Himmelsberge & bürokratische Hindernisse, Reisebericht aus Kirgistan & Usbekistan
Ende September liegen Winni und ich vor einer weißen Jurte im Gras und genießen die wärmenden Sonnenstrahlen. Um diese Jahreszeit ist es schon recht frisch hier in 3000 m Höhe. Während wir Becu, den kirgisischen Nomadenjungen beim Herumtoben in "seinem Reich" beobachten, erinnern wir uns an all die Abenteuer, die wir in den letzten zwei Monaten hier in Zentralasien erlebt haben. Anfang August kamen wir in Kirgistans Hauptstadt Bishkek an. Bepackt mit einem großen Rucksack, wollten wir die, touristisch noch recht unberührten, zentralasiatischen Republiken Kirgistan und Usbekistan bereisen. Der erste Ein-druck war der einer ziem-lich westlichen Stadt. Cola, Fanta, und Adidas sind hier die großen Renner. Zum Flair einer zentralasia-tischen Stadt gehört aber auch die tägliche Polizeikontrolle. Man war nicht in Kirgistan, wenn man dabei nicht einig Dollar an die Beamten "gespendet" hat. Aber auch der Umgang mit dieser Polizei läßt sich erlernen. Nach den dringendsten Erledigungen sind wir sobald wie möglich dem post-kommunistischen Charme zerfallender Häuser und Infrastruktur dieser Stadt entflohen und haben die vielfältige Schönheit der Landschaft erwandert.
Bei unseren tagelangen Trekkingtouren durch die Bergeinsamkeit des Tien Shan, den sogenannten Himmelsbergen, sind wir auf die verschiedensten Landschaften gestoßen. Ich erinnere mich an das grüne Altin Arachan, das Winni mit den Worten: "Wie die Niederen Tauern mit ein paar Fünftausendern im Hintergrund" treffend charakterisierte.
Im Kontrast dazu stand die karge Weite des Zentral Tien Shan, dessen Glanz-punkt der 60 km lange Engilchek-Gletscher mit den umliegenden Sechs- und Siebentausendern ist. Hier konnten wir erfahren, was Einsamkeit bedeutet, als wir 100 km von der nächsten Ortschaft in einer kleinen Siedlung auf eine Mitfahrgelegenheit warteten. Nach einem Tag fanden wir tatsächlich Platz auf dem wöchentlichen Transporter.
Zu den angenehmsten Naturerscheinungen Kirgistans zählen allerdings die zahlreichen heißen Quellen, die das Ende jeder Trekkingtour zum absoluten Genuß machten.
Aber damit´s nicht zu idyllisch wird, macht die umständliche Bürokratie auch vor den Bergen nicht halt. "Permit" heißt das Papier, dessen Ausstellung meistens einiges kostet, und immer länger dauert als vorhergesagt. Inzwischen gibt es aber einige Travel-Agencies, die wissen, welchen Geldschein man in welche Tasche schieben muß, um die Prozedur abzukürzen - gegen einige Dollar-noten versteht sich.
Unsere schönsten Erlebnisse waren aber zugleich die un-bürokratischsten. An die Tage, die wir mit Nomadenfamilien in ihren Jurten verbringen durften, erinnere ich mich am liebsten. Wenn man die Jurte betritt, wird man mit einem Lächeln und einer Schale des unvermeidlichen Kumis, einem Getränk aus ver-gorener Stutenmilch, begrüßt. Als Dank für ihre Gastfreundschaft durften sich die Kirgisen dann auch über unsere Reitkünste amüsieren. In einem Land, wo jedes Kind reiten lernt noch bevor es gehen kann, wundert man sich immer wieder, daß das in Europa nicht üblich ist.
Als Kontrast zu soviel Natur planten wir noch einen Ausflug in das sagen-umwobene Samarkand und zu der alten usbekischen Handelsstadt Buchara. Dazu war es allerdings nötig, dem usbekischen Botschafter ein Visum zu entlocken, was uns nach längerer Belagerung tatsächlich gelang.
In den darauffolgenden Tagen sahen wir vor allem türkise Kuppeln, Minaretts und Medressen. Bei ausgedehnten Spaziergängen durch die Basare fühlten wir uns in die Zeit der Seidenstraße zurückversetzt.
Wieder zurück in Kirgistan, verbringen wir hier noch einige Tage auf einer Alm, bevor wir Ende September den Heimflug antreten und auch unsere Gastgeber mit ihrem Vieh ins Dorf zurückkehren.
Rückblickend kann ich sagen, es war eine interes-sante, nicht immer einfache Reise. Wenn wir auch auf einigen Hindernisse, nicht nur sprachlicher Natur, stießen, gab es auch sehr viele schöne Erlebnisse.
Wer mehr davon sehen will, den laden wir herzlich zu unserem Diavortrag im Herbst ein.
Ulli Fechter &
Wienfried Kraus
(Der TCA-Dia-Vortrag zu dieser Reise wird am 6. November 2000 um 19 Uhr im AAI, Afro-Asiatischen Institut, Türken-straße 3, 1090 Wien, stattfinden.)
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