Mit Kindern durch Australien, eine Fortsetzungsgeschichte
Nach fast 10 Jahren Pause sind Trixi und ich wieder "on the road" - und
diesmal mit unsere Töchtern Madumeeta (fast 6 Jahre) und Naomi (knapp 4).
Nach unserem zweiwöchigen Stop-over in Hong Kong landen wir in Cairns, North
Queensland. Hier wollen wir uns erst einmal an Down Under gewöhnen, hier wollen wir ein
Auto kaufen für unsere viereinhalb Monate, die wir in Australien verbringen werden. Hier
sind wir gut aufgehoben bei einer alten Traveller-Kollegin: Trudi aus der Schweiz haben
wir vor langer Zeit in Indien kennengelernt und die Freundschaft blieb bestehen. Sie
ist nun mit Robin verheiratet, einem gebürtigen Neuseeländer, der seit Jahrzehnten in
Australien seinen Lebensunterhalt als Goldsucher mittels Metalldetektor bestreitet.
Queensland:
In Trinity Beach, nahe Cairns, hat er ein Stück Regenwald gekauft und sich in steilster
Hanglage ein Haus mit bombastischer Aussicht zum Meer gebaut. Das Haus ist ein typischer
"Queenslander" auf Stelzen zwecks besserer Belüftung in der Hitzeperiode und
als Vorbeugung gegen Überschwemmungen.
Trudi und Robin leben einen Lebenstraum: im australischen Winter (unser Sommer) sind sie
in Queensland und machen von dort aus mit ihrem Land Rover Trips in alle Teile des
australischen Kontinents, die vielversprechend für die Goldsuche scheinen und leben dabei
wochenlang im Busch. Im Sommer, wenn Queensland unerträglich ist, betreiben sie einen
Eislaufplatz und ein Aussie-Barbecue-Restaurant in einem kleinen Gebirgsdörfchen in
Trudis Heimat Graubünden.
Es gibt gute Gründe, Queensland, vor allem den Norden, von November bis April zu
meiden: es wird feucht-heiß, der Monsun macht viele Straßen unpassierbar (vor allem in
den Nationalparks!), im Meer kann man wegen der Box-Jelly-Fish - einer giftigen
Quallenart, die Hautverätzungen verursacht, die lebensgefährlich sein können - nicht
baden.
Überhaupt tummelt sich speziell in Queensland einiges, da gewöhnungsbedürftig ist:
giftige Schlangen, giftige Spinnen, giftige Kröten, menschenfressende
Salzwasserkrokodile, Haie. Kinder sind noch gefährdeter als Erwachsene. Die australischen
Kinder leben dauernd mit der Gefahr, und es passieren Unfälle, auch tödliche. Daher
haben unsere beiden die Order: nicht ins hohe Gras laufen, auf Wegen laut trampeln und mit
einem Holzstock etwaige Schlangen vorwarnen. Nicht in Holzstöße oder unter Holzstücke
greifen (wegen der giftigen Spinnen, die "Red Back" ist tödlich). Flüsse und
Flußufer meiden wegen der Krokodile (es sind angeblich nur die "Salties"
gefährlich, aber auch die leben irreführender Weise in den Süßwasserflüssen. Die
Süßwasserkrokodile tun angeblich nichts). Die fetten, giftigen Kröten hocken nur da und
tun von sich aus nichts, aber in der Dunkelheit kann man leicht auf sie drauftreten, weil
sie sich auch nicht wegbewegen.
Wir sind zwei Wochen bei Trudi und Robin zu Gast, so lange dauert es nämlich bis wir
ein passendes Auto gefunden haben. Wir rennen in Cairns die Esplanade entlang, wo
Traveller ihre Vehikel verhökern, checken die Blackboards in den Backpacker-Hostels,
lesen die Anzeigen in den Newspapers, klappern die Gebrauchtwagenhändler ab. Es ist
mühsam. Die Fahrzeuge, die in Frage kommen (station wagon = Kombi) sind entweder zu teuer
oder totale Wracks.
Außerdem gibt es Fußangeln, die ein bißchen Umsicht und Kenntnis erfordern, die wir uns
erst aneignen müssen, dazu am Schluß. Von Campern oder Bussen kommen wir gleich
wieder ab. Sie sind zu teuer und haben keine Gurten auf den Rücksitzen für Kinder. Als
schließlich eine willige Anbieterin mit einem Mazda 929 station wagon, Baujahr 79 (!) die
steilen Serpentinen zu Robins Anwesen herauftuckert, wissen wir: der wird´s! Einige
Tage später, nach zähen Verhandlungen und technischem Check (Roadworthy Certificate =
Pickerl) ist der "Blaue Blitz" - Kaufpreis ca. öS 18.000 - auf meinem Namen
registriert und mit einem wunderschönen "Queensland-Sunshine State"
Nummerntaferl geschmückt.
Die Wartezeit in Cairns ist übrigens keineswegs langweilig, aber sie geht ins Geld.
Die Gegend ist eine Tourismushochburg, es werden unzählige Trips und Activities
angeboten. Schon die tägliche Busfahrt von Trinity Beach nach Cairns ist nicht wirklich
preiswert. Wir merken bereits: dies ist ein Land für Autobesitzer.
Nach Dunk Island nehmen uns Trudi und Robin mit dem eigenen Boot übers Wochenende mit.
Wir testen das Camping-Leben, genießen den Strand (noch keine Saison für Quallen) und
den Regenwald. Robin findet mit 2 Stunden Detector-Gehen täglich genug Münzen im Sand
(vor allem die kleineren, dickeren $2,--), um den Sprit hereinzubringen. Wir haben in der
Stadt ein 3-Mann Kuppelzelt, Luftmatratzen, einen Kocher, Second Hand Campinggeschirr und
einen Eski (Kühlbox, hat jeder Aussie, Eis gibts an jeder Tankstelle) gekauft, der
Test verläuft erfolgreich...
Wir verlassen daher Cairns und sind nun auf uns selbst gestellt. An den Linksverkehr
gewöhnt man sich schneller als gedacht. Die Australier sind angenehme und nicht
aggressive Straßenkameraden. Nur vor Trucks und Road Trains muß man sich hüten, die
brettern gnadenlos und brauchen oft den ganzen Asphaltstreifen, also besser sofort in die
Steppe ausweichen. Die meisten Highways sind schnurgerade und von der Breite und
Ausstattung her wie unsere Landstraßen zweiter Ordnung. Die Automatik-Schaltung ist gar
nicht unangenehm, aber der Wagen säuft wie eine Kuh, 13-15l. Zum Glück ist Sprit billig.
Wir nehmen den Cook Highway gen Norden, dieser ist ausnahmsweise nicht gerade, sondern
eine kurvenreiche Küstenstraße mit wunderbaren Ausblicken. Gleich am ersten Parkplatz -
zur Morgenrast - überschüttet uns ein Mangobaum mit reifen Früchten als
Willkommensgruß, es ist wie im Paradies.
Die Vormittagsetappe endet bei der Hartleys Creek Crocodile Farm, hören das grausliche
"Schnapp" bei der Fütterung und ebenso grausliche Stories über
Krokodil-Attacken. Und endlich streicheln wir die ersten Känguruhs und Koalas, sowie
Flying Foxes (riesige Fledermäuse).
Wir schaffen es noch am selben Tag über den Daintree River in den Daintree National
Park. Zwei Nächte verbringen wir am Campingplatz auf Cape Kimberley, wo es traumhaft
schön wäre, wenn einen nicht beinahe rund um die Uhr die Moskitos fressen würden.
Tagsüber hält man es nur im Pool aus, am besten mit dem Kopf unter Wasser. Nachts kommen
Bandicoots (rattenartige Beuteltiere) zum Zelt und lecken das Geschirr sauber. Höhepunkt
des nächsten Campingplatzes am Cape Tribulation ist ein herrlicher Naturpool, traumhaft
für die Kinder. Abends ist hier Highlife angesagt, mit Animation für die Gäste, eine
Mischung aus bunter Abend und "Club Med Stimmung". Dies und ähnliche Dinge
werden unter dem Begriff "Fun" zusammengefaßt und erfreut sich in
Australien ungeheurer Beliebtheit. Ist nicht ganz so unsere Sache, vielleicht werden wir
langsam alt.
Bei der Rückfahrt, nach einem Stop am Daintree River, der von Krokodilen wimmelt,
springt der Wagen nicht an. Wir harren mulmige Stunden auf den Pannendienst. Das Problem
löst sich durch probieren: niemand hat uns gesagt, daß die Automatik eine Startsperre
hat, wenn der Hebel auf "Drive" steht.
Die Kinder haben sich auf der Rückbank ihr Kinderzimmer eingerichtet und wollen
manchmal bei den Stops gar nicht aussteigen. Unser Rhythmus: wir bleiben 1-2 Nächte an
einem Ort, brechen nach dem Frühstück das Zelt ab, fahren den ganzen Tag mit vielen
Stops und langer Mittagspause, abends wieder Endstation Campingplatz. Für die Kinder ist
wichtig: ihr tägliches Eis, Campingplatz mit Swimmingpool (fast immer), manchmal mit
Spielplatz und eine gerechte Aufteilung des Musikprogramms beim Fahren: wir dürfen eine
Kassette hören (australische, z.B. Tony OConnors "Uluru" oder
"Rainforest"), dann müssen wir einmal dazwischen "Humpty Dumpty"
spielen (englische Kinderlieder). Wir singen alle laut "Old McDonalds
Farm" mit und haben ein herrliches Leben...
Die Kinder schlafen auch viel im Auto, weil es brutal heiß ist und wir haben keine
Aircon. Wir wechseln uns beim Fahren ab, durch Hitze, öde, gerade Straße und Automatik
ist die Gefahr des "Kurz-Einnickens" groß. Nachts fahren wir prinzipiell nicht,
wir wollen keine Känguruhs und anderes Getier überfahren. Massenhaft zieren diverse
Kreaturen flachgerollt den Straßenrand.
Es geht der Küste entlang, über den Bruce Highway in Richtung Süden. In Townsville
besuchen wir das Great Barrier Reef Wonderland, ein Aquarium mit Glastunnel und von
gigantischem Ausmaß, das ebenso wie der Inhalt nicht nur die Kleinen zum Staunen bringt.
Wir setzen über nach Magnetic Island, wo wir uns in "Geoffs Place" sehr wohl
fühlen und erstmals Koalas in freier Wildbahn sichten. Sie sind gut getarnt in den
Eucalyptusbäumen, verraten sich aber durch ihren penetranten Geruch - und durch ihr
Schnarchen.
Weiter Richtung Süden streifen wir Bowen and Airly Beach, alles wieder sehr
touristisch und hochpreisig. Wir blicken auf die traumhaften Whitsunday Islands und
beschließen, sie aus Spargründen auszulassen.
Dann die erste Reifenpanne in "the middle of nowhere", wir finden zwar das
Reserverad, aber keinen Wagenheber. Es kommen nicht viele Fahrzeuge vorbei, aber sie
halten alle an, um uns zu helfen. Binnen kürzester Zeit sind an die 10 Leute mit unserem
Reifenwechsel beschäftigt, lauter Crocodile Dundee Typen mit leichter Bierfahne, die eine
Art Volksfest veranstalten und ständig um neue Werkzeuge fahren, um endlich die
vernudelten und verrosteten Bolzen an der Felge zu lösen. Die Erfahrung: in Australien
hilft Dir jeder bei einer Panne, man ist einfach aufeinander angewiesen. Für einen Trip
ins Outback sollte man allerdings weniger leichtsinnig ausgerüstet sein als wir. Die
Tatsache, daß das Reserverad ebenfalls in einem kriminellen Zustand ist, beschert uns
eine unvergessliche Nacht und einen Tag im nächsten Kaff namens "Kattabul". Es
besteht aus einer Tankstelle und einem Pub. Wer den Film "Out of Rosenheim"
kennt, - genauso war es. Beim Mechaniker bestellen wir 2 neue Reifen, die im Laufe des
nächsten Tages mit dem Truck angeliefert werden.
Unser nächstes Ziel ist der Cape Hillsborough National Park, einer der schönsten
Plätze auf unserer Reise. Die Känguruhs und Wallabies hoppen um unser Zelt und sind
teils ganz schön aufdringlich beim Betteln. Da die Ranger ausdrücklich nicht wollen,
daß man die Tiere mit Brot und dergleichen zivilisationsabhängig macht, halten wir die
Kinder an, ihnen nur Blätter abzurupfen. Madu macht hier die Erfahrung, daß Känguruhs
tatsächlich boxen, wenn man sie zu intensiv knuddeln will.
Trixi und ich holen uns eine Augenentzündung, die laut den Einheimischen von Possums
übertragen wird. Der Schleier vor den Augen macht das Autofahren problematisch, mit
homöopathischen Augentropfen aus unserer gut bestückten Reiseapotheke kommen wir
darüber hinweg.
Nicht weit entfernt ist der Eungella National Park, wo man mit viel Geduld und Ausdauer
bei Dämmerung die seltenen Platypus (Schnabeltiere) beobachten kann. Dort bekommen wir
auch das erste Mal einen Vorgeschmack auf die berüchtigte australische Fliegenplage.
Nach Rockhampton leisten wir uns die Tour auf Fraser Island. Organisiert, mit einem
4-WD Bus. Da die ganze Insel aus Sanddünen besteht, wäre die Tour mit unserem
"Blauen Blitz" nicht machbar. Und einen Geländewagen zu mieten ist uferlos
teuer. Wir vereinbaren aber, daß wir die Nacht dort am Campingplatz (Central station)
verbringen und mit der nächsten Tour zurückzufahren. Fraser Island ist ein
faszinierendes Naturschutzgebiet mit Regenwald, Sand und glasklaren Bächen und Seen.
Außerdem mit wild lebenden Dingos, derentwegen man nichts vor dem Zelt lassen darf.
Als der Ranger am Zeltplatz die Kontrollrunde macht, stellt sich heraus, daß wir das
Camping Permit im voraus am Festland hätten besorgen müssen. Hier erhalten wir keines!
Statt ein Tamtam zu machen, bittet uns der Ranger, als "Bezahlung" eine halbe
Stunde Müll um den Campingplatz herum einzusammeln. Diese originelle Lösung sagt uns
derartig zu, daß er uns nach einer Stunde freundlich stoppt, nun wäre es wirklich
ausreichend.
Über Maryborough (sehenswerte Häuser) erreichen wir endlich Brisbane, 2000 km
südlich von Cairns. Die erste richtige City mit Hochhäusern und allem drum und dran,
denn Cairns ist ein Provinzkaff. Hier lehren sie uns Mores beim Autofahren: man läßt uns
nicht Spur wechseln, wir kriegen keinen Parkplatz, finden uns im Einbahnsystem nicht
zurecht. Von der freundlichen provinziellen Autofahrermentalität keine Spur mehr.
Daraufhin beschließe ich, das ist die letzte Stadt, in die ich mit dem Auto hineinfahre
(nur mehr mit Öffis von der Peripherie aus).
Das Nette in Brisbane ist der wirklich schöne Erholungspark namens Southbank
(Weltausstellung-Überbleibsel) und die dank November üppigen Weihnachtsdekorationen:
schwitzende Santa Cläuse neben Modeschauen für Bikinis, deplazierte Christbäume und
Rentierschlitten mit Kunstschnee. Schwierige Glaubensfragen sind mit zwei kleinen,
christkindgläubigen Österreicherinnen zu besprechen.
Wir beschließen, uns die Gold Coast, durch die der Bruce Highway südlich
weiterführt, nicht anzutun. Es soll ein hochpreisiges, hochhausiges Touristen-Eldorado im
Acapulco-Stil sein. Statt dessen schwenken wir landeinwärts auf den New England Highway
ein, der uns in den Wilden Westen von Queensland bringt: die Welt der Cattle Stations,
Rodeoreiter, Schafscherer und der Country Music. Wir nächtige in Toowoomba, wo wir einen
richtigen Country-Jahrmarkt erleben. Ab hier frieren wir nachts im Zelt, unsere
Leinenschlafsäcke reichen nicht mehr aus, was uns ziemlich überraschend trifft, denn
tagsüber ist es unverändert sauheiß.
Jondaryan Woolshed stellt sich als eine aufgelassene Schaffarm vor, die als
Freilichtmuseum mit Schafscher-Vorführung und dergleichen betrieben wird. Die ehemaligen
Schererquartiere werden als Jugendherberge geführt, es ist alles wie damals, so kocht man
am offenen Feuer. Die Betten sind derartig durchgelegen, daß man kaum mehr rauskommt,
wenn man einmal in der Mulde verschwunden ist.
Es geht weiter über Warwick, Glenn Innes, Armidale (alles sehenswert) und
Tamsworth, dem Zentrum der australischen Countrysänger (z.B. Slim Dusty), das am
Ortseingang mit einer überdimensionalen Gitarre grüßt und von der Grenze zu New South
Wales kündet.
Fortsetzung folgt...
M.& T. Pech
New South Wales, Capital Territory, Victoria, South Australia, Northern
Territory
Wir haben mit unserem alten, aber zuverlässigen Station Wagon
(Mazda 929) die Strände und Berge von Queensland hinter uns gelassen. Unser nunmehr gut
eingespieltes Viererteam erreicht über das Hunter Valley - wo wir die berühmten
Weinkellereien testen - die Peripherie von Sydney. In Old Sydney Town, einem
Freilichtmuseum, das "Botany Bay" zur Zeit der Ankunft der ersten englischen
Sträflinge darstellt, treffen wir braungebrannten Queenslander den käseweißen
Österreicher mit Spuren des ersten Sonnenbrandes (tatsächlich nicht zu unterschätzen in
Down Under!). Es ist Alex, mein Bruder.
Wir finden freundliche Aufnahme bei Miho und Craig im Vorort Wheeler
Heights (genau die Gegend, wo es bei den sommerlichen Buschbränden gerne außer Kontrolle
gerät, unsere Freunde wurden schon mal evakuiert). Die Japanerin Miho ist wieder eine
alte Bekanntschaft von unterwegs, die uns schon in Wien besucht hat.
Daß Sydney eine tolle Stadt ist, steht in jedem Reiseführer, was
brauche ich da noch viel zu schreiben. Für uns war es einigermaßen anstrengend. Zum
einen nimmt die Fahrt in die City und zurück viel Zeit in Anspruch und der Bus verkehrt
nicht sehr regelmäßig, mit dem Auto wäre es kaum einfacher gewesen. Vor allem aber
haben wir Schwierigkeiten, das Erleben dieser Stadt kindgerecht zu gestalten und zwar aus
purem Egoismus. In Hong Kong haben wir mal gearbeitet, dort kannten wir alles, daher war
es genauso in Ordnung, die Zeit auf Spielplätzen zu verbringen wie einen Tempel zu
besichtigen. Aber in Sydney waren wir noch nie und wir wollen was sehen. Außerdem gibt es
in Downtown kaum Spielplätze. Als Höhepunkt kommt uns am Flohmarkt in Paddington Naomi
abhanden, wird aber nach kurzer Zeit via Lautsprecher ausgerufen ("Das kleine
Mädchen, das nicht englisch spricht" - dabei haben es beide inzwischen recht gut
gelernt, aber "sie wußte nicht, wie Naomi auf englisch heißt !")
Wir kaufen uns ordentliche Schlafsäcke, und Alex besorgt sich ein
eigenes Zelt. Zu fünft geht es weiter in die Blue Mountains, wo wir herrliche Wanderungen
machen. Die Nächte sind hingegen ein Horror, es stürmt und schüttet, daß die Zelte
abheben und alles unter Wasser steht. Tagsüber ist alles wieder normal.
Unser nächster Punkt ist Canberra, wo wir Josefa besuchen, die bei der
österreichischen Botschaft arbeitet (die Freundin einer Freundin) und uns in ihrem
weitläufigen Haus aufnimmt. Wir feiern zusammen den 2. Adventsonntag im Tidbinbilla
National Park (mit Koalas und Emus) bei Barbecue und dem Singen von Weihnachtsliedern.
Canberra selbst ist so, wie wir es uns vorgestellt haben. Architektonisch gewagt und
innovativ. Das dritte Stück in unserer Sammlung künstlich angelegter Hauptstädte nach
Brasilia und Islamabad, und diesen durchaus ähnlich.
Wir folgen dem Hume Highway weiter in Richtung Melbourne und machen
Stationen an denkwürdigen Orten wie Gundagai, in vielen australischen Heimatliedern
besungen. Dort in der Nähe gibt es einen Touristenrummel um das Denkmal des "Dog on
the Tuckerbox". Es handelt sich um die Legende eines Hundes in der Pionierzeit, der
die Habseligkeiten seines Herrchens treu bewacht. Wir lernen hier die Begeisterung der
Australier für ihre sehr junge Geschichte (die der weißen Australier) kennen.
Alles, was älter als 50 Jahre ist, wird unter dem Begriff
"Heritage" zusammengefaßt. Sehenswert auf der Strecke: der Ettamogah Pub, mit
unbeschreiblich ausgefallenen Accessoires ausgestattet, z.B. ein Flugzeug, das sich in den
Boden gebohrt hat und ein Bierlastwagen auf dem Dach. Und Beechworth und Glenrowen: die
Orte leben von der Legende des berühmten Banditen ("Bushranger") Ned Kelly mit
entsprechender Vermarktung.
Wir erreichen Melbourne und treffen erste Vorbereitungen zum geplanten
Autoverkauf im Februar (Zetteln in den Backpacker-Quartieren aufhängen) und nehmen den
Western Highway Richtung Adelaide. In Ballerat, einem großen Freilichtmuseum aus der
Goldgräberzeit machen wir Pause, bevor wir uns in Richtung Grampians National Park
wenden. Ähnlich den Blue Mountains, wandern wir auch dort einige Tage. Die Kinder
vollbringen Höchstleistungen bei Kletterstellen im sogenannten "Gran Canyon".
Ich hindere meinen Bruder daran, den "Nerventest"
auszuprobieren, auf eine ca. 10m lange Felsnadel zu balancieren, wo es darunter ins Nichts
geht. Ich bin der Meinung, wenn er da runterfällt, versaut er uns die Reise.
Eine Woche vor Weihnachten erreichen wir Adelaide. Wir haben die
Adresse von Bekannten von Bekannten: Monika, eine Deutsche, die mit dem Australier Brian
verheiratet ist und deren Tochter Tina. Madu und Naomi dürfen an Tinas
Schulweihnachtsfeier teilnehmen, alles ist sehr locker, natürlich im Freien und im
T-Shirt. Sie sind überzeugt: sie wollen einmal in Australien zur Schule gehen.
Wir können den "Blauen Blitz" bei Brian und Monika
unterstellen, denn von hier aus planen wir die Weiterfahrt mit dem Greyhound Bus, aus
Gründen, die später begreiflich werden. Wir buchen in Adelaide die Busfahrt bis Alice
Springs, mit Stopovers und Übernachtungen in Coober Pedy, Yulara (Ayers Rock und Olgas)
und Kings Canyon. Kann ich nur empfehlen: preiswert und die Organisation haut perfekt hin,
daher ist keine teure "guided tour" nötig. Wichtig ist, die Übernachtung in
Yulara vorzubuchen.
Das ist ein größeres Touristencamp beim Uluru (Ayers Rock), sonst
gibt es dort weit und breit nichts. Es hat einen Campingplatz und ein Backpackers (das
meist voll ist), sonst nur hochpreisige Hotels. Mit eigenem Zelt ist man hier gut beraten.
Cobber Pedy ist die unvergleichliche Opalschürfer-Stadt im Outback.
Wir übernachten im Underground-Backpacker, unter der Erde, wie der Name schon andeutet,
denn anders ist es hier vor Hitze nicht auszuhalten. Auch die Bewohner graben sich ihre
Wohnungen in die Tiefe. Achtung, es gibt auch Zimmer über der Erde, z.B. Bungalows. Laßt
euch die bloß nicht aufschwatzen! Das Dormitory sieht aus, wie der Wiener
Esterhazykeller, wenn man Stockbetten reinstellen würde.
Die Tour, die Underground Backpackers anbietet, kann ich auch
empfehlen. Ich bin sonst kein Freund von geführten Touren, aber anders bekommt man das
Leben der Opalschürfer (und Typen wie Crocodile-Harry) nicht zu sehen, und sie machen die
Tour wirklich gut, außerdem preiswert, verglichen mit vielen rip-offs in Australien.
Außerdem ist es nicht ungefährlich, auf eigene Faust in den Opalfeldern herumzulaufen:
die tiefen Schächte sind nicht abgedeckt und oft schwer auszumachen.
Vom Uluru brauche ich nicht viel zu erzählen, er ist ein eindeutiges
Highlight jeder Australienreise. Natürlich kann man raufklettern, und Hunderte täglich
tun es auch (nur am Morgen, später ist die reflektierte Hitze vom Felsen so stark, daß
er gesperrt werden muß). Aber die Aborigines, denen das Land um den Uluru wieder
übereignet wurde, appellieren an die Besucher, es zu unterlassen, weil der Berg für sie
ein heiliger Ort ist.
Ein Wort zu den Ureinwohnern: Ihre kulturellen Produkte werden in ganz
Australien vermarktet: Malereien, Didgeridoos etc. (Wer ein Didgeridoo kaufen will: am
besten in Queensland oder Northern Territories, denn von dort kommen sie.
"Richtige" Didgeridoos, also von Ameisen ausgehöhlte Äste, und nicht
fabriksgefertigte, beginnen bei einer Preislage von öS 1000. Eine kurze, 1stündige
"lesson" vermittelt das Erzeugen des Grundtones, alles weitere ist Übung. -VHS
Stöbergasse bietet Didgeridoo-Kurse an). Es ist aber sehr schwierig, mit Menschen in
Kontakt zu kommen. Die Aborigines leben entweder in Reservaten ("communities")
weit vom Schuß, wo man schon einen guten Grund braucht, um dort aufzutauchen (oder eine
"guided tour"). Viele communities sind auch "off limits", weil kein
Zoobesichtigungseffekt erwünscht ist. Bei Ausstellungen kann man mit Künstlern in
Kontakt kommen. Ansonsten nimmt man die Ureinwohner als heruntergekommene, alkoholkranke
Randgruppe wahr, hauptsächlich in Outback-Städten wie Alice Springs. Es besteht für sie
kein besonderer Anreiz, mit Weißen in Kontakt zu treten. Schon gar nicht wollen sie
angestarrt oder gar fotografiert werden, aggressive Reaktionen sind garantiert die Folge.
Wir verzichten auf den Aufstieg des Ulurus und umrunden ihn zum Teil
(geführt von unserem Greyhound Busdriver, im Fahrpreis inbegriffen). Der Uluru im
Sonnenuntergang ist das absolute Spektakel, nicht nur der strahlende Monolith versetzt in
Staunen: Sauber aufgefädelte Tour Groups, die "besseren" mit Sektbewirtung,
geben sich dichtgedrängt das unvergleichliche Schauspiel.
Die Olgas (Kata Tjuta in Aborigene-Sprache) spielen da nur die zweite
Geige, obwohl ihre wulstigen Erhebungen in einer absolut flachen Landschaft durchaus
ebenso interessant sind.
Als Ausgleich für die "Nichtbesteigung" (es gibt T-Shirts
"I didn´t climb Ayers Rock") und als Weihnachtsgeschenk gönnen wir uns einen
Rundflug in einer winzigen Maschine, gar nicht arg teuer und direkt in Yulara zu buchen.
Uluru und Kata Tjuta zum Sonnenuntergang von oben, ein Erlebnis, das ich nicht missen
will.
Am 24. Dezember sind wir vor Sonnenaufgang beim Kings Canyon. Die Kinder hatschen
tapfer die 4 Stunden-Tour, wir singen Weihnachtslieder und reden vom Christkind. Abends
sind wir im Backpacker in Alice Springs und tatsächlich, das Christkind kommt den weiten
Weg und macht in unserem Rattenloch (denn das ist es) eine kleine Bescherung. Die
kommenden Feiertage verbringen wir, wie die Australier, mit Santa Claus Mützen am Kopf
und Sektglas in der Hand hauptsächlich im Swimming Pool -bei 46 Grad Lufttemperatur! In
Alice Springs gibt es während der Feiertage nicht viel zu tun, weil fast alles zu hat.
Kurz vor Silvester fliegen wir daher nach Perth.
Fortsetzung folgt!
-Michael Pech-
Weil Perth eine wunderbare Stadt ist und Westaustralien bisher links liegen gelassen
wurde, treffen sich nunmehr 11 Traveller, um dieses unterschätze Eck des Kontinents zu
entdecken. Darunter auch Edith, eine pensionierte Sozialarbeiterin aus Wien, die wir einst
in Indien kennengelernt haben und mit der wir monatelang in Pakistan und Tibet gereist
sind. Mittlerweile ist sie 70 Jahre - und unabhängig von uns - Mitglied des Traveller
Clubs geworden.
Diese etwas inhomogene Gruppe zwischen 3 und 70 Jahren trifft sich in der
Jugendherberge von Scarborough bei Perth. Zunächst einmal lassen wir es hier zum Neuen
Jahr krachen, anschließend wollen wir für 6 Wochen Western Australia bereisen.
Obwohl die Jugendherberge wirklich heruntergekommen und zum Teil verwanzt ist, wie wir
noch feststellen sollten, hat sie einen unschlagbaren Vorteil: wir finden alle zusammen
Unterkunft (in Australien sind Sommerferien!), es gibt viel Auslauf für die Kinder und
einen riesigen Pool mit Rutsche (es hat noch immer zw. 40 und 45 Grad). Wir schauen uns
verschiedene Backpackers in der City an, die das alles nicht bieten.
Nachdem wir Perth und Freemantle (das Gefängnis ist eindrucksvoll) besichtigt haben,
mieten wir einen 9-sitzigen Bus und einen kleinen Mitsubishi bei der Autovermietung 4 As
(empfehlenswert, sehr kooperativ).
Wir finden den Eastern Highway und gleiten auf unser erstes Ziel zu: der Wave Rock
zieht sich, wie der Name suggeriert, einer gigantischen Welle gleich durch die Steppe.
Einst das Meeresufer, bildet die Felsformation jetzt eine echte Stufe in der Ebene. Weiter
geht's nach Coolgardie (eher verwaist) und Kalgoorlie (dort ist was los!), den berühmten
Goldgräberstädten, wo heute noch fleißig geschürft wird.
In Kalgoorlie erleben wir einige originelle Dinge: ein Goldgräberort in noch
anhaltender Blütezeit, auf männliche Glücksritter ausgerichtete Pubs mit Bedienung im
Bikini. Das Goldminer Museum. Der Loop-Train in der Nachbarstadt Boulder, ein Nepp. Die
Two-Up-School: Two-Up ist ein verbotenes Glücksspiel, ähnlich dem Knobeln mit Münzen.
Was es mit der "school" auf sich hat, läßt sich schwer beschreiben. Selber
erleben, wie man hinkommt steht im Lonely Planet. Nach diesen dubiosen Erlebnissen geht es
ins Ghost Town Kanowna: was erwartet man von einer Geisterstadt nach dem Goldrausch?
Verfallen(d)e Gebäude!! - Dort aber steht absolut nichts, die Bewohner haben alles
mitgenommen, um es anderswo wieder aufzubauen. Nur Schilder mitten in der Steppe
bezeichnen, was wo stand. Wahrlich ein eindrucksvoller Ort..., denn die Landschaft der
Umgebung bietet etwa genausoviel.
Ganz allgemein ist Western Australia kaum überrannt, weil den meisten
Australien-Reisenden zu weit vom Schuß. Wenn die Australier Weihnachtsferien haben, dann
allerdings ist was los, das merken wir an der Südküste.
In Esperance schlagen wir das Gruppenquartier am Campingplatz auf; da nur wir Zelte
haben, nehmen die anderen entweder Cabins oder Wohnwagen, die auf vielen Zeltplätzen als
durchaus preisgünstige und saubere Alternative zur Verfügung stehen. Vorausbuchungen
sind jetzt immer essentiell, da wir so viele sind und in der Ferienzeit reisen. Gleiches
gilt wenn wir gemeinsam in einem Motel einfallen wollen. Da sowohl der Wave Rock als auch
die Goldgräberfelder allein zuwenig sind um die vielen Kilometer ab Perth zu
rechtfertigen, besuchen wir zwischen Esperance und Albany viele Beaches und klappern die
Südwestküste ab. Dazwischen gibt es Ausgleichssport im Stirling Range National Park mit
einer Bergbesteigung. Immerhin bewegen wir uns dabei in der Gegend mit den ältesten
Felsformationen der Welt, etwa 3 Milliarden Jahre alt ((Porongorups) und einzigartigen
Pflanzen wie den Mountain Bells. Ob am Strand oder im Gebirge - es quälen uns
Fliegenschwärme und unerträglich beißende Bremsen. Wir haben das schon beim Uluru und
Kings Canyon kennengelernt und sind mit Ganzgesichts-Netzen bestens ausgerüstet. Die
Küste erscheint ebenso wild wie das Meer, meterhohe Wellen, kaum zum Baden, dafür
bestens zum Anschauen geeignet.
Nach Denmark (der Ort ist so lieblich wie Dänemark, er verdient den Namen) kommen wir
in die Karri-Tree-Wälder; 60m hohe Baumriesen, die über ein Netz von Stahlseilbrücken
in schwindelnder Höhe begangen werden können. Der absolute Höhepunkt: ein Fire-lookout
auf einem Baum zur Früherkennung von Waldbränden, der nur über Eisenklampfen in 50m
Höhe erreichbar ist. Genannt wird das Gebiet Beedelup National Park. Von Pemberton, dem
Zentrum der Karri-Wälder, machen wir noch einen Ausflug zu den Jewel Caves, einer
sehenswerten Tropfsteinhöhle, bevor wir Margret River erreichen, der letzte Ort, bevor
sich zwei von uns in Perth verabschieden. An sich ist Margret River ein netter Platz (und
auch die Küstenstraße zwischen den Capes Leeuwin und Naturaliste), aber zu diesem
Zeitpunkt von australischen Urlaubern und Surfern derart überrannt, daß es an Caorle im
Juli erinnert.
Die verbliebenen neun begeben sich nun Richtung Norden, den Brand Highway entlang zu
den Pinnacles. Diese Pinnacles sind eigentümlich geformte Kalksteinkegeln, die zu
hunderten aus einer Sandwüste herausragen, auf mehrere km verstreut. Der Ausgangspunkt
ist das Dorf Cervantes, mit einem Campingplatz touristentauglich herausgeputzt. Durch das
Pinnacle Gebiet fährt man auf einer gekennzeichneten Piste mit dem Auto, auch ohne 4WD
kein Problem, solange man auf der Piste bleibt. Man könnte die Strecke zu Fuß
absolvieren, dann muß man aber zu den ganz Harten gehören: der Loop ist einige Km lang
und es ist unbeschreiblich heiß.
Natürlich steigen wir ab und zu aus, flüchten uns aber sogleich in den spärlichen
Schatten von einzelnen Pinnacles. Wir haben ein Auge auf die Kinder, die begeistert
verstecken spielen. Die Gefahr, sich zu verirren, scheint uns durchaus reell. Man kann die
Pinnacles als Tagestour von Perth aus machen, dann erlebt man sie zur Mittagszeit, wenn
der Sand intensiv gelb leuchtet. Sie sind natürlich zu jeder Tageszeit interessant, der
Sonnenuntergang bleibt uns als ein ganz besonderes Erlebnis haften. Auch früh am Morgen,
wenn noch wenige unterwegs sind, hat das Gebiet besondere Reize. Nach vielen Diskussionen
entschließen wir uns, doch nach Monkey Mia, zum berühmten Delphinstrand zu fahren. Es
sind 800km nach Norden auf dem schnurgeraden Highway ohne Abwechslung, in sengender Hitze
nur alle paar hundert Kilometer ein einsames Roadhouse (Tankstelle mit Imbiß), die
allerdings in ihrer absurden Ödigkeit ein besonderes Schmankerl darstellen. Der Grund
unseres Zögerns sind vor allem die Kinder, die von der endlosen Fahrerei allmählich die
Nase voll haben. Der Leihwagen hat Aircon, und mit der Aussicht, Delphine streicheln zu
können, beschließen wir, ihnen (und uns) die Tour anzutun. Als Strafe müssen wir
mindestens 20 mal die Kassette mit dem Mädchen von der Wassernixe über uns ergehen
lassen, die Sarah aus München mitgebracht hat.
In Geraldton machen wir einen Übernachtungsstop. Der Ort bietet gar nichts, das ist am
ersten Blick ersichtlich. Aber das dortige Tourist Office verschafft uns eine tolle
Unterkunft in Denham, die nächstgelegene Ortschaft zu Monkey Mia selbst, wo es nur ein
sündteures Ressort gibt: Wir werden an eine Maklerin in Denham vermittelt, die
Ferienhäuser von privaten Besitzern während der Zeit, wo diese sie nicht bewohnen, in
deren Auftrag vermietet. Wir mieten preiswert ein großes, voll ausgestattetes Haus direkt
in Denham, wo fast jeder ein eigenes Zimmer hat, was wir nach so intensiven
"Aufeinanderpicken" dringend nötig haben. Zunächst sind wir so begeistert,
daß wir mindestens eine Woche bleiben wollen. Der unaufhörlich scharfe Wind, der den
Sand durch alle Ritzen treibt, läßt uns allerdings die Zelte nach 3 Tagen wieder
abbrechen.
Wir fahren zweimal zum Monkey Mia Beach, wo seit Jahren täglich zu einer bestimmten
Zeit (vormittags) mehrere wild lebende Delphine zu Besuch kommen und mit den Besuchern
"kommunizieren". Mehrere Busladungen Touristen stehen geduldig knietief im
Wasser (kein Sonnenöl bitte!), um unter Anleitung der Ranger die Delphine zu berühren,
zu streicheln, an den Beinen vorbeistreichen zu lassen. An Trixis Beinen sehe ich
plötzlich eine hochgiftige, schwarz-gelb geringelte Seeschlange vorbeistreichen. Obwohl
ich nur "Trixi, Schlange !" schreie (in der Panik fällt mir "snake"
nicht ein), springen alle Leute wie auf Befehl ans Ufer und die verdatterte Schlange
windet sich davon. Wir wurden vorher schon vor allem wegen der Kinder von diesen
Seeschlangen gewarnt, ich hätte aber nie geglaubt, daß wir tatsächlich einer begegnen
würden.
Das ganze Gebiet gehört zur Shark Bay, ein Nationalpark mit einzigartiger
Küstenlandschaft, die in die Liste des "UNESCO Welterbe" aufgenommen wurde.
Nicht minder interessant ist der Kalbarri Nationalpark, wo wir auf dem Rückweg nach
Perth stoppen. Er bietet faszinierende Canyons mit tief eingeschnittenen Flüssen und eine
großartige Steilküste, nicht unähnlich der berühmten Great Ocean Road an der
Südküste von Victoria. In Perth nehmen wir Abschied von unseren Freunden und wir vier
fliegen zurück nach Adelaide, wo wir unseren "Blauen Blitz" wohlbehalten
wiederfinden und noch einige Tage bei unseren lieben Freunden verbringen.
- Fortsetzung folgt!
-M. & T. Pech-
South Australia, Victoria, Tasmania
In kleiner Familienidylle sind wir nun wieder in Adelaide, wo unser
"Blauer Blitz" brav auf uns gewartet hat. Vor der Expedition nach Tasmanien
treiben wir uns noch in Südaustralien herum.
Nicht unerwähnt bleiben sollen zwei Ausflüge in der Umgebung von
Adelaide: ins Barossa Valley, wo vor allem deutsche Einwanderer das berühmteste
Weinbaugebiet Australiens begründeten - Orte mit Namen wie "Seppeltfield" geben
Zeugnis davon. Man kann sich von Weingut zu Weingut durchprobieren, meistens
unentgeltlich, in der Erwartung, daß was gekauft wird, aber ohne Druck. In Konditoreien
bekommt man Besonderheiten wie "Bienenstich" und "Schwarzwälder
Kirschtorte", die man nach monatelanger Enthaltsamkeit richtig schätzt.
Kangoroo-Island, das sehr schön sein muß, streichen wir aus Geld-
(Fähre!) und Zeitgründen. Dafür besuchen wir die sehr wenig touristische Halbinsel
Fleurieu südlich von Adelaide. Dort genießen wir unberührt wirkende Landschaften am
Cape Jervis und im Deep Creek Conservation Park, mit vielen wild lebenden Känguruhs, die
uns oft im Zick-Zack vor dem Auto herumhoppeln.
In Victor Harbour fahren wir mit einer historischen Pferde-Straßenbahn
über eine Brücke auf Granite Island, wo Pinguine nisten. Mit Geduld und Glück sieht man
in Felshöhlen einzelne, ängstlich kauernde Pinguin-Kücken, die auf die Rückkehr ihrer
Eltern warten. Diese watscheln bei Einbruch der Dunkelheit, vom Fischfang zurückkehrend,
in einer "Pinguinparade" den Strand hinauf.
Unser nächstes Ziel ist die Great Ocean Road, entlang einer einmaligen
Steilküste, mit tiefen Schluchten und einzelnen, vom Kliff abgetrennten Inseln, z.B. die
"12 Aposteln" (eigentlich nur 11, der zwölfte ist sozusagen in Arbeit, das Meer
umspült einen Felsblock, bis er von der Küste abgetrennt sein wird.) Das tosende Meer
formt und verändert diese Küstenlandschaft laufend - langsam, aber beständig: Im Falle
der Formation "London Bridge" standen gerade 2 Touristen am äußerste Ende, als
1990 die Landverbindung vom Meer weggespült wurde. Sie mußten per Hubschrauber evakuiert
werden. Der spektakulärste Teil der Great Ocean Road liegt zwischen Peterborough und
Apollo Bay.
Die Meerenge vor dieser Küste zwischen Kontinent und der Insel
Tasmanien, die sogenannte Bass Strait, galt wegen der rauhen See und vieler Klippen als
eine der gefährlichsten Schiffahrtspassagen überhaupt, bis sie durch Leuchttürme
entschärft wurde. Zuvor wurden sie zum Schicksal von einigen Auswandererschiffen. Dies
wird in lokalen "Shipwreck Museums" dokumentiert, kaltes Schaudern garantiert,
einige sollte man anschauen!
Weiter in Richtung Melbourne lohnt ein Blick auf den Golfplatz der
Stadt Anglesa, wo viele Känguruhs das Rasenmähen besorgen, völlig unbeeindruckt von den
Golfspielern.
In Melbourne treffen wir rechtzeitig ein, um unsere Autofähre nach
Tasmanien zu erreichen. Wir haben die Tickets für die "Spirit of Tasmania"
schon 2 Monate zuvor in Melbourne gebucht, da vor allem die Fahrzeugplätze oft lange
ausgebucht sind, besonders in der Ferienzeit.
Die Fähre kommt für Passagiere fast so teuer wie der Flug, allerdings
sind sie mit dem Preis fürs Fahrzeug in letzter Zeit kräftig runtergegangen, weil sich
die Variante Flug-Mietauto immer größerer Beliebtheit zu erfreuen begann. Die eine Nacht
dauernde Überfahrt hat was zu bieten: großes Dinner-Buffet, daß sich die Tische biegen,
und morgens Frühstück-Buffet (beides im Fahrpreis inbegriffen), Pub und Automatencasino,
sowie Spielzimmer. Die preiswerteste Variante ist das Stockbett im Dormitory, wir sind
aber gezwungen, eine Viererkabine zu buchen, da Kinder im Schlafsaal nicht erlaubt sind.
Da wir keine Wahl haben, genießen wir den Komfort. Der Spaß kostet uns ca. öS 8.000,-
retour, das Auto öS 800,-)
Die 2 Wochen, die wir für Tasmanien haben, sind äußerst knapp und
rechtfertigen fast nicht die hohen Überfahrtkosten. Ich würde sagen, man sollte
wenigstens 1 Monat für Tasmanien veranschlagen. Trotzdem sind wir froh, daß wir den
Kurztrip gemacht haben, wer weiß, ob wir je wieder hinkommen....
Ohne eigenes Fahrzeug ist das Reisen in Tasmanien äußerst schwierig
und vor allem sehr zeitaufwendig. Das öffentliche Busnetz ist lückenhaft und
organisierte Touren sind teuer (mangels Alternative sind sie konkurrenzlos). Bleibt noch
Autostopp, was meist erfolgsgekrönt ist - falls Fahrzeuge vorbeikommen: das Handicap ist
die dünne Besiedelung der Insel und die Niederschlagsfreudigkeit: Geduld und Zeit ist
also erforderlich. Vom Fahrgefühl ist Tasmanien völlig anders als der Kontinent: geringe
Distanzen, aber oft bergige, einsame Strecken, die dem "Blauen Blitz" einiges
abfordern.
Wir landen in Devonport und fahren gleich weiter nach Deloraine, wo wir
uns in einer der gemütlichsten Jugendherbergen einquartieren, sie war uns schon empfohlen
worden. Unterwegs stoppen wir in Sheffield, ein kleines Dorf, das mit originellen Ideen
auch ein Stück vom Fremdenverkehrs-Kuchen ergattert. Nachdem es in der Gegend absolut
nichts Interessantes gibt, und der Tourismus nur am Weg zum Cradle Mountain Nationalpark
durchrauscht, hat ein einheimischer Künstler mit der Verzierung der Häuser, den
sogenannten "murals" begonnen. Das sind lebensgroße Szenen aus dem Alltagsleben
in Tasmanien in der "guten alten Zeit" (Hufschmiede und dgl.), die realistisch
dargestellt ganze Häuserfronten einnehmen.
Von Deloraine aus machen wir einen Tagesausflug zum Cradle Mountain,
und folgen vom Ausgangspunkt "Waldheim Cottage" aus (nach einem Österreicher
benannt, aber nicht DEM Waldheim) einige Stunden dem "Overland Track" (auf dem
man in ca. 6 Tagen den Nationalpark durchqueren kann) zu einem Lookout. Erlebnisreich und
wunderschön - Natur pur!
Mit dem Auto kreuzen wir von Nord nach Süd durch die Mitte, durch das
Gebiet des "Great Lake" (und mehrerer kleinerer Seen). Eine gottverlassene
Gegend, deren wenige Holzhäuschen mich an Gebiete hoch im Norden von Skandinavien, ich
möchte fast sagen Lappland erinnern. Es wirkt ärmlich und rückständig hier, ich frage
mich, wovon die Leute leben.
Unbedingt genügend Zeit einplanen und Benzinreserven mitführen, auch
wenn es auf der Karte kilometermäßig nicht nach viel aussieht: die Straßen sind nur
durch Orte (= 3 Häuser) asphaltiert, sonst unbefestigt, daher sehr langsames Vorankommen.
Es gibt im Landesinneren keine Tankstellen, Shops, eigentlich gar nichts, erst wieder in
Devent Bridge, im Süden, kehrt man in die westliche Welt zurück!
Von dort fahren wir zum Camping Platz im Lake St. Claire National Park,
der südlich an den Cradle Mountain National Park anschließt (und wo auch der Overland
Track endet). Ein traumhaftes Naturschutzgebiet, das alle Schönheiten bietet, die man von
Bildern aus Tasmanien kennt: moosbewachsene Urwaldriesen, glasklare Bäche, Wasserfälle.
Der Campingplatz ist zwar sehr spartanisch und wieder mal mit einer Bremsenplage gesegnet,
dafür direkt am Seeufer und von entzückenden kleinen Besuchern belebt: sogenannte
Pedmelons, eine ganz kleine Känguruh-Art, die scheinbar nur in Tasmanien vorkommt,
gesellen sich zu allen unseren Mahlzeiten. Natürlich voll der Hoffnung, die aber nur in
Form von Blättern, die sie selber nicht erreichen können, gestillt wird. In
unbeobachteten Augenblicken machen sie sich schleckend über unser benutztes Geschirr her.
Ein Possum-Paar nützt ein offengelassenes Autofenster und feiert eine tolle Party im Eski
(= Kühlbox), bis wir durch den Krach auf sie aufmerksam werden.
Wir machen einen Tagesausflug nach Queenstown, am Weg einige Lookouts
mit Wasserfällen und Dschungelwalks. Die Gegend um Queenstown, einer Gold -und
Kupferminenstadt, sieht einfach abartig aus: die Berghänge sind völlig abgeholzt (für
Minen und Schmelzöfen) und wirken wie nach einer Atombombenexplosion. Der Erosion
verschlimmert sich durch die starken Regenfälle, Aufforstung funktioniert nicht mehr...
Queenstown selbst (in weiter Flur die einzige Ansiedlung, gebettet in diese groteske
Mondlandschaft) wirkt dementsprechend öd und verlassen, aber mit viel
"heritage" ( alte Läden, Museen).
In Hobart, der Hauptstadt Tasmaniens, treffen wir an einem Samstag ein,
um dem allwöchentlichen berühmten Salamanca Market beim Hafen beizuwohnen. Die Mischung
aus Farm- und Bioprodukten, kulinarischen Schmankerln (eingewanderte Bayern verkaufen
Brat- und Weißwürste) und Straßenkünstlern (Artisten, Pantomimen, Musiker, Maler) ist
echt erlebenswert, und zum Glück noch bei schönem Wetter. Dann schüttet es 3 Tage, was
uns die Stadt etwas vermiest, da es nicht allzuviel "Indoor-Aktivitäten" gibt:
Museum, Brauerei, Whiskey-Brennerei. In der Cadbury´s Schokoladefabrik (das einzige, das
die Kinder interessiert hätte!) sind Führungen tagelang ausgebucht.
Am Tag der Weiterfahrt werden wir mit strahlendem Sonnenschein und dem
Start zu einer großen Regatta getröstet, die zur Freude unserer Kinder auch einen
Rummelplatz mit sich bringt.
In Port Arthur quartieren wir uns in der Jugendherberge in einem
historischen Häuschen direkt am Museumsgelände der ehemaligen Sträflingskolonie ein.
Port Arthur war ein berüchtigtes Straflager der jungen Besiedlungsgeschichte Australiens.
Die teils recht bizarren Experimente eines "modernen Strafvollzugs", die in den
Ausstellungen des weitläufigen Geländes dokumentiert sind, interessieren mich als
Bewährungshelfer besonders. 1 ½ Tage sind nicht zu lang, um sich in Ruhe umzusehen. Die
Wirkung des gesamten Ortes ist irgendwie speziell: die sehr gepflegte Anlage täuscht eine
falsche Idylle vor, die Ausstrahlung aber ist unheimlich, als sei das dort erlebte Leid
noch gegenwärtig. Zusätzlich verdüstert wird die Stimmung durch die ungebrochene
Gegenwärtigkeit des Massakers im Frühjahr 1996, als ein geistesgestörter Amokläufer
über 30 Besucher und Angestellte am Parkplatz und im Restaurant erschoß...
Wir machen den Rundtrip auf der Tasman Peninsula, auf der Port Arthur
liegt: der Devil Park, ein Tierpark, wo man den Tasmanischen Teufel sehen kann, ein
kleines Raubtier, das in freier Wildbahn kaum mehr vorkommt. Unterwegs animieren einige
Lookouts mit bizarren Küstenformationen zum Halten und Staunen.
An der Ostküste Tasmaniens schlagen wir unser Zelt in Bicheno auf, ein
beschaulicher Ort mit eigener Pinguinkolonie. Von hier aus besuchen wir den Freycinet
National Park, wo wir die sehenswerte, nach ihrer Form benannte Wineglass Bay erwandern.
Durch duftende Blumenwiesen und vom Gezwitscher seltener Vogelarten begleitet, vergehen
die drei Stunden sehr schnell...
Und viel zu schnell vergeht die Zeit während unserer gesamten Reise,
denn über den modernen Industrieort Launceston und mit der Fähre geht es zurück nach
Melbourne, wo wir unseren treuen "Blauen Blitz" nicht ohne Schwierigkeiten an
den Mann bringen. Ein bißchen nehmen wir uns schließlich auch für diese ganz nette
Stadt Zeit, die nicht nur wettermäßig sehr britisch wirkt. Und einen Ausflug mit dem
"Puffing Billy", einer Liliputbahn mit alter Dampflok durch die Wälder der
Dandendongs gönnen wir uns und den Kindern als Abschlußerlebnis, bevor wir nach
Neuseeland davonschweben.
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