Traveller Club Austria

Mount Kenya, Klimanjaro, Ruwenzori

Rubriken: Tipp - Reiseziele: Kenia

In Ostafrika stehen die drei höchsten Bergmassive des
Kontinents - Kilimanjaro 5.895m, Mount Kenya 5.199m und Ruwenzori
5.109m.Sie erheben sich imposant aus den Hochplateaus und regen
durchihre Gletscher und Schneefelder die Phantasie der Menschen
an. Für die Einheimischen Sitz der Götter, Regenmacher oder
Silberberge, für uns Faszination und Sehnsucht unserer Träume,
sowie erfüllbare Lust auf das Abenteuer in fernen Ländern.

Schon im Altertum (Herodot, Aristoteles, Diogenes) gab es
eindeutige Hinweise die auf hohe Berge und zwei große Seen als
Quellen des Nils im Herzen des dunklen Kontinents deuteten. Bis
Ende des vorherigen Jahrhunderts konnte aber kein einziger
Europäer zu seinen Quellen vordringen und dies auch
wissenschaftlich bestätigen. Sie wurden das Ziel zahlreicher
Expeditionen unter der Leitung von Stanley, Teleki, Burton uva.
Die Berichte der Missionare Rebmann und Stab im Jahr 1848 von
weißen Bergen am Äquator wurden der Royal Geogphical Society in
London belächelt. Die Entdecker von Decken und Otto Kersten
stießen am Kilimanjaro 1862 bis auf eine Höhe von 4.316m vor.
Damals war der Kraterrand des Kili`s noch zur Gänze mit einem
Eispanzer überzogen. 1887 erreicht Graf Teleki bei seiner
Expedition zum Rudolfseeam Mount Kenya eine Höhe von 4.350m. Im
September 1889 belagernder deutsche Geograph Prof. Hans Meyer und
der österreichischeBergführer Hans Prutscheller den Kilimanjaro
- damals dieKaiser Wilhelm Spitze und erreichen am 6.Oktober 1889
denhöchsten Punkt Afrikas. Der Kilimanjaro selbst war ein
Geburtstagsgeschenk Königin Viktorias an Ihren Neffen Kaiser
Wilhelm II. Erst zehn Jahre später wird der Mount Kenya
vomEngländer Halford Mackinder bestiegen. Die Kletterei im
viertenSchwierigkeitsgrad war für damals eine hervorragende
Leistung. Der Kilimanjaro lag zur Jahrhundertwende in
Deutschostafrika, der Mount Kenia gehörte zu England, nur der
Ruwenzori in Belgisch-Kongo gelegen war noch nicht erstiegen.
Hier schlugen die ehemaligen Kolonialherren Äthiopiens die
Italiener zu. Der Herzog von den Abruzzen und der Bergführer
Vittorio Sella erreichten die Margaritha Spitze den höchsten
Punkt am 18.Juni 1906. Dies geschah 1.756 Jahre nachdem der
Geograf und AstronomClaudius Ptolemy`s eine Karte Afrikas mit
zwei großen Seen undBergen, denen er den Namen Mondgebirge gab
und als Quelle des Nil`s zeichnete. Aristoteles bezeichnete sie
bereits 350 v.Chr als Silberberge.

26.Dezember 1996 - eine kleine Gruppe des Alpenvereins
startetgut vorbereitet von Wien Schwechat aus zur Besteigung der
höchsten Berge Afrika´s.

 

MOUNT KENYA

Unsere erlebnisreiche Trekkingtour führt zuerst in den
MountKenya Nationalpark. Wir wählen die landschaftlich schöne
Naro Mouru Route zur klassischen Umrundung des Massivs.Sie
startet bei der Meteorologische Station auf 3.100m Höheund ist
für uns eine ideale Akklimatisationstour für den Kilimanjaro.
Wir durchsteigen langsamen Schrittes alle Vegetationszonen -
Bergregenwald, Erica, Steppengras sowie die exotischen
Senezienbäume und Riesenlobelien lassen uns staunen. Nach zwei
Stunden taucht zum ersten mal der Gipfel des Mount Kenya auf.
Bereits um 11 Uhr beginnt sich die Wolkendecke zu schließen.
Nach sechs Stunden erreichen wir um zwei Uhr bei stöhmenden
Regen unsere Hütte das Mackinders Camp. Unsere zwei Köche die
Josephs bereiten uns ein köstliches Mahl. Am Abend verziehen
sich die Wolken, so daß wir die wunderschöne Stimmung der
Gipfel im Abendlicht noch mit unseren Objektiven einfangen
können. Am nächsten Tag führt der Weg zu einem Gletscher See
mit dem sich darin spiegelnden Berg. Danach geht es über ein
schmales weiß angezuckertes Felsband zum nächsten Paß,
hinunter zu einen in einem Senezienwald gelegenen smaragdgrünen
Gletschersee(Tarn) und über einen weiteren Grad zum Shipton´s
Camp. Die Hütten sind nur spartanisch ausgestattet. Noch in der
sternefunkelnden Nacht mit dem Kreuz des Südens am Himmel setzen
wir zum Gipfelsturm auf den Point Lenana 4.995m an. Alle
erreichen dieses Ziel und blicken beeindruckt auf die
dolomitenähnlichen Hauptgipfel Nelion und Batian die Kurt und
Manfred bei schlechten Wetter - Wind und Schneefall in 14 Stunden
im IV Grad erklettern. Wir feiern Silverster und unseren ersten
Gipflesieg am Nakurusee. Tausende Flamingos lassen den See rosa
schimmern.Der See befindet sich im Ostafrikanischen
Grabenbruch.Über Nairobi fahren wir mit unseren Expeditions-Lkw
nach Moshiwo wir bei Mama Clementinas einer Hotelfachschule für
arme Töchter eine sehr gute Unterkunft am Fuße des
Kilimanjarosfinden. Nur 20 Kilometer ist die Eisspitze des
Kili´sentfernt.

 

KILIMANJARO

Der Aufstieg über die Umbwe Route erfordert 33 Einheimische
als Begleitmannschaft mitzunehmen. Es gibt hier keine Hüttenund
auch keine Möglichkeiten rasch an Wasser zu kommen.Auf 1.400m
Höhe beginnt der Marsch durch dichten Urwald. Oft ist der Weg
nicht eindeutig zu erkennen. Umgestürzte Bäume von1 Meter dick
müssen überwunden werden. Der Dschungel ist oft sodicht, daß
weder Licht noch Regen durchdringen. Manche Bäume sind gar bis 3
m dick und bieten Unterschlupf.Wir stellen unsere Zelte mitten
zwischen die Sträucher währendunsere Träger die Nacht
zusammengekauert im Freien unter einemFelsüberhang verbringen.
Wir höhren sie die ganze Nacht sprechen, singen und lachen. Für
sie stellt dieser Job eine der wenigen Möglichkeit dar ein bar
Dollar zu verdienen.Am nächsten Tag wird der Wald lichter und
wir steigen durchlichtdurchflutenden Ericawald in die Senezien
und Graszone auf.Die Erica sind bis zu 3m hoch und mit
Moosflächten überzogen,ein märchenhafter Anblick. Ein erster
Blick auf die großen Eisfelder macht uns euphorisch. Unser
heutiger Lagerplatzbefindet sich auf der Barranco Hut auf 3.960m.
Nach einer langen Nacht setzen wir uneren Weg zur Barafu Hutfort.
Wir queren dabei direkt unter den großen Gletschern.Das Panorama
ist überwältigend. Ich fühle wie mir immer mehrdie Kraft
ausgeht. Für die letzten 600 Höhenmeter brauche ich fast 5
Stunden. Ich werde von drei Mann begleitet die mich bewachen.
Immer wieder lege ich mich auf den Weg und schlafe. Der Körper
ist müde und es fällt mir immer schwerer meine Bewegungen zu
kontrollieren.

Mir wird langsam bewußt, daß ich an der Höhenkrankheit
leide. Endlich angekommen krieche ich sofort in mein Zelt,
esseKeks und trinke Tee. Die Chancen auf den Gipfelsieg sind
dahin.Während der Nacht beginne ich zu räuspern und spucke
Blut.Meine Freunde setzten um 1 Uhr Nacht zum Gipfelsturm an, ich
denke nur noch an den Abstieg.Über ein Geröllfeld erreichen sie
nach 6 Stunden den Stella-Point am Kraterrand. Das gilt schon als
Besteigung. Nach weiteren 1,5 Stunden ist der höchste Punkt der
Uhuru Peak 5.895m erreicht. Afrika liegt unter uns. Der
Reuschkrater der 5.148m hohe Mawenzi die Stufengletscher und die
reinweißenStufengletscher hinterlassen einen unvergesslichen
Eindruck.Der Abstieg führt über die Marango Route zum
Haupteingang.Auf der Horombo Hütte treffe ich sie alle
erschöpft jedoch überglücklich wieder. Angekommen bei Mamma
Clementinas fühle auch ich mich wieder besser. Der Gipfelsieg
wird mit gutem Essen und südafrikanischen Rotweine gefeiert, die
Urkundenüberreicht.

Den Abschluß des ersten Teiles der Reise bildet eine Safariin
den Ngorongoro Krater. In diesem Naturwunder mit 20km Durchmesser
und 304 km2 finden wir noch die großen Gnuherdensowie Löwen,
Geparden, Zebras, Antilopen, Elefanten, Nashörner,...

Ein großer Teil unseren kleinen Gruppe fliegt nach
Haus.Übrig bleiben nur noch Kurt, Emil und ich. Unser Ziel
liegtim unsicheren Uganda - die Mondberge, der Regenmacher oder
Ruwenzori wie sein Name heute ist wecken unsere Abenteuerlust.

 

RUWENZORI
der Regenmacher!

Während das Flugzeug Kurt, Emil und mich nach Uganda
bringt,drehen sich meine Gedanken um all die Zeitungsberichte
derletzten Wochen. Die Unruhen im Grenzgebiet des Ruwenzoriund
Gerüchte, daß die Region für Touristen möglicherweise
gesperrt ist, versprechen eine Reise ins Ungewisse.Wir landen in
Entebbe an den Ufern des schier endlos scheinenden Viktoriasees.
Der Flughafen ist gleich die erste angenehme Überraschung in
diesem Land. Sauber undmit allen westlichen Standards versehen.
Keine teuren Visagebühren und Taxifahrer die mit Schildern in
der Hand auf sich aufmerksam machen! Wir sprechen einen von Ihnen
an,welcher uns auch gleich einen fairen Preis anbietet.Die
Hauptstadt Kampala ist 30 Km vom Flughafen entfernt undbietet
noch immer viel koloniales Flair verbunden mit einem modernen
Stadtzentrum.

Am darauf folgenden Tag fahren wir bereits in einem
Sammeltaxinach Kasese, die am Fuße des 140 Km breiten Ruwenzori
Massivs gelegene Kleinstadt. Während der Fahrt erleben wir die
saftig grüne, leicht hügelige Landschaft. Wir haben
paradiesische Eindrücke. Von Armut keine Spur. In der Nähe der
Grenzregion , werden die Militärkontrollen immer häufiger, man
versichert uns, daß die Lage im Momment ruhig ist. Das Militär
würde keineTouristen in gefährdete Gebiete lassen.

Die Besteigung verspricht gleich von Beginn an ein Abenteuerzu
werden. Nach Entrichtung der Nationalparkgebühren und Buchung
der Begleitmannschaft (Gesamtkosten U$ 390), müssenwir erst am
Markt das Essen für die nächsten sieben oder acht Tage selbst
organisieren. Hier erweist sich Kurt als Spezialist.

Zeitig am Morgen bringt uns ein Pickup in das 1700m hoch
gelegene Dorf Ibanda. Hier befindet sich das Hauptquatierdes
Nationalparks. Die 7 Mann starke Begleitmannschaft plusFührer
wird aus einer Schar von Menschen ausgewählt, dasGebäck genau
abgewogen und aufgeteilt. Wir werden in derZwischenzeit in den
Regeln des Parks unterwiesen. Hierkann man auch noch alle
möglichen Ausrüstungsgegenständewie z.B. Gummistiefel(!)
ausleihen.

Endlich ist Abmarsch. Die grüne Hölle, oder der
erlebteschöne Wahnsinn wie uns ein nach 8 Tagen Trekking
zurück-gekehrtes, erschöpft wirkendes schweizer Pärchen
versichert,wartet auf uns.

Die erste von sieben Etappen empfängt uns mit dichtem
abernicht schlüpfrigen Bergregenwald. Wir glauben, daß dies
aufdie trockene Jahreszeit zurückzuführen ist. Laut
Statistikregnet es an 320 Tagen im Jahr.

Am nächsten Tag wird die Vegetation immer uriger, wir
machenunsere erste Bekanntschaft mit Sumpf oder Bog. Der Bog
bestehtaus Sumpf und mannshohen Grasbüschel, zwischen denen
Riesenlobelien bis 3m Höhe wachsen. Alles gedeiht hier
größer,höher und quantitativer als anderswo. Im Bog selbst
geht mannicht, vielmehr springt oder hüpft man von Grasbusch zu
Grasbusch. Bei jeder Fehllandung steckt man knietief im Schlamm.
Wir sind froh unsere Skistecken dabei zu haben undso besser
balancieren zu können. So schaffen wir pro Tag nur wenige
Kilometer. Immer wieder fragen auch wir uns warum wiruns das
antun. Die Belohnung ist eine exotische Natur abseitsdes
Massentourismus. Im ganzen Nationalpark halten sich nicht mehr
als 14 Bergwanderer während einer ganzen Woche auf.

Am vierten Tag verlassen wir die Sumpfzone endlich auf
einerHöhe von 4.OOOm und erreichen die Elena Hut (4.600m), vonwo
aus wir zum Gipfelsturm ansetzen werden. Die Wolken gebenam
Nachmittag einen imposanten Blick auf Mount Baker und dievor uns
liegenden Gletscher frei.

Früh steigen wir mit Steigeisen und Pickel dem Gipfel
entgegen.Doch der Regenmacher umschließt sich bald mit einen
Wolkendecke. Zu schnell kommt Nebel und eisiger Wind. Als
wirschließlich auf der Magaritha Spitze (5.109m) stehen, sehen
wir keine zehn Meter weit. Noch am selben Tag steigen wir zum
Kitandara See ab. Er ist von Senezienwäldern umgeben und giltals
schönster Platz des Nationalparks. Die Sonne spielt auchwieder
mit, der Gipfel bleibt jedoch den ganzen Tag eingehüllt.

Wir nutzen die Gelegenheit um unseren Koch Samuel das
Palatschinkenkochen beizubringen. Er verwöhnt uns von nunan
damit. Die Hauptnahrung der Einheimischen ist Mais.

Von hier aus sind es noch zwei unglaublich anstrengende
Tagemit Bog in reinkultur. Wir folgen unserem Führer Joel aufden
Tritt um sich über ein paar sehr ausgesetzte Passagen zukommen.
Emil rutscht bei letzter Gelegenheit noch aus. Nurein starker
Strauch verhindert einen 10m Sturz. Glücklicherreichen wir das
Ziel. Am Abend feiern wir unseren Gipfelsiegund denken an die
Strapazen der Vittorio Sella Expedition von 1906.

Die Big Three Afrikas sind bezwungen. Den Abschluß bildet
nocheinen Abstecher zu den Virunga Vulkanen, wo noch 620
Exemplareder Berggorillas leben. Wir kommen bis auf wenige Meter
an diegroßen intelligenten Vegetarier heran. Ein unvergeßliches
Erlebnis, ehe der Urlaub erholsamen Ausklang an den weitläufigen
Stränden des indischen Ozeans findet.

Karte

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Sunday, 05. February 2012