Traveller Club Austria

Roll on over Asia

Rubriken: Tipp - Reiseziele: Singapur

Vor Augen die inzwischen klassische Route von Saigon nach Singapur, unter dem rechten Fuß einen silbernen Flitzer: den Scooter. Klein im Fluggepäck und groß bei der Stadtbesichtigung.

Nach Indochina, das im ersten Teil (Travel News02/01) durchquert worden ist, geht es nun über die malaysische Halbinsel

Manchmal kommt Sand in das Getriebe. Thailands Wirtschaft hat dieses Problem gerade hinter sich gelassen, so topmoderne High-Tech-Geräte wie Kickboards sieht man hier schon. Neu für uns sind die grünen, gelben, blauen Modelle. Würden nur alle unserem Beispiel folgen, das Verkehrschaos in Bangkok wäre bald keines mehr und lauter fröhliche Menschen könnten ohne Atemnot durch die Sukumvit Road zischen... Derzeit liegen die Verkehrsverhältnisse in der Hauptstadt so, dass man ohne Helm und Atemschutz nicht zum Scootern antreten sollte.

Wir verziehen uns in die bei ungezählten Individualisten beliebte Barackensiedlung auf der Insel Phi Phi. Weil nur wenigen Meter Weg hier festen Untergrund aufweisen, haben wir bald Sand im Getriebe - d.h. in den Radlagern - und bewältigen den Weg zum Strand, vorbei am Biergarten, per pedes. Dem Reiz des Wikinger-Cafés - mit echtem Helm! - erliegen wir nicht, keine Scooterrennstrecke hier - also nix wie weg. Im komfortablen Minibus geht´s weiter nach Malaysia, hoffnungsvoll: Da dürfen sogar Formel-1-Flitzer über den Asphalt rasen.

In Penang, diesem Schmelztiegel unterschiedlichster Völker ist man sich in einem einig: unsere Scooter sind sooo süß! Zwei neugierig herbeigeeilte Bankangestellte tragen mit ihrem imposanten Lebendgewicht, das sie im Duett auf das Rollbrett bringen, zu einem Härtetest bei. Bestanden, Rollbrett nicht geknickt! Und anders als den begeisterten Rikschafahrern in Saigon, fragen die in Penang nach einem erstaunten Lächeln ziemlich besorgt: "Wenn nun alle mit so etwas kommen, wer fährt dann noch mit uns?" Die älteren Passagiere eines amerikanischen Kreuzfahrtschiffes beantworten diese Frage durch Taten: Sie entern schwergewichtig die Fahrradkutsche, der Fahrer legt erfreut mit dem Dollarzeichen im Auge los.

Wir bleiben unseren Wadeln als Energiequelle treu und strampeln und keuchen zu den Tempeln verschiedener Konfessionen, einer liegt gar am Hang des Aussichtsberges Penang Hill. Rauf geht´s ein bisschen schleppend, aber für das Studium der engen Kurven muss man sich sowieso Zeit lassen... Talwärts lassen wir dann die Sau raus und fühlen uns nach vier Wochen Großstadtpraxis souverän genug, die Kurven zu kratzen. Vorher haben wir uns darauf geeinigt, der technisch extrem unkomplizierten Hinterradbeinkraftdruckbremse nicht allzuviel Vertrauen zu schenken.

Nach dem Sturzflug lassen wir die nächste Herausforderung nicht aus, bewältigen die Strecke in die Hauptstadt wieder mit einem bequemen Bus und begeben uns schnurstracks zum Wahrzeichen Kuala Lumpurs. Wir wollen zwar nicht jedes Stockwerk der Petronas Towers, des höchsten Gebäudes der Welt, mit dem Scooter befahren - aber schon der Besuch des topmodernen Luxus-Shopping Centers in den unteren Etagen entpuppt sich als höchst interessant. Der jugendliche Wachmann will uns doch allen Ernstes verbieten, hier unseren Roller zu nutzen - dabei geht es auf Marmorboden doch besonders gut! Vielleicht wirkt er deshalb so frustriert, weil das Dutzend Kinder hier so gar nicht auf den Amtskappler hören und ungeniert ihre Runden drehen. Wir bemerken: Tretroller gibt es in KL in großer Zahl, die Benützer haben aber noch kaum das Teenageralter erreicht. Unfreiwillig fallen wir also auch hier auf. Die paar Kunden zwischen Rolex und Dior wollen wir aber bestimmt nicht stören. Und wir fahren hier nur Schrittgeschwindigkeit. Ehrenwort!

Noch langsamer kommen wir im nächtlichen Chinatown voran. In den schiebenden Menschenmassen zwischen den Verkaufsständen wird das Kickboard zum Klotz am Bein. Gaby verweigert das Fahren komplett und als ich endlich auch beim Foodstall ankomme, hat sie schon die erste Portion Saté-Spieße hinter sich. Immerhin teste ich im Gedränge den Wendekreis des Scooters und weiß nun, dass ein abrupter 90-Grad-Einschlag mit einer hautnahen Asphaltzustandsprüfung kombiniert werden kann.

Die letzten paar hundert Kilometer unserer Scooter-Tour nach Singapur legen wir wieder auf vier Rädern zurück. Anschließend legen wir uns mit der Polizei an. Im Stadtstaat hat alles seine Ordnung. Und mit so einem Kinderspielzeug auf der Fahrbahn zu rollern ist genauso undenkbar wie einen Kaugummi auf die Straße zu spucken. Pfui! Wir erbringen trotz der Schikanen von der Obrigkeit den Beweis, dass man die Stadt völlig ohne Taxi erkunden kann.

Wir finden unsere bevorzugte Nische auf der Busspur. Da ist man immer mit einem kleinen Hupfer zurück am Gehsteig, dort rollen wir legal, aber beengt. Das hilft bei der Sichtung eines Polizisten und ebenso wenn der Schatten des Busses immer bedrohlicher wird. Erst wenn wir abends auf den Stadtplan sehen, bemerken wir, wie viele Kilometer wir abgespult haben. Trotz der Müdigkeit und des täglich zweimaligen Zwangswechsels der verschwitzten Wäsche sind wir uns am Ende der Reise einig: Besser geht´s nicht. Noch nie haben wir mehr Gefühl für Raum und Menschen in den Städten entwickelt als bei dieser Scooter-Tour. Mal sehen, ob wir bei österreichischen Benzinpreisen dem Roller treu bleiben. Gibt´s eigentlich Winterreifen dafür?

-Peter Giovannini-

Karte

Javascript ist notwendig für die Anzeige dieser Karte.
 

Beiträge in der gleichen Rubrik

  • malarone und reiseapo günstig -

    malarone und reiseapo günstig

  • Ninth Edition of Moon Fiji -

    Avalon Travel Publishing has launched the 9th edition of Moon Fiji, the original travel guide to the 322-island Fiji archipelago.

  • Moon Tahiti from Avalon Travel -

    Avalon Travel Publishing has launched the 7th edition of Moon Tahiti by David Stanley.

  • Südamerika Reisebüro -

    Um die LIste der Veranstalter komplett zu machen, die sich hier vorstellen, möchte ich an dieser Stelle noch viventura (www.suedamerika-erlebnisreisen.de) erwähnen.

  • Fototipp Mitre Peak (Milford Sound, NZ) -

    Der Mitre Peak ist einer der meistfotografiertesten Berge Neuseelands, pitoresk gelegen am Milford Sound. Für Fotografen bietet sich am meisten das Morgenlicht bzw.

 
Monday, 06. February 2012