Traveller Club Austria

RUWENZORI, Auf zum Regenmacher!

Rubriken: Tipp - Reiseziele: Uganda

Während das Flugzeug Kurt, Emil und mich nach Uganda bringt, drehen
sich meine Gedanken um all die Zeitungsberichte der letzten Wochen. Die Unruhen im
Grenzgebiet des Ruwenzori und Gerüchte, daß die Region für Touristen möglicherweise
gesperrt ist, versprechen eine Reise ins Ungewisse.

Wir landen in Entebbe an den Ufern des schier endlos scheinenden
Viktoriasees. Der Flughafen ist gleich die erste angenehme Überraschung in diesem Land:
sauber und mit allen westlichen Standards versehen. Keine teuren Visagebühren und
Taxifahrer, die mit Schildern in der Hand auf sich aufmerksam machen! Wir sprechen einen
von Ihnen an, welcher uns auch gleich einen fairen Preis anbietet.

Die Hauptstadt Kampala ist 30km vom Flughafen entfernt und bietet noch
immer viel koloniales Flair verbunden mit einem modernen Stadtzentrum.

Am folgenden Tag fahren wir in einem Sammeltaxi nach Kasese, eine am
Fuße des 140 km breiten Ruwenzori Massivs gelegene Kleinstadt. Während der Fahrt erleben
wir die saftig grüne, leicht hügelige Landschaft. Wir haben paradiesische Eindrücke.
Von Armut keine Spur. In der Nähe der Grenzregion werden die Militärkontrollen immer
häufiger, man versichert uns, daß die Lage im Moment ruhig ist, außerdem würde das
Militär keine Touristen in gefährdete Gebiete lassen.

Die Besteigung des "Regenmachers", wie die Hauptgipfel des
Ruwenzori genannt werden, verspricht von Beginn an ein Abenteuer zu werden. Nach
Entrichtung der Nationalparkgebühren und der Buchung einer Begleitmannschaft
(Gesamtkosten U$ 390), müssen wir erst am Markt das Essen für die nächsten sieben oder
acht Tage selbst organisieren. Hier erweist sich Kurt als Spezialist.

Zeitig am Morgen bringt uns ein klappriger Pick-up in das 1700m hoch
gelegene Dorf Ibanda. Hier befindet sich das Hauptquartier des Nationalparks. Unsere 7
Mann starke Begleitmannschaft plus Führer wird aus einer Schar von Menschen ausgewählt,
unser Gepäck genau abgewogen und gerecht aufgeteilt. Wir werden in der Zwischenzeit in
den Regeln des Parks unterwiesen. Hier kann man auch noch alle möglichen
Ausrüstungsgegenstände ausleihen, auf Gummistiefel werden wir speziell hingewiesen...

Endlich ist Abmarsch. Die "grüne Hölle", oder "der
erlebte schöne Wahnsinn" wie uns ein nach 8 Tagen Trekking zurückgekehrtes,
erschöpft wirkendes Schweizer Pärchen versichert, wartet auf uns.

Die erste von sieben Etappen empfängt uns mit dichtem, aber nicht
schlüpfrigen Bergregenwald. Wir glauben, daß dies auf die trockene Jahreszeit
zurückzuführen ist. Laut Statistik regnet es ja nur an 320 Tagen im Jahr.

Am nächsten Tag wird die Vegetation immer uriger, wir machen unsere
erste Bekanntschaft mit Sumpf oder Bog. Der Bog besteht aus Sumpf und mannshohen
Grasbüschel, zwischen denen Riesenlobelien bis 3m Höhe wachsen. Alles gedeiht hier
größer, höher und gewaltiger als anderswo. Im Bog selbst geht man nicht, vielmehr
springt oder hüpft man von Grasbusch zu Grasbusch. Nervenkitzel: Bei jeder Fehllandung
steckt man knietief im Schlamm. Wir sind froh unsere Skistöcke dabei zu haben, denn so
können wir besser balancieren. Dank dieser Wegbeschaffenheit legen wir pro anstrengenden
Tag nur wenige Kilometer zurück.

Immer wieder müssen wir uns fragen, warum wir uns das antun - meist
wenn wir uns aus dem Schlamm kämpfen. Ein Blick weg vom durchnäßten Schuhwerk gibt die
Antwort: Die Belohnung ist eine intakte, exotische Natur abseits des Massentourismus. Im
ganzen Nationalpark halten sich nicht mehr als 14 Bergwanderer während einer ganzen Woche
auf!

Am vierten Tag verlassen wir die Sumpfzone endlich auf einer Höhe von
4.OOOm und erreichen die Elena Hütte (4.600m), von wo aus wir zum Gipfelsturm ansetzen
werden. Die Wolken geben am Nachmittag einen imposanten Blick auf den Mount Baker und die
nun vor uns liegenden Gletscher frei.

Frühmorgens steigen wir mit Steigeisen und Pickel dem Gipfel entgegen.
Doch der Regenmacher umschließt sich und uns bald mit einen Wolkendecke. Zu schnell
kommen Nebel und eisiger Wind auf. Als wir schließlich auf der Margeritha Spitze (5.109m)
stehen, sehen wir keine zehn Meter weit.

Noch am selben Tag steigen wir zum Kitandara See ab. Er ist von
Senezienwäldern umgeben und gilt als schönster Platz des Nationalparks. Die Sonne spielt
hier wieder mit, der Gipfel bleibt jedoch den ganzen Tag eingehüllt. Wir nutzen die
Gelegenheit um unseren Koch Samuel die Zubereitung von Palatschinken beizubringen - er
verwöhnt uns von nun an damit. (Die Hauptnahrung der Einheimischen ist übrigens mehrmals
täglich Mais.)

Vom lauschigen Kitandara See sind es noch zwei unglaublich anstrengende
Tage mit Bog in jeder Art und Größe. Wir folgen unserem Führer Joel auf den Tritt, um
ein paar sehr ausgesetzte Passagen heil zu überqueren. Emil rutscht bei letzter
Gelegenheit doch noch aus. Nur ein starker Strauch verhindert einen Sturz 10m in die
Tiefe.

Glücklich und erschöpft erreichen wir das Ziel. Am Abend feiern wir
unseren Gipfelsieg und denken an die wohl noch viel größeren Strapazen der Erstbesteiger
der Sella Expedition von 1906...

Die "Big Three" Afrikas sind also bezwungen! Den Abschluß
unserer erfolgreichen Alpintour bildet ein Abstecher zu den Virunga Vulkanen, wo noch 620
Exemplare der Berggorillas leben. Wir kommen bis auf wenige Meter an die großen
intelligenten Vegetarier heran. Ein unvergeßliches Erlebnis, ehe der Urlaub erholsamen
Ausklang an den weitläufigen Stränden des indischen Ozeans findet.

Werner Bauer

PS: Vortragstermine!

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Saturday, 19. May 2012