Hongkong (3/97)
Lieber Traveller Club!
Wir sind wieder auf einer längeren Tour
unterwegs und wollen Euch und die Leser der Traveller News daran
teilhaben lassen.
Wir: Michael Pech,36,Bewährungshelfer und Autor dieser Zeilen
Trixi Pech,34,Geschäftsführerin Sozialprojekt
Madumeeta Pech,5 1/2
Naomi Pech,3 1/2, Kindergartenkinder
Reisedauer: 8 Monate (1.Okt.96 - 1.Juli 97)
Route: Hongkong(2 Wochen) - Australien (4 1/2 Monate) -
Neuseeland (2 Monate) - Roratonga (1 Woche) - Fidschi (2
Wochen>) - Hawaii (1 Woche)
Hongkong
Vorgeschichte: Trixi und ich waren von 1984 - 88 vier Jahre in
Asien. Zur Weiterfinanzierung unserer Reise haben wir
zwischendurch in Hongkong mehrmals für einige Monate gearbeitet
(Serviererin und Koch in deutschen und österreichischen Lokalen)
und insgesamt ca. 1 Jahr in Hongkong verbracht. Wir wollten es
vor 1997 noch einmal sehen,alte Bekannte und Plätze besuchen und
es vor allem unseren Kindern zeigen, weil wir so oft davon
erzählen.
Visum: Keines,bei der Einreise bekommt man 3 Monate. Kann man
relativ problemlos bei der Immigration um 3 Monate verlängern,
wenn man eine gute Story bringt ( z.B. ich schreibe gerade an
einem Buch/Reiseführer ). Ansonsten halt nach China oder
Philippinen kurz ausreisen (Macao wird nicht akzeptiert.
Geld: 1 HK $ = 1,50 öS
Am Airport nur das Nötigste wechseln, Bank und Moneychanger in
der Stadt sind günstiger.
Hongkong hat sich zwar in den fast 10 Jahren , die wir nicht mehr
dort waren, verändert - es sind eine Menge neue Wolkenkratzer
dazugekommen,das höchste derzeit 78 Stockwerke - , aber im
wesentlichen halfen uns unsere alten Erfahrungen , uns rasch zu
orientieren und zurechtzufinden.
Cantonese und Englisch sind die Sprachen. Allerdings sind die
Hongkong-Chinesen nicht gerade die freundlichsten und
hilfbereitesten Menschen, vor allem zu "Gweilos"(Weiße
Teufel).Das liegt zum Teil an dem hektischen, stressigen Leben
dieser Stadt und der damit verbundenen Ungeduld und zum Teil am
latenten Rassismus, der natürlich auch umgekehrt funktioniert
und seine Wurzeln in der Kolonialzeit hat, die ja nun mit 1.
Juli, wenn Hongkong zurück an China kommt, zu Ende geht.
Wenn man also nicht Cantonese spricht, ist es mühsam, sich in
nichttouristischen Gebieten Hongkongs zu bewegen und fast
unmöglich, Lokale ohne englischsprachiger Speisekarte zu
besuchen. Man wird solange ignoriert oder mißverstanden, bis man
zermürbt aufgibt. Wir haben das jeweils nur mit chinesischen
FreundInnen geschafft. Man endet also punkto Essen meist bei den
üblichen Fried Rice/Fried Noodle - Hütten oder aber bei den
Indern (Chungking Mansion) oder im schlimmsten Fall bei
McDonald's (viel billiger als bei uns). Für Selbstversorger die
Supermarktketten Welcome und Parkin Shop, oder 7 Eleven, der 24
Stunden aufhat, dafür teurer ist. Eines aber sollte man wagen:
Dim Sum essen gehen. Kleine Knödelchen und Häppchen werden in
Bambuskörbchen serviert, die auf Wägelchen durch das Lokal
geschoben werden. Man braucht nur auf das zeigen, was man will
(die Füllungen sind oft Überraschungen, aber auf jeden Fall
gut); es wird nur zwischen 11 h vormittags bis ca. 15 h
nachmittags serviert. Zum Ausprobieren: Wir haben in Wien zwei
Dim Sum - Lokale entdeckt."Happy Buddha" am
Gumpendorfer Gürtel und "Tsing Tao" hinter dem
Westbahnhof.
Das Chungkin Mansion: entgegen allen Hiobsbotschaften, es sei
geschlossen oder abgebrannt, steht diese Hochburg der
Travellerunterkünfte in der Nathan Road, Tsim Sha Tsui, Kowloon,
noch immer. Es hat noch immer den indisch/chinesischen Bazar im
Ground Floor und die Lifte, Bei denen man immer Schlange stehen
muß. Es gibt noch das berühmte Traveller's Hostel in Block A,
16.Stock: nach wie vor der beste Platz für Infos und Gerüchte;
Kauf/Verkauf von Ausrüstung und Büchern, Infos über
Jobs,Tickets,China-Reise. Das angeschlossene Time Travel Service
ist noch ommer eines der empfehlenswertesten Büros für Tickets
überallhin und Visum für China.
Hongkong ist eine der billigsten Drehscheiben für Flugtickets in
alle Welt; es lohnt sich! Dafür ist Hongkong sonst nicht billig,
vor allem bei der Unterkunft. Die Billigunterkünfte sind in und
um Chungking Mansion. Wir stiegen diesmal im Mirador Mansion ab (
2 Blocks vom Chungking,neben Holiday Inn),13.Stock,New Garden
Hostel. Sie sind alle ähnlich: Dormitory HK $ 50-60 (4-8
Stockbetten, Fan oder Aircon,Doppelzimmer ohne Klo/Dusche HK $
250, mit Klo/Dusche ab 300. Die Zimmer winzig,kahl, 1 Schritt von
der Tür ins Bett, oft ohne Fenster,aber mit TV. Klo/Dusche im
wahrsten Sinn des Wortes, man steht fast im Klo beim Duschen und
hat man kein eigenes, muß man Wartezeiten einplanen. Man haust
somit, wie die meisten Hongkonger: auf engstem Raum und mit
Kakerlaken. Aber für uns gab es keine diskutable Alternative:
die nächste Kategorie sind Pensionen mit Preisen ab 600.- für
das Double, das YMCA gar über 1000.- Und dann gibt es nur mehr
die großen Hotels,unerschwinglich!
Die öffentlichen Busse sind günstig, aber man muß genau die
Münzen parat haben und beim Einsteigen in eine Box einwerfen, wo
auch der jeweilige Preis steht (nicht einheitlich). Das billigste
Vergnügen ist noch immer mit der Star Ferry nach Hongkong Island
zu fahren und dort eine Rundreise mit der Tram zu machen. Und wie
so oft im Leben, sind dir tollsten Sachen umsonst: der brandneue
"Elevator" von Hongkong Central rauf zu den Mid Levels.
Die längste Rolltreppe der Welt führt in vielen Etappen hoch
über die quirrligen Gassen, man kann beim Fahren den Leuten in
die Fenster reinschauen (und fotografieren). Oder der Botanical
Garden mit tollem Zoo ist auch gratis (und voll Mosquitos). Nach
wie vor ein guter Deal: im Hopewell Center (früher das höchste
Gebäude) in Wanchai auf einen Kaffee ins Revolving Restaurant im
66.Stock mit traumhaften Ausblick. Nicht abschrecken lassen vom
noblen Ambiente und aufgedeckten Tischen. Vielleicht nicht
unbedingt Badeschlapfen tragen. Überhaupt sind die Hongkonger
punkto Kleidung etwas anspruchsvoll, aber man kann sich preiswert
mit gefälschten Nobelmarken eindecken (die Giordano-Filialen
sind ein guter Tip, vor allem für Jeans).
Alle Souvenirs, die ums Chungking Mansion angeboten werden, gibt
es viel billiger am Night Market in der Tempel Street, aber auch
viel Ramsch. Filme & Entwickeln ist günstig (vergleichen +
handeln), Elektronik und Cameras einkaufen der absolute Streß:
unfreundlich behandelt wird man sowieso und ziemlich sicher
beschissen, wenn man sich nicht absolut gut auskennt. Post ist
billig: habe immer den Ballast in Surface-Mail-Paketen (bis 20
kg) heimgeschickt, bisher verläßlich, ca. 1-2 Monate.
Es gelang uns überraschend gut, die Kinder durch die
Menschenmassen, die durch die Straßen hasten, zu lotsen und sie
nicht zu verlieren. Wir haben ihnen für den Notfall
Namensschilder und Trillerpfeifen um den Hals gehängt. Bleibt
man am Gehsteig einmal kurz stehen, provoziert man einen
Stau...Auf der Suche nach Ruheoasen stellte sich der Kowloon Park
(schräg gegenüber Chungking) mit öffentlichem Schwimmbad als
ideal heraus. Wir zogen auch in Erwägung, zwecks Relaxing einige
Tage z.B. auf einer Insel zu verbringen. Auf Cheng Chan Island
gibt es viele Privatzimmer (an Wochenenden viel teurer und oft
ausgebucht), auf Lantan Island, wo der kürzlich fertiggestellte
Outdoor-Buddha der Welt steht (40 m, ganz in Gold) , ein Youth
Hostel. Aber alles ist zu weit vom Schuß, wenn man was in der
Stadt zu tun hat. Alle Youth Hostels in Hongkong sind sehr
entlegen. Z.B. Sai Kung, New Territories, nur mit der Tolo
Harbour Ferry zu erreichen, die zweimal im Tag fährt. Tolles
Wandergebiet, wenn man Zeit und Muße hat. Wir sahen uns das
Youth Hostel am Mt.Davis auf Hongkong Island an und brauchten
einen halben Tag, um hinzukommen. Der Bus fährt äußerst
selten, dann sind es noch 20-30 Minuten steiler Aufstieg zu Fuß.
Es liegt schön, mit schöner Aussicht, aber es ist absolut
langweilig, weil sonst nichts dort ist. Es gibt eine Küche für
Selbstversorger, aber weit und breit kein Geschäft. 3 oder 4mal
im Tag gibt es einen eigenen Minibus von und zur Stadt, wenn man
den benützt, fällt die Kostenersparnis gegenüber den
Billigunterkünften in der Stadt weg. An Wochenenden sind alle
Youth Hostels überfüllt.
Gratis-Stadtpläne und Broschüren über alle
Sightseeing-Vorschläge gibt es am Airport und im Info-Büro im
Swire House,Hongkong Central.
Wir haben beschlossen, daß wir Hongkong wenigstens alle 10 Jahre
einmal sehen müssen. Schwer zu erklären, was den Bann dieser
irren Stadt ausmacht.
Michael,Trixi,Madu und Naomi Pech
Karte
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