Traveller Club Austria

MEINE NATURWUNDER CHINAS

Rubriken: Tipp - Reiseziele: China

China, das Reich der Mitte, hat eine der ältesten und  interessantesten
Kulturen dieser Welt hervor-gebracht. Die Große Mauer, den Kaiserpalast
in Peking oder die Terrakotta-Armee in Xian kennen sicherlich die meisten
von Euch.
Aber - habt Ihr gewußt, daß China einige der großartigsten
Naturwunder dieser Welt aufzuweisen hat. Mit seinen Wüsten, endlosen
Steppen, dem
Himalaya und anderen Gebirgen, den üppig wuchernden Dschungel-gebieten
und den fruchtbaren Tiefebenen gibt es dort fast alle Landschaftsformen,
welche diese Welt zu bieten hat. Es gibt schroff aufragende Berge, wunderschöne
türkisblau leuchtende Bergseen, tosende Wasserfälle, bizarre
Felsformationen, palmengesäumte Sandstrände und harmonische Landschaften,
welche nur darauf warten, von den Besuchern entdeckt und genossen zu werden.
Mit 1,2 Milliarden Einwohnern ist China das bevölkerungsreichste
Land der Erde.  Mit der Größe von 9.561.000 km2 ist es
nach Rußland und Kanada das drittgrößte Land der Welt.
Mit dem an der nepalesischen Grenze gelegenen Mt. Everest gibt es dort
den höchsten Berg, mit der Tigersprung-Schlucht die (angeblich) tiefste
Schlucht, mit der Turfansenke die zweittiefste Erdsenke und dem Yangtze
den drittlängsten Fluß der Erde.
Neben diesen gewaltigen Rekordhaltern der Natur sind es jedoch vor
allem die harmonischen Landschaften, welche die Besucher Chinas verzaubern.


JIU ZHAI GOU


Eines der grandiosesten Naturwunder Chinas ist die Seen- und Wasserfall-Landschaft
des Jiu-Zhai-Gou-Nationalparks in der Provinz Sichuan.
Kalt und frostig präsentiert sich diese Landschaft im Winter,
wenn eine Schneedecke die  Schönheit des auf 2500 m liegenden
Tales verdeckt. Doch im April erwacht die Natur zu neuem Leben. Die immer
kräfiger werdende Sonne läßt das Wasser wieder fließen
und frißt bizarre Formationen in das Eis der erstarrten Wasserfälle.
Kristallklares Wasser, das in den Gletscherregionen des Berges entspringt,
bildet dann eine Vielzahl von kleinen und großen Kalksinterbecken,
aus denen das Wasser gurgelnd, glucksend, rauschend und tosend von einem
Wasserbecken zum anderen immer weiter talwärts fließt. Aus den
schmalen Bächen werden etwas weiter unten kräftige Wasser-massen,
die sich schön wie ein Gemälde über die Abgründe hinabstürzen.
Aus den kleinen Wasserbecken werden  saphirblau leuchtende Seen, welche
von den alten Wäldern des Berges umgeben sind. Im Wasser des Sees
liegen Dutzende Baumstämme, die aufgrund der Chemie des Wassers nicht
verrotten können. Türkisblau und gelblich grün leuchtet
der Boden des Sees, der mit Algen bedeckt ist. Wer zu Frühlingsbeginn,
im Mai, dieses Tal besucht, wird einem grandiosen Schauspiel beiwohnen
können.
Aus den zerplatzenden Knospen quellen dann bunt leuchtende Blüten
heraus, und kaum versieht man sich, bedecken sattgrüne Blätter
die Sträucher und Bäume. Vom Frühling geschwängert,
treiben die Bäume Knospen und Blätter und ein Meer von grünem
Gras säumt das Ufer der Seen. Wo vor wenigen Wochen noch trostloser
Winter herrschte, hat sich dann eine üppige Flora entwickelt und es
fällt jedem Besucher schwer, diese phantastische Landschaft zu verlassen.


HUANG SHAN


Im Osten Chinas, in der Nähe von Shanghai, findet man den fast 2000m
hohen  Huang Shan, den Gelben Berg. Wer jemals den Huang Shan gesehen
hat, will keinen anderen Berg mehr besteigen, lautet ein alter Spruch.
Und auch für mich ist dies der schönste Berg Chinas.
Gerade als ich zu Beginn des Winters diesen Berg besteigen wollte,
setzte dichtes Schneetreiben ein. Trotzdem marschierte ich, durch den weichen
Neuschnee stampfend, die zahllose Steinstufen zum Gipfel hinauf. Als ich
dann am nächsten Morgen am Gipfel meine Hütte verließ,
erstrahlte der jungfräuliche Schnee in der gleißenden Morgensonne.
Morgendliche Nebelschwaden zogen aus dem Tal herauf und verflüchtigten
sich. Gipfel um Gipfel, insgesamt 72, ragten vor mir schroff und bizarr
aus dem Gebirgsstock empor. Der Lotusblumen-Gipfel, auf dessen schmalem
Grat man den Eindruck bekommt, zwischen Himmel und Erde zu schweben, ist
mit 1840 m die höchste Erhebung dieses Gebirgsmassivs. Der Nachbargipfel,
der Tiandu Feng, ist in seiner Gestalt vielleicht die bizarrste aller Bergspitzen.
Die Schönheit des Huang Shan hatte schon vor Hunderten von Jahren
die chinesischen Maler in ihrem künstlerischen Schaffen inspiriert.
Schroffe Abbrüche und glatt polierte Felsen zeugen von den vielfältigen
Gestaltungsmöglichkeiten der Natur. Schön, wie es schöner
kein Maler hätte erschaffen  können.  Wenn man dort
einige Tage durch die Berge wandert, wird man sich bald selbst als winzigen
Bestandteil eines mächtigen, lebendigen chinesischen Kunstwerkes sehen.
Seltsame Gesteins-formationen, wohlgeformte Rundungen, steile Abbrüche
und spitze Felsnadeln  faszinieren den Wanderer, wenn er durch diese 
grandiose Landschaft schreitet.


WULING-YUAN-NATIONALPARK


Eine der eindrucksvollsten Landschaften Chinas findet man im Wuling-Yuan-Nationalpark
in der südlichen Provinz Hunan. Aus der Ferne wie Strohhalme wirkend,
ragen dort Tausende Felstürme aus der Landschaft heraus. Teilweise
nur wenige Meter dick, erreichen diese Felsen eine Höhe von mehreren
hundert Metern. Wenn man den Wuling Yuan betrachtet, ist es unvorstellbar,
wie diese Landschaft entstanden sein könnte. Es waren wohl die Erosion
und die Zeit, welche mit gestalterischer Freude dieses Naturwunder geschaffen
haben.
Auf gewundenen Pfaden kann man dort mehrere Tage lang durch das über
300 km2 große Gebiet wandern und von seinem Zentrum, von der Abbruchkante
des 1250 m hohen Tianzi Shan, der Himmelsterrasse, auf dieses Naturspektakel
hinabblicken.


WUYI SHAN


Nicht so spektakulär wie der Huang Shan, nicht so farbenprächtig
wie Jiu-Zhai-Gou und nicht so bizarr wie der Wuling Yuan ist das an der
Ostküste Chinas liegende Sandsteingebirge des Wuyi Shan. Aber trotzdem
lohnt es sich, dort ein paar Tage zu verweilen, um diese liebliche Landschaft 
zu genießen. Mit einer maximalen Höhe von 600 m zieht sich der
Wuyi Shan an der Grenze zwischen den Provinzen Fujian und Jiangxi dahin.
Eine der schönsten Stellen dieses Gebirgszuges befindet sich am "Fluß
der neun Windungen", von dessen Ufern schroffe Sandsteinhügel emporwachsen.
Wege und steile Stufen führen hinauf auf diese Hügel, von wo
man den Blick über diese recht seltsam anmutende Landschaft schweifen
lassen kann. Wer Zeit hat, kann auf den Wegen noch weiter ins Land hineinmarschieren,
um idyllische Plätze und einsam gelegene Gehöfte und Dörfer
aufzusuchen. Wer das Außergewöhnliche liebt, läßt
sich anschließend noch auf einem Bambusfloß auf dem "Fluß
der neun Windungen" hinuntertreiben  und erfreut sich dabei all der
kleinen Schönheiten dieses Flußtales.


KEGELKARSTBERGE BEI GUILIN


Im Süden Chinas an den Ufern des Li-Flusses nahe der Stadt Guilin
findet der Naturliebhaber eine der großartigsten Landschaften dieser
Welt. Wie ein grünes Seidenband windet sich der Li-Fluß durch
das schmale Tal, vorbei an den tausenden wie Jade gefärbten Felsnadeln,
vorbei auch an den sich im Wind wiegenden Bambushainen, welche an den Uferböschungen
wachsen. Wie aus Samt erscheinen die hellgrünen Reisfelder, die den
Talboden bedecken. Bekannte chinesische Maler und Dichter haben in dieser
Gegend schon verweilt, um ihre Künste dieser Landschaft zu widmen,
und tatsächlich sieht es fast so aus, als ob sie von einem Maler erschaffen
worden wäre. Entstanden ist diese Landschaft aber bereits vor über
300 Millionen Jahren. Damals war das Gebiet noch vom Meer bedeckt. Als
das Wasser zurückging, blieb der von Muschelablagerungen kalkbedeckte
Meeresboden, aus dem die Erosion im Laufe von Jahrmillionen seltsame, unvermittelt
aus der Ebene aufragende Felstürme geformt hat.
Alljährlich besuchen hunderttausende in- und aus--ländische
Touristen diese Gegend. Alltäglich fahren 30, 40, 50, ja manchmal
hundert Schiffe voller staunender Touristen von Guilin, der größten
Stadt dieser Gegend, auf dem Li-Fluß hinunter nach Yangshuo, von
wo sie wieder mit Bussen nach Guilin zurückkehren. Solch eine Schiffahrt
ist eine sehr gute Möglichkeit, die Karstlandschaft auf recht gemächliche
Weise kennenzulernen. Leider lassen jedoch herumbrüllende Reisegenossen 
und laut dröhnende Musik aus den Bordlautsprechern solch eine Fahrt
nicht immer zu einem Vergnügen werden.
Wer dieses Wunderwerk der Natur wirklich genießen will, der muß
sich auf den Fahrradsattel schwingen oder noch besser, zu Fuß das
Land durchwandern. Nur dann kann man die harmonische Beziehung zwischen
der Landschaft und seinen Bewohnern verstehen. Nur dann kann man die Ausstrahlung
dieses Ortes mit all seinen Sinnen  aufnehmen und sich an der Natur
erfreuen.


STEINWALD BEI KUNMING


Im Südwesten Chinas in der Provinz Yunnan, in der Nähe der Stadt
Kunming, hat die Natur ein weiteres Wunderwerk entstehen lassen. Shi-Lin,
Stein-wald, haben die Menschen dieses Natur-Phänomen genannt. So wie
die Berge Guilins, so ist auch der Steinwald aus den Kalkablagerungen des
Meeresbodens entstanden. Doch hat die Natur dieser Region ein ganz anderes
Aussehen verliehen. Dicht wie ein Wald, wuchtig wie alte Bäume, wachsen
dort mächtige Felsgebilde gut 30 Meter aus der Landschaft heraus.
Als ich zum ersten Mal den Steinwald sah, war ich wie von einem Bann
belegt.  Mehrere Tage verweilte ich bei diesem Naturwunder, irrte
auf gewundenen Pfaden herum, erkletterte die scharfkantigen Spitzen und
blickte hinunter auf diese bizarre, durchwegs auch mit grünen Bäumen
durchwachsene Felslandschaft. Es ist schwierig, das Gefühl zu beschreiben,
das mich überkam, als ich durch diese Märchenwelt aus Felsformationen
wandelte und hinter jeder Wegbiegung neue Kreationen der Natur entdecken
konnte.
Gleich einer aufgewühlten See und scharfkantig wie Schwerter ragen
dort Tausende Spitzen aus dem Felsenmeer empor. Vom Zahn der Zeit bearbeitet,
von Wind und Wetter gezeichnet, haben die Felsen und ihre Gipfel recht
unterschiedliche Gestalten angenommen. Wie von Geisterhand aufgesetzt wirken
die Steinkronen, welche so manche der Felsspitzen bedecken. In Wirklichkeit
befanden sich in den Zwischenräumen weichere Gesteinsschichten, welche
schneller als das übrige Gestein verwitterten.


EMAI SHAN


In China gibt es viele Berge, die den Menschen heilig sind. Es gibt heilige
Berge der buddhistischen Religion, heilige Berge der Taoisten und heilige
mystische Berge, auf denen Klosteranlagen aller Religionen zu finden sind.
Der Emei Shan ist mit 3099 m der höchste aller heiligen Berge
Chinas. Er soll der Wohnsitz des Bodhisatva Samantabadra sein und wird
von unzähligen Pilgern aufgesucht. Von 500 m Seehöhe losmarschierend,
wandert man auf den Steinstufen im unteren Bereich vorerst noch durch eine
tropische Landschaft, bis man weiter oben schließlich in den Nadelwald
gelangt. Im Winter kann sich dieser Berg im oberen Bereich tief verschneit
präsentieren. Aber selbst zu dieser Jahreszeit ziehen Pilger von Kloster
zu Kloster auf den Berg hinauf, um den goldenen Gipfel zu erreichen.
Im Sommer gelten die Affenhorden des Emei Shan als diebisch und aggressiv.
Im Winter wirken sie jedoch erbärmlich und bedauernswert und man ist
gerne bereit, ihnen etwas Futter zu spendieren. Nach mühevoller, oftmals
mehrtägiger Wanderung haben die Pilger schließlich ihr Ziel
erreicht und können am Gipfel des Emei Shan in den Tempelanlagen ihre
Gebete verrichten und am frühen Morgen den prachtvollen Sonnenaufgang
genießen.


HUA SHAN


Der Emei Shan ist der höchste heilige Berg, der Tai Shan der am häufigsten
besuchte und der Wutai Shan derjenige mit den meisten Tempelanlagen. Aber
der schönste und spektakulärste aller heiligen  Berge ist
der am Ufer des Gelben Flusses in der Nähe der Stadt Xian liegende
2100 m hohe Hua Shan. Wie eine Krone ragt der Gipfel dieses Berges aus
dem Gebirgszug empor. Der Hua Shan zählt zu den mystischen Bergen
und ist von taoistischen Mönchen ausgewählt worden, darauf ihre
Tempel und darin Meditationshöhlen zu errichten. Schroff abfallende
Felswände machen es fast unmöglich, diesen Berg zu besteigen.
Nur mit großer Anstrengung und der nötigen Vorsicht war es mir
möglich, auf den aus dem Fels herausgehauenen Stufen zum Gipfel und
zu den einzelnen Meditationshöhlen zu gelangen. In der Ruhe und Abgeschiedenheit
dieses Berges versuchen die Taoisten, im Einklang mit der Natur lebend,
ihr religiöses Ziel zu erreichen. Auf dem Gipfel eröffnet sich
ein faszinierendes Panorama aus weißen, kahlen Bergen, welche die
absolute Ruhe der absoluten Harmonie ausstrahlen. Steinstufen geleiten
den Besucher zu Pavillons und Aussichtspunkten, von  wo man diese
Landschaft in Ruhe auf sich wirken lassen kann.  -Anton EDER- Diese
und noch viele andere Naturwunder Chinas könnt Ihr bei der Dia-Show
"Naturwunder CHINAS" am 9.Februar um 19 Uhr im Afro-Asiatischen Institut
in der Türkenstraße 3, 1090 Wien, bewundern. Von den Menschen,
den Palästen, den Tempelanlagen, den letzten Altstädten und der
Religion berichtet uns Anton Eder, der elf Monate lang das Reich der Mitte
bereiste am 2. März um 19 Uhr.OSOTT 97Andrzej, ein Arzt und Krzysztof,
ein Botaniker, beide aus Krakau, trafen sich in den frühen 80er Jahren
in Bali und beschlossen, ein Forum zu gründen, bei dem sich polnische
Globetrotter treffen können, um ihre Reiseplanungen auszutauschen.
Zu dieser Zeit bildeten sich in Polens Städten Interessensgemeinschaften
von Studienreisenden und reisehungrigen Menschen aller Schichten, welche
Informationen austauschten, wie man wohin am günstigsten reist. Schließlich
war die Reisefreiheit (abgesehen von den "sozialistischen" Ländern
) noch jung und Reiseinfos und Know-how sehr gefragt.
Nun ist es schon das 13. Treffen dieser Art und es wird immer professioneller
und gefragter. Gut über 300 Leute wollten teilnehmen, die Kapazität
des Tagungsortes reicht für 200 Personen.
Ich habe das Vergnügen Andrzej, seiner Frau Monyka, Krzysztof
meinem Freund Dariusz bei der Organisation zu helfen und ihnen dabei ein
wenig über die Schultern zu schauen.
Sukzessive trifft das polnische Trotter-Volk in dem auf einem Hügel
gelegenen Eisenbahner-Erholungsheim in der kleinen Ortschaft Zembrzyce,
auf halber Strecke zwischen Krakau und Zakopane gelegen, ein. Man trifft
wahrlich illustre Menschen.
Krzysztof, ein seriös gekleideter Mann im Nadelstreif, erklärt
mir seinen Farbbildband über die Natur Polens. Er ist einer der renommiertesten
Naturfotografen des Landes. Sein Diavortrag auf Panorama-Leinwand ist von
höchster Qualität. Dann treffe ich meinen Freund Lechu. Ein schmächtiger
Bursche mit wildem, ungepflegtem Haar- und Bartwuchs. Neben dem gepflegten
Naturfotografen wirkt Lechu wie ein im Wald lebender Eremit. Dennoch ist
er ein Traveller ersten Ranges. Im vergangenen Jahr bereiste er 8 Monate
lang Asien und gab dabei sagenhafte 500.- US$ aus. Nordroute bis nach Bangladesh
und Südroute zurück, ein Abstecher auf die Andamanen inbegriffen.
Schließlich treffen auch Thomas, der 1.Vorsitzende der DZG (Deu.
Zentrale f. Globetrotter) mit seiner Frau und Werner, der 2.Vorsitzende
der DZG ein. Zu Ehren von Thomas, der bei einem früheren Treffen hier
in Polen seine Frau kennengelernt hatte sowie zwei anderen Ehepaaren, denen
es genauso ergangen war, spielte die Globetrottergemeinschaft ein Ständchen
auf mitgebrachten Instrumenten aus aller Herren Länder. Was für
eine Klangwolke!
Werner, ein lustiger Bursche aus dem Schwabenland und ich werden von
Frau Eva zum Tee in ihrem Apartment eingeladen. Rasch bereitet sie mit
ihrem Teesieder (übrigens obligatorischer Bestandteil eines jeden
polnischen Reisegepäcks) starken Beduinentee. Sie erzählt uns
ihre jüngste Reisegeschichte, welche beim Diavortrag zu großem
Ammusement bei den Travellern führte. Eva und ihre vier Reisepartner
wurden im Jemen 10 Tage lang von Entführern festgehalten. Die Region,
in der das passierte, wollte von der Regierung Zugeständnisse erpressen
wie z.B. den Anschluß an das Stromnetz und die Entsendung von Lehrern
für die Schulen(!!). Trotz beunruhigender Begleitumstände (Kinder
mit Kalaschnikows als Wachen) schließen die Entführten mit ihren
Entführern Freundschaft und tauschen sich kulturell aus. Dadurch ergeben
sich grotesk-witzige Situationen, welche sie auf Dias festhielten. Die
polnischen Medien hatten jedenfalls ihre Freude daran. Gegen Ende der ultimativen
Frist wurde es doch noch ein Nervenkrieg, welcher sich schlußendlich
durch Zugeständnisse seitens der Regierung in Wohlgefallen auflöste.
An drei Abenden und Nächten werden an die 100 Diavorträge
(jeder etwa 10 Minuten lang) gezeigt und vom Globi-Volk mit großem
Interesse rezipiert. Untertags gibt es Vorträge zu speziellen Themen
wie Transport- und Übernachtungsmöglichkeiten etc. Auch hier
herrscht rege Teilnahme. Wojtek, ein junger Student aus Danzig, hat seine
erste große Reise erst vor sich. Beflissen notiert er sich diverse
Nützlichkeiten, welche von erfahrenen Globis an die Allgemeinheit
weitergegeben werden. In diesem Zusammenhang erwähnenswert ist ein
von Andrzej herausgegebenes Reisebuch (bereits der 2. Band), welches ganz
explizit die wichtigsten Fakten des Billigreisens in den verschiedensten
Ländern beinhaltet. Eine Art "Spezial-Lonely-Planet" für Tramper.
Kurzum, das Treffen der polnischen Globetrotter erfreut sich großer
Beliebtheit. Für mich ist es Gelegenheit, alte Freunde wiederzutreffen
und neue kennenzulernen und mich mit Vertretern ähnlicher, befreundeter
Globetrotter-Clubs auszutauschen und den Kontakt zu intensivieren. Schließlich
genießt der TCA hohes Ansehen unter den polnischen Globetrottern,
genauso wie die DZG (Deutsche Zentrale für Globetrotter), holländische
Clubs oder der Globetrotters' Club London, was auf die lange Tradition
unserer Besuche bei der OSOTT zurückzuführen ist. – Uli Schöffl-IM
SÜDLICHEN AFRIKA, TEIL III
Auf dem Weg nach Maun in Botswana machen wir noch in Grootfontein Halt
(eigentlich nur zum Übernachten) und im Caprivistreifen, wo wir aber
auch nicht mehr viel unternehmen, da wir im Okawango-Delta wohl noch genug
zum Bootfahren (oder so ähnlich) kommen werden. Also fahren wir direkt
ins Audi-Camp, wo wir uns einen Mokoro-Trip (das ist eine Fahrt durch das
Okawango-Delta im Einbaum) für drei Tage um 20 Dollar pro Person und
Tag organisieren. Wir kaufen unsere Vorräte, Wasser brauchen wir keines,
da das Wasser im Delta deutlich besser ist als das, welches im Audi-Camp
oder sonst in Maun aus dem Wasserhahn kommt. Die Nacht ist so kalt, daß
ich mir die Aluflasche mit heißem Wasser fülle, und zu den Füßen
in den Schlafsack lege. Dann ist‘s ganz angenehm. Zugegeben, mein Schlafsack
ist nicht sehr warm.
Die drei Tage im Okawango-Delta sind großartig. Es ist einfach
eine ganz andere Szenerie – der Kawango oder Okawango („O" ist eigentlich
nur ein Artikel) ergießt sich mitten in die Wüste, in einem
riesigen Binnendelta mit aufregender Flora und Fauna, da die Tierwelt aus
der ganzen Umgebung natürlich hierher migriert, um in Wassernähe
zu sein. Wir sehen Hippos und Krokodile, was aus so einem recht kippelig
wirkenden Einbaum eine ganz andere Spannung bekommt als aus dem Auto. Auf
Landspaziergängen begegnen wir auch Elefanten in einem ganz neuen
Machtverhältnis. Mit unseren Guides haben wir Glück, vor allem
Pryor, der Sohn des Organisators aus dem kleinen Dorf, aus welchem wir
weggefahren sind, kann recht gut Englisch. Das Audi-Camp arbeitet mit diesem
Dorf zusammen, das Camp bekommt die Transfergebühr vom Camp in das
Dorf, die Einwohner des Dorfes bekommen die zwanzig Dollar pro Tag, und
für die arbeiten die Poler auch wirklich hart – sie stoßen die
kleinen Einbäume mit langen Stangen durchs Delta.
Am Montag Nachmittag sind wir zurück und Dienstag geht’s weiter.
Eigentlich wollten wir durch den Moremi-Nationalpark und den Chobe-Nationalpark
fahren, nachdem wir aber jetzt nur noch recht wenig Zeit haben, ehe wir
Greg in Victoria Falls treffen, fahren wir doch rundherum, was weiter ist,
aber deutlich schneller geht. Chobe sehen wir uns trotzdem an, und hier
sehen wir diese wirklich beeindruckende Herde von 150 Elefanten beim Überqueren
des Sambesi. Am 4. Juni treffen wir in Victoria Falls ein und holen Greg
von der Tankstelle, welche als Busstation fungiert, ab. Es ist zwei Tage
vor meinem dreißigsten Geburtstag, und der muß gebührend
begangen werden. So sehen wir uns am 5. in Ruhe die Victoriafälle
an, welche wirklich eines dieser Schauspiele sind, die man auf einer Postkarte
nicht gut wiedergeben kann. Auch ins koloniale Hotel schauen wir, wo man
einmal sehr günstig siebengängig tafeln könnte, so zur Abwechslung,
aber ich finde keine Mitbewerber. So ist‘s wieder Pizza und Bier, und am
nächsten Tag springen Greg und ich von der Brücke über den
Sambesi den höchsten kommerziellen Bungee-Jump der Welt. Das hier
näher zu beschreiben, übersteigt zweifellos meine Formulierkünste,
empfehlen kann ich‘s aber unbedingt. Die Unternehmung ist auch sehr sicher
(für mich fast ein bißchen zu sicher, ich fühlte mich so
geborgen, daß mir glatt der Adrenalinstoß ausblieb). Wir würden
am liebsten gleich noch einmal springen, dann kostet‘s nur die Hälfte
(und es kostet beim ersten Mal schon „nur" 90 US-Dollar, 60 für locals
z.B. aus Südafrika), aber wir fahren schon weiter nach Hwange-Nationalpark.
Übrigens sind wir knapp vor Victoria Falls in Simbabwe eingereist,
für die, die sich in der Gegend nicht so gut auskennen.
In Hwange sehen wir eigentlich nichts Neues, außer einer wirklich
entzückenden kleinen Kindertanzgruppe. Eigentlich stehen wir alle
nicht so auf diese Touristenvorführattraktionen, aber die Kleinen
sind wirklich gut und ganz begeistert bei der Sache. Am nächsten Tag
fahren wir zum Kariba-Stausee und übernachten in Binga, wo es einen
Campingplatz mit heißen Quellen gibt, er hat drei Schwimmbecken mit
sukzessive kühler werdendem Wasser und blickt über den riesigen
Lake Kariba. Etwas verspätet trinken wir jetzt doch noch den Champagner
für meinen dreißigsten Geburtstag, die Kulisse ist jedenfalls
durchaus adäquat.
Am nächsten Tag geht’s weiter nach Kariba(-Stadt) am Ostende des
Sees. Greg hat Freunde dort und einer davon ist Steven Pope, welcher seit
15 Jahren in der Gegend „Walking Safaris" unternimmt, insbesondere im Mana
Pools-Nationalpark. Mit Steve wollen wir jetzt doch endlich unsere Löwen
sehen. Das gelingt uns auch, nachdem wir zwei Tage in Kariba in bester
Gastfreundschaft mit diversen obligaten Braais verbracht haben. Mittwoch
früh geht’s los, Steve hat noch drei weitere Gäste, insgesamt
sind wir also acht für die Walking Safari, und schon Donnerstag früh
hören wir bei unserem Gang, wie ein Löwinnenrudel einen Büffel
schlägt. D.h., eigentlich hört unser Fährtensucher das,
auf jeden Fall aber kommen wir nahe genug heran, um die noch schockierte
Büffelherde zu beobachten. Die Löwen können wir von unserem
Standort aus nicht sehen. Steve meint, der Büffel wäre vielleicht
noch nicht tot, da die Herde noch hier ist, und schlägt vor, zurück
ins Camp zu gehen, zu frühstücken, unseren im Camp verbliebenen
Andreas abzuholen und dann von einem anderen Winkel wieder ranzugehen.
Genauso geschieht‘s, und bald darauf sind wir fünzig Meter zu Fuß
von einem Rudel mit fünf erwachsenen Löwinnen und drei Jungen
entfernt, die sich über einen Büffel hermachen. Steve hat ein
geladenes Gewehr bei sich, aber es würde wohl gegen fünf Löwinnen
auf einmal nichts nützen. Er versichert uns aber, daß Löwen
im Rudel nie ein Problem sind, da ihre Instinkte sie einen Menschen immer
vorwarnen lassen, bevor sie endgültig angreifen. Nur weglaufen darf
man nicht. Wir nehmen‘s uns zu Herzen, auch durch die drei Scheinangriffe
der Löwinnen hindurch, die bis auf etwa sieben Meter herankommen –
das ist schon sehr nahe, wenn man dies zu Fuß miterlebt... Jetzt
aber hab auch ich meinen Adrenalinstoß bekommen und wir sind alle
hellauf begeistert von der Begegnung. Wir ziehen uns zurück, um die
Löwinnen auch ihre Mahlzeit beenden zu lassen, und streifen noch ein
wenig durch den Park, aber der Höhepunkt war natürlich erreicht.
Bis vielleicht auf die Tatsache, daß eine Löwin mit einem Jungen
in der Nacht so nahe an meine Zeltwand herankommt, daß ich sie atmen
höre. Das ist eigentlich auch mir ein wenig zu spannend, obwohl es
rückblickend betrachtet eine unglaublich tolle Erfahrung war. In der
Nacht aber – ich gebe es freimütig zu – wollte ich eigentlich nur,
daß sie wieder weggeht, was sie schließlich auch tat. Jedenfalls
war damit wohl der Höhepunkt der Reise erreicht, und unsere Zeit ging
ja auch bald zu Ende. Wir fuhren noch einmal nach Kariba zurück, um
in einem Zimmer tatsächlich zu schlafen, und mit einem selbstgebastelten
„Luftkissenboot" eine kleine Tour über den See zu machen. Diese Leute
des südlichen Afrika sind wirklich ungemein erfindungsreich, und so
hatten sich hier zwei andere Freunde von Greg einfach in den Kopf gesetzt,
ein Luftkissenboot zu basteln, sich zwei Bücher darüber gekauft
und in zehn Jahren im Trial-and-Error-Verfahren eines gebaut. Wir waren
auf der Jungfernfahrt mit dabei, und hin ging‘s auch wirklich ganz beeindruckend,
zurück war dann allerdings der Ventilator, welcher die Luft unter
die Schürzen bläst, gebrochen und so hatten wir zurück gleich
einen „sunset cruise", und als uns schließlich das Motorboot rettete
und auch Bier mitbrachte, noch eine kleine Motorbootfahrt. Aber es wurde
uns versichert, daß es sich hier nur noch um ganz kleine Kinderkrankheiten
handelt. Außerdem erwartete uns im Haus des Kapitäns ein Riesentopf
Spaghetti und mehr Bier, so daß wir auch mit diesem Ausflug natürlich
rundum zufrieden waren.
Auf der Heimreise nach Südafrika schauten wir uns noch die Ruinen
von Great Zimbabwe an, und zwar bei Sonnenuntergang, was wirklich eine
sehr beeindruckende Stimmung zeigte. Beim Rausfahren stellten wir allerdings
fest, daß der Schranken herunten und mit einem Vorhängeschloß
gesichert war, stellten aber in weiterer Folge auch fest, daß er
sich auf der Seite einfach aushängen ließ. Auch einem Vollmondbesuch
der Zimbabwe Ruins sollte also beim nächsten Besuch nichts im Wege
stehen.
Am 19. Juni schließlich sollte ich zurückfliegen, Petra
wollte ohnedies noch ein wenig bleiben, und ich blieb auch noch eine Nacht,
da British Airways nach sechs Stunden herumbasteln am linken Triebwerk
doch beschloß, diese Nacht nicht zu fliegen. So flog ich am 20.,
und das reichte auch aus, um am 21. knapp vor der Hochzeit meines Bruders
in Wien anzukommen. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben alle Beteiligten
glücklich weiter, und ich fahre sicher wieder in die Gegend.

Karte

Javascript ist notwendig für die Anzeige dieser Karte.
 

Beiträge in der gleichen Rubrik

Beiträge mit gleichen Reisezielen

  • 127 Inter-net-Cafés sind ... - 127 Inter-net-Cafés sind von den Behör-den geschlossen worden, weil diese sich nicht an die neuen Verordnungen gehalten hatten.
  • Im Jahr 1999 sollen sich ... - Im Jahr 1999 sollen sich chinesische "Netizens" um 300% vermehrt haben, berichten neueste Untersuchungen. Nahezu 7 Millionen Chinesen haben einen InternetZugang.
  • China rüstet sich für die ... - China rüstet sich für die nächste Winter-Grippeepedemie, die vergangenes Jahr über 1 Mio Einwohner betraf. Nun will man mit Impfaktionen den Virus ab-fangen.
  • Sensationelle Wandlung vo ... - Sensationelle Wandlung von Kunming, einer 3,6-Millionen-Stadt im Südwesten von China!
  • Für sinophile Blumenliebh ... - Für sinophile Blumenliebhaber ein Hit: Am 10 März öffnet die World Flower Expo in Hangzhou ihre Pforten! Über 1,5 Mill.
 
Wednesday, 16. May 2012