalreisehasser wie ich auf diese Art eine
Gegend ohne nennenswerte öffentliche Verkehrsinfrastruktur
bereisen, ohne einerseits ganz auf sich allein gestellt die
Hälfte ihres kostbaren Urlaubs frustriert an einer Kreuzung in
der Wüste auf ein mitnahmewilliges KFZ zu warten, oder
andererseits ein sündhaft teures Mietauto bis zu einer
Landesgrenze zu fahren, über die man es dann im allgemeinen
nicht mitnehmen darf, und dort anzustehen.

Greg ist ein englischstämmiger Südafrikaner mit extensiver
Reiseerfahrung ( ein britischer Paß erlaubte ihm schon vor dem
Ende der Apartheid, von anderen Ländern als Namibia über die
Grenze gelassen zu werden), der mit Andreas gut befreundet ist
und gerade auf seiner Farm in Muldersdrift in der Nähe von
Johannesburg eine backpackerUnterkunft aufbaut, die mittlerweile
bereits ihre Freunde gefunden hat. Das war natürlich praktisch.
Denn Johannesburg ist im allgemeinen die mit Abstand günstigste
Flugdestination im südlichen Afrika, aber es gilt nicht eben als
sicheres Pflaster, und das ist noch Schönfärberei. Auch von der
Infrastruktur her – man kann ganz gut 200 km am Tag fahren,
wenn man zwei verschiedenen Filmsorten entwickeln und zwei Leute
besuchen will – ist es nicht eben ideal zum Anfangen. Und
schließlich kamen wir aus einer (wenn auch
gemütlichmitteleuropäischen) Großstadt und wollten nicht schon
wieder Großstadtluft schnuppern. Weite des afrikanischen
Kontinents, oder so, dachten wir. Also fuhren wir sofort hinaus
nach Muldersdrift und warfen den Abreisestreß übers Wochenende
gründlich ab – vom Frühstück auf der Cottageterrasse mit
Blick über die Hügel bis zum ubiquitösen braai (Grillen) am
Abend mit dem abschließenden Einfall in die local shebeen –
eine Art spartanisch ausgestattete Sauf und Tanzbude von
Schwarzen für Schwarze, eher etwas, wo man als Tourist (so sehr
wir das Wort alle hassen, that’s what they call us) eher
schlecht hinkommt. Oder gar schlecht wieder weg. Aber die Farm
ist gut integriert und Abel, der Shebeenbesitzer, ist Greg’s
langjähriger Freund, und so waren die Leute ganz begeistert, uns
zu Gast zu haben und eine stattliche Anzahl von Bierflaschen
wurde für’s Recycling vorbereitet und der Inhalt dann
wieder ausgetanzt. Unsere zwei Antialkoholiker bekamen Saft oder
Wasser, auch kein Problem.

Über Greg’s ANCConnections besuchten wir denn auch am
nächsten Tag ein "squatter camp" (so sagen die meisten
der "squatter selbst) oder "informal settlement"
(so die offizielle Diktion). Das ist ein in zwei Jahren mühsamen
politischen und persönlichen Einsatzes erkämpftes Areal, auf
dem sich schwarze Farmarbeiter und ihre Familien niederlassen
konnten, welche im Vorfeld der Wahlen 1994 von weißen
Farmbesitzern aus Angst, das Land könnte nach den Wahlen den
darauflebenden Schwarzen überantwortet werden, von ihren Farmen
vertrieben worden waren. Also auch nicht typischerweise auf dem
Touristencircuit. Greg meinte auch, er würde nicht jeden dorthin
mitnehmen – nicht, weil es gefährlich wäre, sondern weil
er seinen schwarzen Freunden nicht auch noch Rassisten
importieren will. Gibt ja noch genügend im eigenen Land.

(N.B.: Ich verwende immer das Wort "Schwarze",
obwohl ich nach zweijährigem USAAufenthalt eigentlich auf
maximal "Farbige" getrimmt war, aber "Farbige
– coloureds – sind in Südafrika wieder etwas anderes,
nämlich eine Mischung, zumeist aus Weiß und, eben, Schwarz.
Insgesamt gab es im System der Apartheid eine zweistellige Anzahl
von Unterscheidungen, die weitgehend im Sprachgebrauch geblieben
sind. Die "squatter" waren eben "Schwarze").

Wir spielten Billard mit Lovemore, dem campeigenen
Sicherheitsbeauftragten (ganz ohne weiße Kugel, etwas für
Könner), spazierten durchs Camp – sehr eng besiedelt,
zumeist Wellblech, mit breiten Straßen dazwischen, auf denen
sich das Leben abspielt – und landeten bei Norman, einem
ehemaligen Schauspieler, der sich auf seinem kleinen Fleckchen
ein richtiges kleines Haus gebaut hat – auf eine neue
Biersorte und soft drinks. Als wir gegen 19 Uhr aufbrechen, ist
es schon dunkel – wir sind ja praktisch im Herbst unterwegs,
und das doch deutlich näher am Äquator als zuhause – und
auf den Straßen des Camps wird gelacht, getanzt und gesungen. Es
ist fast kitschig, aber toll.

Am Montag brechen wir auf – zu dritt, Greg wird später
in Victoria Falls wieder dazustoßen, um uns bei Freunden in
Simbabwe einzuführen. Wir haben zwei Zelte und drei ziemlich
bequeme Matten mit, Tisch und Stühle, Kühlbox und
Campingkocher; und tatsächlich werden wir fast auf der ganzen
Reise campen, was wir ziemlich bequem finden. Zelte aufstellen
und abbauen merken wir bald überhaupt nicht mehr, und die
Infrastruktur ist meist recht gut – Duschen, Toiletten, oft
kleine Shops oder gar Restaurants, letzteres aber nicht
verläßlich und auch Warmwasser ist nicht immer vorhanden, was
angesichts der kühlen Nachttemperaturen die intensive
Körperpflege eher vor dem Abendessen oder nach dem Frühstück
anraten läßt, wenn’s noch warm ist oder wieder warm wird.
Aber bei unserer Route kommen wir nach dem ersten Tag ohnehin
wieder nördlicher, Richtung Äquator, und so läßt sich’s
auch gegen Ende der Reise im Juni, äquivalent dem nördlichen
Dezember, in einem mittelwarmen Schlafsack noch gut aushalten,
und untertags sowieso in Shorts und Ärmellosem. Aber der erste
Tag führt uns Richtung Süden, nach Kimberley. Wir wollen
eigentlich nicht lange in der Republik Südafrika bleiben –
Petra wird sie anschließend noch mit einem Freund bereisen, und
mich zieht es angesichts der beschränkten Urlaubszeit doch ins
ein bißchen weniger zivilisierte südliche Afrika. Aber
Kimberley liegt sozusagen (bei den Distanzen) fast am Weg zum
Kalahari Gemsbok Park, und es ist immerhin das größte von
Menschenhand gegrabene Loch der Welt – auf der (lange
erfolgreichen) Suche nach Diamanten. Am Abend fragen wir nach
einem im Lonely Planet genannten Lokal und ein junger Missionar,
der schon in Lateinamerika war und mit dem ich mich folglich,
etwas gegen den genius loci, auch auf spanisch unterhalten kann,
erläutert uns den Weg – schaut uns dann noch einmal an und
fügt hinzu "Aber vielleicht würdet ihr doch besser ins Keg
& Falcon passen" – und so landen wir dann auch in
einem ganz witzigen Pub, nachdem wir an dem vom Lonely Planet
empfohlenen, doch etwas hochgestochen wirkenden zuerst
angepeilten Restaurant vorbeigefahren sind.

Am nächsten Tag geht’s auch schon weiter in den Kalahari
Gemsbok Park, wo wir unglaublich Glück haben (wie überhaupt auf
der ganzen Reise), weil sich ein Gepard schlicht wie ein
Fotomodell verhält: Er spaziert ein wenig bei dem Wasserloch
neben der Straße umher, geht dann ein Stückchen auf die
Straße, klettert schließlich auf einen Baum, dreht sich um etc.
Nach einer halben Stunde fahren wir doch weiter. Viele Touristen
kommen uns entgegen, die "nur" Gazellen gesehen haben.
Auch mit Gazellen kann man allerdings eine ziemliche
Wildtiervielfalt erreichen, und bei späteren Nationalparks, als
wir auch die Gazellenarten schon auswendig kennen, steigen wir
auf Vogelbeobachtung um – hier ist das Feld noch größer,
man braucht nur ein gutes und einfach zu handhabendes Vogelbuch.

Vorläufig aber geht’s hinein nach Namibia, mit den
üblichen und doch beeindruckenden Stationen Kokerboom
(Köcherbaum)Wald und Giants‘ Playground am Nachmittag, wenn
das Licht orange wird. Irgendein Schaffarmer war wohl einmal sehr
erzürnt, als er feststellte, daß auf seiner Farm nur Steine
– noch dazu so komische – und eine Art sukkulente
Gewächse im Überfluß vorhanden sind – wie soll man da
bloß Schafe ziehen? Mittlerweile ist es eine der
Touristenattraktionen Namibias, wobei er bei den niedrigen
Eintrittspreisen in der Zwischensaison davon auch nicht reich
wird. Für uns ist’s nett, und am nächsten Morgen sehen wir
uns Fish River Canyon von oben an. Zwar wäre es die Saison, in
der man ihn auch durchwandern darf (im südlichen Sommer
ist’s dafür zu heiß, zumindest findet das die
namibianische Regierung, und da sie keine Risiken eingehen will,
fordert sie auch gleich ein Gesundheitszeugnis, welches nicht
älter als 40 Tage sein darf), jedoch sind wir auch mit fünf bis
sechs Wochen für unsere umfangreichen Pläne doch etwas
zeitgedrängt und verzichten daher auf die Wanderung. Außerdem
entlädt sich gerade ein OverlanderLastwagen in die Schlucht, und
das ist nicht ganz meine Vorstellung von afrikanischer
Einsamkeit. Wir fahren also nur die Aussichtspunkte von oben ab,
bewundern ein paar Klipspringer, eine Art kleine Gemsen, die
praktisch steinfarben (umgebungsfarben) sind und sich durch
Stillstehen tarnen, aber nicht mit uns. Dann geht’s weiter
bis Lüderitz – mit dem Flair vom Ende der Welt. Überhaupt
der

Campingplatz ist zweifellos das Ende der Welt. Auf einer
kleinen Halbinsel der Stadt vorgelagert, wildromantisch, wenn
auch zeitweise etwas kühl. Wir suchen im Lonely Planet nach
einer Art Spelunke, denn uns ist nach einem ortsumtriebigen
Biergelage zumute, landen aber irgendwie in einem Restaurant mit
HereroFrauen in einer Art Dirndl als Kellnerinnen und
Hintergrundmusik von "Schwarzbraun ist die Haselnuß"
bis "Mußi denn – Mußi denn zum Städtele
hinaus". Jetzt sind wir aber schon zu müde, um was anderes
zu suchen, außerdem scheint das ungefähr den Markt in Lüderitz
zu reflektieren.

alle Fotos: © http://www.fotos-online.de
Der nächste Tag führt uns nach Duvisib Castle, einem Schloß,
wie der Name schon sagt, nur eben mitten in der Wüste, und dann
weiter nach Sossusvlei. Wir haben Glück: Es ist Wasser in
Naravlei und Sossusvlei, Wasser gibt es nur alle 15 Jahre und
soviel Wasser gab es zuletzt angeblich vor etwa 60 Jahren. Das
Schauspiel mit der Spiegelung der Dünen ist beeindruckend. Wir
bekommen keinen Platz mehr am Campingplatz in Sossusvlei und
landen nach Sonnenuntergang in Solitaire, von einem Holländer
betrieben, der uns, nachdem er die anderen abgefüttert hat,
Spaghetti Bolognese und Salat zubereitet, was nach einer Woche
Hamburger eigentlich wieder ganz erholsam ist. Na ja,
gelegentlich gab‘s natürlich das eine oder andere Steak der
einen oder anderen Tierart, zum Teil sehr gut, aber nicht in
allen Absteigen zu haben.

Am nächsten Tag befahren wir den SpreetskoggtePaß, angeblich
der schwierigste Paß für Geländewagen in Namibia. In
Untersetzung ist der Paß aber kein Problem, eher ein wenig
antiklimaktisch, was das Fahrerische betrifft, aber es ist doch
interessant, einmal eine Aussicht von oben zu bekommen. Wir
kommen an dem Tag nach Swakopmund, nachdem wir in Walvis Bay die
Flamingos besucht haben. In Swakopmund waschen wir in der
Wäscherei mit angeschlossenem Casino (oder umgekehrt?) unsere
Wäsche und ziehen uns auf den Campingplatz außerhalb der Stadt
zurück, schon ziemlich kalt. Am nächsten Tag frühstücken wir
in der obligaten Bäckerei, besichtigen Swakopmund, bewundern den
schnellsten Postbeamten der Welt (kein Witz!), befahren den
WelwitschiaDrive (eine der ältesten Sukkulentenarten der Welt)
und gehen ins Kino, wo wir uns einen wirklich sehr schlechten
Film mit wirklich sehr guten Landschaftsaufnahmen ansehen.

alle Fotos: © http://www.fotos-online.de
Tags darauf geht’s weiter durch Henties Bay zur
Robbenkolonie: Weit über’s Erwartete hinaus beeindruckend,
wenn auch in olefaktorischer Hinsicht eher belastend. Dann fahren
wir den Skeleton Coast Park hinauf, durch eine Menge

Nebel, die Landschaft wird erst interessant, als endlich ein
wenig Sonne durchdringt. Dann ist das Licht aber phantastisch.
Auch die Landschaft wird auf dem Weg zurück ins Landesinnere
Richtung Kaokoveld geradezu atemberaubend. So ungefähr stelle
ich mir Australien vor. Wir übernachten in PalmwagLodge, wofür
wir in Swakopmund unkompliziert Reservierungen vorgenommen
hatten. Wir lassen uns von Hoffi, dem Unikum, einige Tips über
die Straßen hinauf ins Kaokoveld geben und treffen bei dieser
Gelegenheit auch Hans, einen namibianischen Jagdfarmer, und seine
burgenländische Frau Sigi (d.h., eigentlich ist sie die
Jagdfarmerin). Hans und Sigi wirken etwas enerviert über ihre
Jagdgäste und finden uns eigentlich viel unterhaltsamer, sie
laden uns ein in ihrem Camp an den Epupa Falls einmal
vorbeizuschauen, wenn wir hinaufkommen. Das tun wir auch zwei
Tage später, aber davor fahren wir relativ gemütlich
durch‘s Kaokoveld, auf den "Hauptstraßen", welche
durchaus gut befahrbare Sandpisten sind. Diese Nacht campieren
wir "wild" unter Sternenhimmel, am nächsten Tag geht
es an HimbaSiedlungen vorbei, und wir besuchen auch ein
Himbadorf. Es ist für Touristen zur Besichtigung eingerichtet,
scheint uns aber in diesem Fall doch das Sinnvollste, da wir
nicht ganz sicher sind, wohin mit den widerstreitenden
Ethikansprüchen: Die Himbas sind durch die lange Reservatszeit
unter dem Protektorat ein ziemlich naturbelassenes Volk, und die
gelegentliche Spendierfreudigkeit von Touristen in Form von Tabak
und AdidasTShirts hat sich ein wenig ins Pittoreske
eingeschlichen, andererseits kann man ihnen wohl nicht gut
verbieten, sich auch zum Komfort hinzubewegen und ein TShirt
anzuziehen, wenn’s ihnen gefällt, auch wenn das nicht mehr
so fotogen ist. Im Besuchsdorf jedenfalls sind die Bedingungen
wenigstens klar, man zahlt eine sehr geringe Eintrittssumme und
darf dann fotografieren, das erscheint noch ein relativ
unbedenkliches Geschäft. Wir haben auch Glück, weil die Männer
gerade ein Rind schlachten, und somit einiges los ist. Am frühen
Nachmittag treffen wir an den Epupa Falls ein, welche irgendwann
demnächst einem Staudamm zum Opfer fallen sollen. Sicher ist
zwar nicht, daß dieses Projekt tatsächlich seine Durchführung
erfahren wird, sicher ist aber zweifellos, daß diesfalls eine
sehr schöne Gegend verloren ginge. Wir sind also ganz froh, sie
jetzt noch zu sehen, auch treffen wir einen weiteren
deutschnamibianischen Jungreiseunternehmer mit einer Klientin am
Campingplatz, und tauschen Informationen und Kaffee und Kekse
aus. Später schauen wir bei Hans und Sigi auf ein paar Bier
vorbei und erfahren noch allerlei Schwänke aus der Gegend.
Außerdem werden wir auf die Farm eingeladen. Nachdem Hans und
Sigis Farm an drei Seiten von der EtoshaPfanne umschlossen ist
und das genau die Gegend ist, in die wir als nächstes wollen,
nehmen wir gerne an. Wir rasen ihnen also am nächsten Tag im
ortsüblichen Tempo nach, welches Andreas zu einigen Klagelauten
ob seines ge´schundenen Wägelchens bewegt, und kommen gerade
vor Sonnenuntergang auf der ErmoFarm an. Hans verabschiedet sich
gleich von seinen Gästen, überläßt sie Sigi und der
burgenländischen Großmutter und fährt mit uns auf einen
Sundowner auf ein Hügelchen über der Farm. Für den nächsten
Besuch wird uns ein kleiner Rundflug in seiner Cessna in Aussicht
gestellt. Wir verbringen die Nacht in für uns ungeahntem Luxus
in einem echten Zimmer mit eigenem Badezimmer und brechen nach
dem Frühstück mit vielen Gegeneinladungen zu weiteren
Abenteuern auf. Jetzt geht’s ein bißchen zurück, da wir
mittlerweile beschlossen haben, uns den versteinerten Wald doch
anzusehen, auch die Felsgravierungen von Twyfelfontein wollen wir
doch ins Programm mitaufnehmen. Es gibt noch ein paar kleinere
Attraktionen in der Gegend, eine Art Pseudofingerklippe und ein
wirklich sehr tiefes Loch, sowie das lokale Camp Aba Huab, mit
Lagerfeuer und viel Wind, in welchem wir die erste
Österreicherin unserer ganzen Reise (bis auf Sigi) treffen,
welche zufälligerweise auch ein wenig Zirbenschnaps mithat. Das
vertreibt die Kälte der Nacht, und am nächsten Tag fahren wir
auch schon in EtoshaNationalpark ein, wo wir den ersten Elefanten
ziemlich oft fotografieren, bis wir beim Wasserloch um die
zwanzig von ihnen inklusive einem ganzen kleinen Kindergarten und
vier Nashörnern sehen. Nach zwei Tagen Etosha fotografieren wir
dann eigentlich überhaupt keine Elefanten mehr bis nach Chobe ,
wo uns eine 150Kopf starke Herde begegnen wird. Aber interessant
ist‘s doch immer wieder. Etosha erwischen wir dieses Jahr
auch extrem tierreich, wir sehen ganze Herden von Giraffen, bis
zu 19 am Stück, Elefanten in Herden bis zu 60 Stück, die
obligaten Zebras, Gnus etc., es ist wahrlich ereignisreich.
Eigentlich haben wir nur Löwen noch nicht in so richtig freier
Wildbahn gesehen, nur im Rhino & Lion Park in der Nähe von
Muldersdrift , wo sie aber in doch relativ überschaubaren
eingezäunten Territorien logieren und nicht selbst jagen.

alle Fotos: © http://www.fotos-online.de
Auf dem Weg nach Maun in Botswana machen wir noch in Grootfontein
Halt (eigentlich nur zum Übernachten) und im Caprivistreifen, wo
wir aber auch nicht mehr viel unternehmen, da wir im
OkawangoDelta wohl noch genug zum Bootfahren (oder so ähnlich)
kommen werden. Also fahren wir direkt ins AudiCamp, wo wir uns
einen MokoroTrip (das ist eine Fahr durch das OkawangoDelta im
Einbaum) für drei Tage um 20 Dollar pro Person und Tag
organisieren. Wir kaufen unsere Vorräte, Wasser brauchen wir
keines, da das Wasser im Delta deutlich besser ist als das,
welches im AudiCamp oder sonst in Maun aus dem Wasserhahn kommt.
Die Nacht ist so kalt, daß ich mir die Aluflasche mit heißem
Wasser fülle, und zu den Füßen in den Schlafsack lege. Dann
ist‘s ganz angenehm. Zugegeben, mein Schlafsack ist nicht
sehr warm.

Die drei Tage im OkawangoDelta sind großartig. Es ist einfach
eine ganz andere Szenerie – der Kawango oder Okawango (O ist
eigentlich nur ein Artikel) ergießt sich mitten in die Wüste,
in einem riesigen Binnendelta mit aufregender Flora und Fauna, da
die Tierwelt aus der ganzen Umgebung natürlich hierher migriert,
um in Wassernähe zu sein. Wir sehen Hippos und Krokodile, was
aus so einem recht kippelig wirkenden Einbaum eine ganz andere
Spannung bekommt als aus dem Auto. Auf Landspaziergängen
begegnen wir auch Elefanten in einem ganz neuen Machtverhältnis.
Mit unseren Guides haben wir Glück, vor allem Pryor, der Sohn
des Organisators aus dem kleinen Dorf, aus welchem wir
weggefahren sind, kann recht gut Englisch. Das AudiCamp arbeitet
mit diesem Dorf zusammen, das Camp bekommt die Transfergebühr
vom Camp in das Dorf, die Einwohner des Dorfes bekommen die
zwanzig Dollar pro Tag, und für die arbeiten die Poler auch
wirklich hart – sie stoßen die kleinen Einbäume mit langen
Stangen durchs Delta.

alle Fotos: © http://www.fotos-online.de
Am Montag Nachmittag sind wir zurück und Dienstag geht’s
weiter. Eigentlich wollten wir durch den MoremiNationalpark und
den ChobeNationalpark fahren, nachdem wir aber jetzt nur noch
recht wenig Zeit haben, ehe wir Greg in Victoria Falls treffen,
fahren wir doch rundherum, was weiter ist, aber deutlich
schneller geht. Chobe sehen wir uns trotzdem an, und hier sehen
wir diese wirklich beeindruckende Herde von 150 Elefanten beim
Überqueren des Sambesi. Am 4. Juni treffen wir in Victoria Falls
ein und holen Greg von der Tankstelle, welche als Busstation
fungiert ab. Es ist zwei Tage vor meinem dreißigsten Geburtstag,
und der muß gebührend begangen werden. So sehen wir uns am 5.
in Ruhe die Viktoriafälle an, welche wirklich eines dieser
Schauspiele sind, die man auf einer Postkarte nicht gut
wiedergeben kann. Auch ins koloniale Hotel schauen wir, wo man
einmal sehr günstig siebengängig tafeln könnte, so zur
Abwechslung, aber ich finde keine Mitbewerber. So ist‘s
wieder Pizza und Bier, und am nächsten Tag springen Greg und ich
von der Brücke über den Sambesi, den höchsten kommerziellen
Brücken BungeeJump der Welt. Das hier näher zu beschreiben,
übersteigt zweifellos meine Formulierkünste, empfehlen kann
ich‘s aber unbedingt. Die Unternehmung ist auch sehr sicher
(für mich fast ein bißchen zu sicher, ich fühlte mich so
geborgen, daß mir glatt der Adrenalinstoß ausblieb). Wir
würden am liebsten gleich noch einmal springen, dann
kostet‘s nur die Hälfte (und es kostet beim ersten Mal
schon nur 90 Dollar, 60 für locals z.B. aus Südafrika), aber
wir fahren schon weiter nach HwangeNationalpark. Übrigens sind
wir seit knapp vor Victoria Falls in Simbabwe, für die, die sich
in der Gegend nicht so gut auskennen. In Hwange sehen wir
eigentlich nichts Neues, außer einer wirklich entzückenden
kleinen Kindertanzgruppe. Eigentlich stehen wir alle nicht so auf
diese Touristenvorführattraktionen, aber die Kleinen sind
wirklich gut und ganz begeistert bei der Sache. Am nächsten Tag
fahren wir zum KaribaStausee und übernachten in Binga, wo es
einen Campingplatz mit heißen Quellen gibt, er hat drei
Schwimmbecken mit sukzessive kühler werdendem Wasser und blickt
über den riesigen Lake Kariba. Etwas verspätet trinken wir
jetzt doch noch den Champagner für meinen dreißigsten
Geburtstag, die Kulisse ist jedenfalls durchaus adäquat.

Am nächsten Tag geht’s weiter nach Kariba(Stadt) am
Ostende des Sees. Greg hat Freunde dort, noch aus seiner Zeit am
Lake Malawi, und einer davon ist Steven Pope, welcher seit 15
Jahren in der Gegend "Walking Safaris" unternimmt,
insbesondere im Mana PoolsNationalpark. Mit Steve wollen wir
jetzt doch endlich unsere Löwen sehen. Das gelingt uns auch,
nachdem wir zwei Tage in Kariba in bester Gastfreundschaft mit
diversen obligaten braais verbracht haben. Mittwoch früh
geht’s los, Steve hat noch drei weitere Gäste, insgesamt
sind wir also acht für die Walking Safari, und schon Donnerstag
früh hören wir bei unserem Gang, wie ein Löwinnenrudel einen
Büffel schlägt. D.h., eigentlich hört unser Fährtensucher
das, auf jeden Fall aber kommen wir nahe genug heran, um die noch
schockierte Büffelherde zu beobachten. Die Löwen können wir
von unserem Standort aus nicht sehen. Steve meint, der Büffel
wäre vielleicht noch nicht tot, da die Herde noch hier ist, und
schlägt vor, zurück ins Camp zu gehen, zu frühstücken,
unserem im Camp verbliebenen Andreas abzuholen und dann von einem
anderen Winkel wieder ranzugehen. Genauso geschieht‘s, und
bald darauf sind wir fünzig Meter zu Fuß von einem Rudel mit
fünf erwachsenen Löwinnen und drei Jungen entfernt, die sich
über einen Büffel hermachen. Steve hat ein geladenes Gewehr bei
sich, aber es würde wohl gegen fünf Löwinnen auf einmal nichts
nützen. Er versichert uns aber, daß Löwen im Rudel nie ein
Problem sind, da ihre Instinkte sie einen Menschen immer
vorwarnen lassen, bevor sie endgültig angreifen. Nur weglaufen
darf man nicht. Wir nehmen‘s uns zu Herzen, auch durch die
drei Scheinangriffe der Löwinnen hindurch, die bis auf etwa
sieben Meter herankommen – das ist schon sehr nahe, wenn man
zu Fuß und nicht durch einen Zaun getrennt dies miterlebt. Jetzt
aber hab auch ich meinen Adrenalinstoß bekommen und wir sind
alle hellauf begeistert von der Begegnung. Wir ziehen uns
zurück, um die Löwinnen auch ihre Mahlzeit beenden zu lassen,
und streifen noch ein wenig durch den Park, aber der Höhepunkt
war natürlich erreicht. Bis vielleicht auf die Tatsache, daß
eine Löwin mit einem Jungen in der Nacht so nahe an meine
Zeltwand herankommt, daß ich sie atmen höre. Das ist eigentlich
auch mir ein wenig zu spannend, obwohl es rückblickend
betrachtet eine unglaublich tolle Erfahrung war. In der Nacht
aber – ich gebe es freimütig zu – wollte ich
eigentlich nur, daß sie wieder weggeht, was sie schließlich
auch tat. Jedenfalls war damit wohl der Höhepunkt der Reise
erreicht, und unsere Zeit ging ja auch bald zu Ende. Wir fuhren
noch einmal nach Kariba zurück, um in einem Zimmer tatsächlich
zu schlafen, und mit einem selbstgebastelten
"Luftkissenboot" eine kleine Tour über den See zu
machen. Diese Leute des südlichen Afrika sind wirklich ungemein
erfindungsreich, und so hatten sich hier zwei andere Freunde von
Greg einfach in den Kopf gesetzt, ein Luftkissenboot zu basteln,
sich zwei Bücher darüber gekauft und in zehn Jahren im
TrialandErrorVerfahren eines gebaut. Wir waren auf der
Jungfernfahrt mit dabei, und hin ging‘s auch wirklich ganz
beeindruckend, zurück war dann allerdings der Ventilator,
welcher die Luft unter die Schürzen bläst, gebrochen und so
hatten wir zurück gleich eine "sunset cruise", und als
uns schließlich das Motorboot rettete und auch Bier mitbrachte,
noch eine kleine Motorbootfahrt. Aber es wurde uns versichert,
daß es sich hier nur noch um ganz kleine Kinderkrankheiten
handelt. Außerdem erwartete uns im Haus des Kapitäns ein
Riesentopf Spaghetti und mehr Bier, so daß wir auch mit diesem
Ausflug natürlich rundum zufrieden waren.

Auf der Heimreise nach Südafrika schauten wir uns noch die
Simbabwe Ruins an, und zwar bei Sonnenuntergang, was wirklich
eine sehr beeindruckende Stimmung zeigte. Beim Rausfahren
stellten wir allerdings fest, daß der Schranken herunten und mit
einem Vorhängeschloß gesichert war, stellten aber in weiterer
Folge auch fest, daß er sich auf der Seite einfach aushängen
ließ. Auch einem Vollmondbesuch der Simbabwe Ruins sollte also
beim nächsten Besuch nichts im Wege stehen.

Am 19. Juni schließlich sollte ich zurückfliegen, Petra
wollte ohnedies noch ein wenig bleiben, und ich blieb auch noch
eine Nacht, da British Airways nach sechs Stunden herumbasteln am
linken Triebwerk doch beschloß, diese Nacht nicht zu fliegen. So
flog ich am 20., und das reichte auch aus, um am 21. knapp vor
der Hochzeit meines Bruders in Wien anzukommen. Und wenn sie
nicht gestorben sind, so leben alle Beteiligten glücklich
weiter, und ich fahre sicher wieder in die Gegend.

Anmerkung: Ich habe Unterlagen über Greg’s Unterkunft
bei Johannesburg und Steve‘s Walking Safaris dem Travellers
Club zur Verfügung gestellt, auch eine

Preisliste und die Möglichkeiten, was mit dem Luftkissenboot
in Kariba so alles unternommen werden kann. Weiters gibt’s
Informationen über Hans und Sigis Jagdfarm beim EtoshaPark. Für
alle weiteren Auskünfte, und auch Kontakte zu Andreas, dem
unerschrockenen Geländewagenbesitzer cum Reiseführer (an sich
immer unter Greg’s Telefonnummer zu erreichen, gleichzeitig
auch ein Fax) stehe ich natürlich immer gerne zur Verfügung.

P.S.: Bis Ende Dezember ist Andreas in Wien unter 405 51 75 zu
erreichen!

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Thursday, 24. May 2012