Traveller Club Austria

N A M I B I A ... der Ort, an dem nichts ist ... (12/98)

Rubriken: Tipp - Reiseziele: Namibia

Es ist tiefer Winter im südwestlichen Afrika, als wir einem heiß-schwülen Europa mit 34° C Abendtemperatur den Rücken kehren. Nach zehnstündigem Flug erreichen wir Johannesburg, wo wir den ersten "Temperatursturz" erleben. 9°C – auch das ist Afrika. "Wir", das sind meine Frau und ich, die wir uns auf die Übernahme eines City-Golf bei einem deutschsprachigen Vermieter in OKAHANDJA (68 km nördlich von Windhuk und Lebenszentrum der HERERO) freuen.

Nur hat man leider darauf vergessen, uns vom Airport in Windhuk abzuholen, wie es ausgemacht war. Ein kurzes Telefonat klärt die Situation, unser Vermieter war der Meinung, wir würden erst nächste Woche ankommen. Man kann sich auch trotz Kalenders irren. Schnell wird dieser Irrtum bereinigt, die Formalitäten sind bald erledigt und schon am nächsten Morgen sind wir mit unserem rechts-gesteuerten Gefährt auf den (anfangs noch asphaltierten) Straßen des Landes unterwegs. In Namibia herrscht Linksverkehr, was jedoch angesichts einer Landesfläche von rund 820.000 km² (fast 10 mal so groß wie Österreich) bei einer Gesamtbevölkerungszahl von 1,7 Mio Menschen kein Problem darstellt. Erfreut stellen wir beim ersten Tankstop fest, daß der Liter Benzin nur etwas mehr als ÖS 4,- kostet. Nachdem die namibische Währung gleichgestellt mit dem südafrikanischen Rand und dessen Kurs in letzter Zeit rasant gefallen ist, kommen wir in den Genuß billigen Reisens. Unsere Berechnungen zu Hause wurden noch auf der Basis 1 N$ = 2,7 öS erstellt, nun ist der Preis für den N$ auf ca. 2.- öS gesunken.

Für Namibier und Südafrikaner des Mittelstandes wird eine Reise nach Europa damit zum Wunschtraum. Gut Essen im Restaurant gestaltet sich für uns gaumenverwöhnte Europäer also nicht nur zum kulinarischen, sondern damit auch zum preisgünstigen Erlebnis. Die Palette präsentiert sich von verschiedenen Wildspeisen (Kudu-Gulasch oder Straußen-Steak) über örtliche Spezialitäten (Biltong – getrocknetes Fleisch, am besten von der Elandantilope) hin zu europäischen Schmankerln (wie wär´s mit Schwarzwälder Kirsch-Torte?). Ein Krügerl vom sehr guten Hansabier kostet in durchschnittlichen Lokalen zwischen 9 und 14 ÖS. Auch die Preise für diverse Übernachtungen halten sich in Grenzen. Wenn man nicht gerade eine Luxus-Lodge gewählt hat, kann man (z.B. für einen Bungalow in sehr guter Ausstattung mit Grillplatz) für 2 Personen mit ÖS 350 rechnen. Campingplätze präsentieren sich unterschiedlich gut in Zustand und Ausstattung. Unterwegs im Land bezahlt man für die Camp-Site durchschnittlich 80-100 ÖS (2 Pers.+ Auto). Teurer wird’s in den diversen Nationalparks, schließlich wird dem Besucher da auch mehr geboten, außerdem kommt die Eintrittsgebühr hinzu, die überall im Land verlangt wird.

Wir verlassen Okahandja nach einem Fahrzeug-Check in westlicher Richtung. Unser erstes Ziel ist SWAKOPMUND, eine malerische Kleinstadt am eiskalten Südatlantik mit deutschen Straßennamen und mitteleuropäischem Flair. Da wird noch viel Deutsch gesprochen (mittlerweile wurde Englisch zur Amtssprache erkoren). Leider zeigt sich der beliebte Bade- und Ausflugsort häufig im dichten Küstennebel. Wir wissen nun, daß das auch ganz interessante Stimmungen erzeugt. Aber ein bißchen Sonne würdee nicht schaden. Von hier kann man Ausflüge ins kurios aufgeräumte Walvis Bay machen (größter Tiefseehafen Namibias und südafrikanische Enklave bis 1994, das etwas weiter südlich gelegene Sandwich Bay ist derzeit ohne Vögel und daher kein lohnenswertes Ziel mehr!), aber auch in die Wüste, wo es Welwitschien zu sehen gibt, eine botanische Kuriosität aus der Urzeit. Der Kärntner Biologe Friedrich Welwitsch hat diese langlebige und sehr genügsame Pflanze einst entdeckt, wodurch dieses nur hier existente Naturwunder auch die Ehre hat, dessen Namen zu tragen.

CAPE CROSS mit seinen zigtausenden Zwergpelzrobben lädt durch den bestialischen "Mundgeruch" der putzigen Tiere nicht gerade zum längeren Verweilen ein. Trotzdem lohnt die Tierbeobachtung, denn die Replik des vom portugiesischen Seefahrer Diego Cao errichtete Steinkreuz allein ist die Reise hierher nicht wert. In nördlicher Richtung erreichen wir nach knapp 200 km Fahrt bei Ugab den Eingang zum SKELETON COAST-Nationalpark. Den Namen Skelettküste hat dieses Gebiet zahlreichen Schiffsunglücken der letzten Jahrhunderte zu verdanken. Etliche Handels- und Expeditionsschiffe, die an dieser Küste ihre Seele ausgehaucht haben und nun Skeletten gleich im Ufersand verrotten, sehen auf den alten Werbefotos noch recht spektakulär aus. Heute sind sie eher enttäuschend oder von der Hand: Touristischer Neugier zeigt sich lediglich der 1976 gesunkene Fischkutter "SEAL", weitere Wracks befinden sich in unzugänglichen Sperrgebieten, die nur im Zuge einer (teuren) Flugsafari besucht werden können. Der unwirtliche, wüstenähnliche und menschenleere Küstenstreifen strahlt einen besonderen Reiz auf den Besucher aus. Gelbe Sanddünen fressen sich über die dunkelrote Schotterwüste bis an die Meeresküste vor. Bei Springbokwater verlassen wir den Nationalpark wieder, wenden uns ostwärts in Landesinnere und wir zählen an diesem Tag insgesamt nur neun Fahrzeuge auf der Piste. So grenzt es an Glück, daß wir einen Schleuderunfall auf der extrem schlechten Piste vor KHORIXAS nur mit kleinem Blechschaden überstehen, da wohl lange Zeit nicht mit Hilfe zu rechnen gewesen wäre. Es passieren jährlich unzählige Unfälle, weil der Straßenzustand (meist von Touristen wie uns) falsch eingeschätzt wird.

In der Gegend von Khorixas präsentieren sich einige Sehenswürdigkeiten wie der "versteinerte Wald", die einst aus Angola angeschwem- mte Baumstämme versteinerten im Lauf der Zeit, ganz interessant, weitersschöne Felsgra-vuren und –zeichnungen der Buschmänner bei Twyfelfontein, die "Orgelpfeifen" (vulkanische Basaltsäulen, mäßig) oder die Fingerklippe, ein gewaltiger Felsmonolith, der einsam in der Landschaft steht – der imposante Ersatz für die vor Jahren kollabierte "Finger Gottes".

Das Highlight unserer Reise jedoch ist die Tierwelt in der ETOSHA-Pfanne ("Etosha" bedeutet soviel wie "der große, weiße Platz"). Eine vor Jahrmillionen entstandene Boden-senke füllt sich zur Regenzeit mit Wasser, das im Winter (in der Trockenzeit) nur noch in wenigen Wasserlöchern zu finden ist. An diesen Tränken läßt sich dann das Wildleben in konzentrierter Form beobachten. Neben diversen Antilopenarten bekommt der Besucher Elefanten, Spitzmaulnashörner, Zebras, Warzenschweine, Giraffen, Strauß und mit Glück Geparden und Löwen zu Gesicht, aber auch viel Kleinwild und nebenbei interessante Vogelarten. Skurrile Moringabäume und die das Landschaftsbild bestimmenden Mopane-bäume runden das Bild ab. Die Wasserlöcher rund um Okaukuejo (Tip: Olifantsbad) und Halali (Tip Rietfontein) sind die wohl ertragreichsten für den "Fotojäger", aber auch in der Nähe des ehemaligen Forts der deutschen Schutztruppe, in Namutoni, sind Fotosafaris sehr erfolgreich (Tip: Kalkheuwel, dort sind aber "alle" Touristen und - am Abend - Klein Namutoni – dort sind fast nur Tiere...). Fünf Tage halten wir uns in der Pfanne auf, die wir dann in östlicher Richtung verlassen. Dort würden wir es viel länger aushalten!, sind wir uns einig!

In der Nähe von TSUMEB, einer Bergwerksstadt, befinden sich die beiden einzigen natürlichen Seen des Landes. Der Otjikoto-See ist immerhin 170 m tief und durch den Einsturz unterirdischer Karsthohlräume eentstanden.

Bei GROOTFONTEIN ("große Quelle") befindet sich der HOBA-Meteorit, mit etwa 50 t Gewicht der schwerste Eisenmeteorit, der bisher auf der Welt gefunden wurde. Vor rund 80.000 Jahren vom Himmel gefallen und etwa 100-300 Mio Jahre alt. Das Stück Mineral haut aber keinen vom Hocker.

Auf dem Weg in den Süden befindet sich der interessante WATERBERG PLATEAU-Park fast am Weg. Das von Steilwänden begrenzte Hochplateau bietet auf seinen 405 km² in einer der eindrucksvollsten Landschaften Namibias Nashörnern und anderen seltenen Tieren einen sicheren Aufenthaltsort. Die steil aufragenden Felswände aus rotem Sandstein überragen das Umland um 150-200 m am Fuß der Steilwände lassen sich schöne Wanderungen unternehmen. Bei der Zusammenstellung von Reiserouten durch Namibia wird dieses Gebiet oft vergessen – völlig zu Unrecht!

Für die Herero ist der Waterberg ihr "Schicksalsberg". Hier kam es im August 1904 zum letzten entscheidenden Kampf mit den Soldaten der deutschen Schutztruppe, wobei die Herero waffentechnisch unterlegen waren und in die Kalahari-Wüste gedrängt wurden. Viele, die die Schlacht überlebt hatten, verdursteten dort.

Nach einem kurzen Zwischenstop in Okahandja fahren wir in Richtung NAMIB NAUKLUFT-Park, mit 49.768 km² Fläche der wohl größte im ganzen Land. Nach dem Besuch des eher wenig spektakulären Kuiseb-Canyons lohnt ein Ausflug in den SOSSUSVLEI-Nationalpark allemal. Über eine Länge von mehr als 300 km und eine Breite von etwa 140 km erstreckt sich hier eine endlos erscheinende Dünenlandschaft. Mit bis zu 300 m Höhe befinden sich hier die höchsten Dünen der Welt und man kann bei traumhaften Sonnenuntergängen die Farbveränderung der Sandberge beobachten.

Auf dem weiteren Weg in den Süden kommen wir am 1908 errichteten Schloß DUWISIB vorbei, das unserer Meinung nach einen größeren Umweg zwar nicht gerade wert ist, aber auf unserem Weg liegt und uns irgendwie originell erscheint. Der nahe Campingplatz unter alten weit ausladenden Bäumen kann als sehr romantisch bezeichnet werden.

Auf dem letzten Stück der Piste, kurz bevor wir die Asphaltstraße nach Lüderitz erreichen, haben wir dann einen Reifenschaden – ein dickes Loch in der Wange und daher irreparabel. Das gehört aber in diesem Land zur Tagesordnung.

Der Bremer Tabakkaufmann Adolf LÜDERITZ kaufte 1883 einen 20 km breiten Küsten-streifen, der ein Jahr später vom damaligen Reichskanzler Bismarck "unter den Schutz des Deutschen Reiches" gestellt wurde. Das war die Geburtsstunde von Deutsch-Südwestafrika. Neben zahlreichen Kolonialbauten gibt es die 13 km außerhalb des Ortes befindliche Geisterstadt KOLMANSKUPPE zu besichtigen, die sich im heutigen "Sperrgebiet" befindet. Anfang des Jahrhunderts wurden hier die ersten Diamanten gefunden und bald setzte ein Boom ein, wodurch es der schnell wachsende Ort bald zu ungeahntem Reichtum brachte und mit dem Nachlassen der Diamantenfunde ebensobald wieder in Vergessenheit geriet.

Ein großartiges Erlebnis stellt für uns dann noch ein Ausflug in den 460 km südöstlich von Lüderitz befindlichen FISH RIVER CANYON dar, den "Grand Canyon" Afrikas. Gewaltige Ausblicke in die Tiefen des Canyons und leichte Wanderungen lassen Travellerherzen höher schlagen. Zum Reinigen der staubgeschädigten Haut und zum Ausrasten bietet sich für uns dann das heiße Thermalwasser der Quellen von AI AIS am südlichen Ende des Canyons an.

Auf dem Weg zurück in den Norden halten wir uns im Ort KEETMANSHOOP auf. Einige Kilometer außerhalb befindet sich der sagenhafte Köcherbaumwald, wo sich die Silhouetten der hier endemisch vorkommenden Aloenart im Licht der untergehenden Sonne abzeichnen. Mit uns genießen einige andere Touristen die romantische Stimmung.

Unseren letzten Stopover auf dem Rückweg nach Windhuk legen wir am HARDAP Damm ein, dem größten Stausee des Landes. Hier wird der Fish River gestaut und die Umgebung des Stausees ist äußerst reizvoll.

Die letzten Tage unserer Reise, bei der wir insgesamt mehr als 6000 km auf Pisten und Straßen zurückgelegt haben, verbringen wir in der Hauptstadt WINDHUK, die mit 170.000 EW nicht gerade übervölkert scheint. Rund um den sauberen, europäischen Stadtkern drängen sich unterschiedlich ärmliche Hüttensiedlungen und Villenviertel, die den ganzen Widerspruch dieser gemischten Gesellschaft vor Augen führen...

Inge & Dieter VIZVARY

INFOS: Der immense Kursverfall der südafrikanischen Währung Rand hat Namibia zu einem kostenmäßig günstigen Reiseland gemacht. In Namibia kann auch mit südafrikanischen Rand bezahlt werden. Den Hauptanteil im Tourismus stellen immer noch die (weißen) Südafrikaner. Deren Ferienzeiten sind daher bei der eigenen Urlaubsplanung unbedingt zu berücksichtigen. Beste Reisezeit sind lt. Statistik der Juli und August mit 0 Regentagen. Die zwei Regentage (nicht durchgehend, aber heftige Gewitterstürme sind durchaus möglich), die wir erlebt haben, werden die Statistik zwar auf Jahre hinaus nicht grundlegend beeinflussen, dichte und sturmfeste Zelte sind jedoch beim Campieren nötig, ebenso warme Sachen zum Anziehen, da die Nächte in dieser Zeit empfindlich kühl werden können. Die Tage sind dafür mit 20-25° C eher angenehm, die Luft ist eher trocken-heiß und es ist nicht schwül.

Malaria-Prophylaxe haben wir (auf Anraten einheimischer Apotheker) aufgrund der herrschenden Trockenheit und der relativen "Kälte" keine genommen (nicht einmal in der Etosha-Pfanne waren die gefürchteten Quälgeister vorzufinden).

Der Küstennebel kann dem Besucher schon einmal die Freude vergällen – Wetterglück oder die Geduld des Besuchers - der Nebel löst sich nachmittags meist auf – lösen das Problem.

Die Automiete muß nicht mehr unbedingt von Südafrika aus erfolgen (mehrtägigen Zeit-verlust wegen der Anreise beachten), in Namibia gibt es mittlerweile durchaus konkurrenz-fähige Anbieter. So hat uns der City Golf, den wir in Okahandja geliehen hatten (Adresse im TCA), für 27 Tage und 6000 km Fahrt samt Versicherung rund ÖS 14.000,- gekostet. In diesem Preis sind ein Reifenschaden und ein weiterer Schaden, der von uns auf der Piste verursacht wurde, eingeschlossen. "Free mileage" ist nicht alles, denn wir sind trotz km-Geld-Verrechnung besser gefahren. Selbstbehalte bei den Versicherungen sollten verglichen werden. Höchste Vorsicht ist beim Befahren der sehr unterschiedlich beschaffenen Sand- und Schotterpisten geboten. Unterschiedlich schwere Unfälle (vor allem von deutschen Urlaubern verursacht) sind im namibischen Pistenverkehr an der Tagesordnung.

Mit der Kriminalität gibt’s (landesweit betrachtet) keine gravierenden Probleme, nur vom Besuch bestimmter Gegenden (und zu Nachtzeiten) in größeren Städten wird abgeraten!

Sofern man mit Campingausrüstung unterwegs ist, gibt es keine Probleme, wenn man auf einem Campground ohne Voranmeldung aufkreuzt – nur beim Camp Sossusvlei sollte man sich voranmelden, da man andernfalls weggeschickt wird und zwischen 35 und 70 km entfernt liegende Plätze aufsuchen muß. Das zelten am Wegesrand wird durch endlose Zäune der farmen erschwert, aber es ist an vielen orten doch möglich, besonders im Norden (Damaraland).

Flüge zu den Vic-Falls sind von Windhoek aus möglich, aber teuer (ca. ÖS 7000.- und da mit nur 9-sitzigen Maschinen geflogen wird, meist auf Wochen im voraus ausgebucht).

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Friday, 18. May 2012