Traveller Club Austria

The Mereenenie Loop Road

Rubriken: Tipp - Reiseziele: Australien

Alice Springs, die einzige größere Stadt im Zentrum Australiens ist
Ausgangspunkt für meine Fahrt in den ULURU Kata National Park. Ich möchte aber nicht
über den Stuart Highway anreisen, sondern über die Schotterpisten der Mereenie Loop
Road, die den West Mac-Donell Ranges folgen.

Die 25.000 Einwohner-Stadt "Alice" bietet alles, was zum
australischen City-Life gehört: Supermärkte, Autovermieter, Reisebüros, Hotels,
Flughafen, eine charmante Fußgängerzone, Souvenirläden, usw. Das Schwierigste hier ist,
jetzt in der Hauptreisezeit ein geländegängiges, aber billiges Auto anzumieten. In der
Todd Street miete ich schließlich bei Outback Rentals eine Toyota Twin Cab.

Im Tourist Office besorge ich ein road permit, ohne welches das
Aboriginal Country nicht befahren werden darf. In einem der zahlreichen Supermärkte kaufe
ich Lebensmittel und Trinkwasser für die nächsten Tage im Outback ein.

Die Schluchten und Nationalparks der West Mac-Donnell Ranges sind tags
darauf die ersten landschaftlichen Höhepunkte. Simpson Gap, Stanley Chasm, Ellery Creek
Big Hole, ein Naturreservat mit einem ständig wasserführenden See, Serpentine Gorge
– eine Attraktion nach der anderen reiht sich am Namatjira Drive. Abend erreiche ich
die Glen Helen Lodge. (Roadhouse, Campingplatz, Tankstelle!) Die Lodge ist ein idealer
Ausgangspunkt für meine Wanderungen durch die Schluchten des Ormiston Gorge National
Park. Jetzt bewährt sich der breitkrempige Hut und das Moskitonetz, das vor den tausenden
Fliegen schützt.

In Glen Helen geht die asphaltierte Straße in eine Schotterpiste
über, die 260 km durch das Outback bis zum Kings Canyon führt. Kein einziges Roadhouse
gibt es entlang dieser Straße. Deshalb ist es ratsam, das Auto voll zu tanken, den
Ölstand und den Reifendruck zu kontrollieren.

Ein atemberaubender Sonnenaufgang taucht die Landschaft in ein goldenes
Licht, als ich die rauhe, mit Querrillen und Treibsand durchsetzte Piste in Angriff nehme.
Der aufgewirbelte Staub liegt als kilometerlange Staubfahne über der Landschaft. Die
ersten 90 km werden vom Mt. Sonder (1379m) dominiert, der rostrot aus der Ebene ragt. Von
einem Bergrücken, den die Straße am Tylers Pass überquert, gibt es eine traumhafte
Aussicht in das menschenleere Outback, daß von Spinifex, Büschen und rotem Sand
dominiert wird.

In einer langen Schleife wendet sich die Straße nach Westen, folgt
einem langen Gebirgsstock, den Gardner Ranges, um unvermittelt wieder in eine
Spinifexebene überzugehen. Termitenhügel prägen plötzlich die Landschaft, die sich in
der Mittagshitze am Horizont aufzulösen beginnt. Die Klimaanlage, die auf Vollbetrieb
läuft, erleichtert die anstrengende Fahrt. Roter Staub setzt sich in den kleinsten Ritzen
des Autos fest. Am späten Nachmittag erreiche ich einen Lookout, der den Blick in den
Watarrka National Park freigibt. Noch einmal fahre ich 30 km auf Schotterpisten, bevor das
Kings Canyon Resort erreicht ist. Das Resort ist eine künstliche grüne Oase inmitten
dieser Halbwüste. Im Swimmingpool erhole ich mich von der langen, staubigen Fahrt.

Kurz nach Sonnenaufgang folge ich einem steil ansteigenden Pfad in den
Kings Canyon. Am Rand der mächtigen Schlucht breitet sich eine bizarre Landschaft
verwitterter Sandsteinkuppeln aus. Unzählige Touristen tummeln sich zwischen den Felsen,
oft gefährlich nahe am Abgrund. Ein kleiner See bildet den Abschluß der Schlucht . Eine
willkommene Möglichkeit, sich mit einem Sprung ins kühle Naß abzukühlen.

320 km verläuft die Ernest Giles Road und der Lasseter Highway durch
Ödland, vorbei an Curtin Springs, einem abgelebten Roadhouse, bis Yulare, dem
Ferienresort im Uluru National Park. Das Resort verfügt über Hotels, Campingplätze,
Restaurants, Reisebüros ect. 18km sind es bis zum Ayers Rock, der die ihn umgebende Ebene
um 350 m überragt. Das Schauspiel der untergehenden Sonne, die den Ayers Rock je nach
Witterung und Sonnenstand in den unterschiedlichsten Farben glühen läßt, ist
beeindruckend.

Eine Wanderung (ca. 10 km) um den rostroten Monolithen vermittelt einen
Eindruck von der Größe, aber auch von der Mythologie der Aborigines. Plätze, die mit
dem Hinweis Aboriginal Sacred Site markiert sind, dürfen weder fotografiert noch betreten
werden. Auf eine Besteigung des heiligen Felsen verzichte ich aus Rücksicht auf die
Mythologie der Aborigines. Ein weiterer Höhepunkt sind die 35 km westlich gelegenen Kata
Tjuta. Wanderungen erschließen mir die Schönheiten dieser Felskuppeln, die über eine
große Fläche verstreut liegen. Im Licht der untergehenden Sonne erstrahlen sie in
atemberaubenden Rottönen. Auf der Rückfahrt nach "Alice" glitzern bereits die
Sterne über dem in nächtliche Dunkelheit gehüllten Uluru.

Kurt Stiegler

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Wednesday, 23. May 2012