Traveller Club Austria

Die Giovanninis in Australien, Von der Sunshine Coast zum Great Barrier Reef

Rubriken: Tipp - Reiseziele: Australien

Zeit für Körperpflege: "Krusi" soll vom Sand und Salz des Strandes befreit werden, außer-dem scheint er zu weinen, er verliert Hydraulikflüssigkeit aus dem Kupplungshauptzylinder. Und so nebenbei haben sich seit der Abreise aus Brisbane (und in dieser Zeit haben wir schon bei-nahe 2000 Fahrtkilometer zurück-gelegt, von der Rund-Australien-Route haben wir aber erst 250 km geschafft!) schon Tonnen von Bröseln, Keksresten und sonstigen Lebensmitteln angesammelt, die einem Ameisenvolk reichen würden. Wir wollen aber keine blinden Passagiere, es gilt daher: Schöner wohnen, innen putzen!

"No worries, mate!" Der Kupplungszylinder, den Jamie ge-liefert bekommen hat, ist zwar der falsche, aber den richtigen hält er schon Minuten später in Händen. Es geht alles so easy hier, relaxt und ohne Stress. Der Auto-mechaniker wartet, bis ein Kunde kommt, kommt keiner, macht es auch nichts, man trinkt ein Bier-chen mit dem Typen aus der Nachbarwerkstatt. Und irgend-wann und irgendwie kommt schon etwas Geld in die Kassa. Und viel braucht man ja nicht, um glücklich zu sein. Irgendwie erinnert die Mentalität hier stark an Schwarzafrika ... Jamie taucht ab in den Motorraum und eine Dreiviertelstunde später lacht der Landcruiser wieder, ich auch und nebenbei bin ich um 120 Aus$ (etwa 1000 Alpendollar) erleich-tert.

Das restliche Putzen ist ein Vergnügen. Krusi strahlt wieder wie ein ganz junger! Auf weitere Abenteuer muss er aber noch etwas warten, morgen ist Darios Geburtstag, da werden wir nicht Auto sondern Schiff fahren - er bekommt einen richtigen Wal als Geburtstagsgeschenk!

Regen an der Küste, Regen an der Küste, Regen an der Küste, wo wir doch in der trockenen Jahres-zeit unterwegs sind. Da hilft es nicht viel, dass sich selbst gestan-dene Aussies entschuldigen, dass es "im schönsten Land dieser Welt" mal nicht das schönste Wetter gibt.

Nachdem wir nur zwei müde Wale in Hervey Bay ausfindig gemacht haben, beschließen wir, einmal ein bißchen in die Einöde zu fahren. Sprich: Vorbei an Bundaberg (das ist der Ort mit der legendären Rum-Destillerie - und das war an meinem Geburts-tag, so blieben wir wenigstens innerlich trocken an diesem Feiertag ...) nach Rockhampton (ein Ort mit viel Tradition, schließlich stehen noch 7 Häuser aus dem vorigen Jahrhundert) und schlugen einen Haken gen Westen.

In der Dividing Range ließen wir "Kari" zurück - und für einen holprigen Abstecher in den Blackdown Tablelands Natio-nalpark - der wie die anderen Parks in diesem N-S-Gebirge mit spektakulären Schluchten, Felsab-brüchen, Wasserfällen und Blick in die endlosen Weiten des Out-back aufwarten kann. Die Kinder sind ganz aus dem Häuschen: Endlich schaukelt es einmal so richtig im Auto, und Papa schimpft nicht über den Anhänger, der die ganz Fahrerei so lahm macht (ganz so schlimm ist es aber nicht mehr, man gewöhnt sich an fast alles im Leben ...), sondern freut sich, den Land-cruiser endlich durch sein ange-stammtes Terrain pflügen zu lassen. Das Gefühl des "Offroad Abenteuers" wird etwas in Frage gestellt, als ein weißes Miet-Wohnmobil mit üppigen Formen und recht wenig Bodenfreiheit auftaucht und den steilen Weg hinauf auch packt (zumindest haben wir es nicht mehr gesehen).

Der Blick nach Westen ist begehr-lich. Weg von den Touristen-horden (im Winter ist Queens-lands Küste so etwas wie das Pensionistenheim für das kalte Sydney und Melbourne, viele davon mit Caravan unterwegs, von denen einer die treffende Auf-schrift "Gereatric Gypsies" am Heck prangen hatte). Sunshine Coast oder Hervey Bay, Whitesundays oder Rock-hampton, alle Attraktionen sind aufbereitet, steril und für Touristen aller Altersstufen ge-eignet - die ganze Küste ein Disneyland! Und außerdem sind alle diese oft verlockenden Mög-lichkeiten - wohl wegen der großen Nachfrage - sauteuer ...)

Im rauhen Outback gibt es von diesen Zutaten weniger, dafür an unserem Ziel mehr vom Pionier-geist: Ortsnamen wie Emerald oder Rubyvale verraten bereits die Bodenschätze, man findet aber anderes: Saphire. Selbstver-ständlich haben wir uns eine Schürf-Lizenz besorgt und sind mit unseren treuen Lasttieren Krusi und Kari losgezogen, um so reich zu werden, wie ein Bub vor einem Jahrzehnt, der einen Saphir im Millionenwert aus einem Haufen Dreck geholt hat. Unsere Kinder wühlen sich (ebenso wie Gaby übrigens) mit Begeisterung durch die Erdhaufen und graben diese buchstäblich eimerweise um, aber mehr als ein paar Saphirsplitter sind dabei nicht zutage gekommen ... Macht nichts. Es hat Spaß gemacht, es waren nur wenige Touristen da - und es hat nicht geregnet!!

Das nächste Ziel ist diesbezüglich nicht erfolgversprechend: Tully ist mit über 4000 mm der regen-reichste Ort Australiens und unser Ziel Mission Bay liegt an der Küste direkt davor ... En route gibt es noch einen Ausflug in das Kuriositätenkabinett der Biologie: Im Eungella Nationalpark gibt es die Chance, Schnabeltiere zu sichten, diese Mischung aus Ente und Biber, die von Forschern zunächst als Fälschung bezeichnet worden ist.

Im kleinen Finch Hatton Caravan Park werden wir familiär aufgenommen und befin-den uns in der wohltuenden Gesellschaft von "Reisenden", die mit ihren Caravans kreuz und quer durch den Kontinent ziehen und dementsprechend viel zu erzählen wissen. Der schönste Platz der Welt ist für alle aber immer Australien - das Ausland wird dafür gar nicht in Betracht gezogen. Viele vermuten sogar, wer ein Jahr durch Australien reist, wird gar nicht mehr weg wollen. Mal sehen, im Moment sieht es nicht ganz so toll aus ... Wir beobachten tatsächlich Schnabeltiere, sehen sogar wie eines dieser blindlings paddelnden Tierchen eine Aaßerschildkröte rammt und erschrocken auf Tauchstation geht. Auch land-schaftlich erweist sich der Nationalpark als sehr schön.

Dario faszinieren noch mehr die qualmenden Schlote der Zucker-fabriken und die riesigen Ernte-maschinen, die gerade aktiv sind. Der Bezirk Mackay gehört zu den größten Zuckerproduzenten der Welt!

Angekommen in Mission Bay, tauchen wir ein in die Welt des Great Barrier Reef. Zunächst mieten wir noch ein kleines Alu-Boot mit einem 6PS-Außenborder (solch ein "Tinny" gehört zur Standardausrüstung jedes austra-lischen Urlaubers ...), um die nahe gelegene Resort Insel Dunk Island zu erforschen, doch schon bald veranlaßt uns der Drang nach mehr zur Buchung einer Kata-maran-Tagestour ans Outer Reef, zu den bunten Fischen und Korallen und den schneeweißen Sandinselchen. Erstaunlicherweise genießen wir herrlich warme, regenfreie Tage und auch der Ausflug ist ein Erfolg. Ich gehe das erste Mal mit einer Sauer-stoffflasche am Rücken tauchen und finde die ganze Sache recht toll! Da es wenig Seegang gibt, genießen auch die Kinder das Riff, der Umgang mit Taucher-brille und Schnorchel muß noch fest geübt werden (seither stehen beide in jedem möglichen Swim-ming Pool knietief im Wasser und ergründen die unerforschten Tiefen).

Unser nächstes großes Etap-penziel heißt Cairns und ist das Zentrum der "Wet Tropics" (welch ein gefährlicher Name) und mit etwa 120.000 ethnisch bunt gemischten Einwohnern die größte Stadt im Far North Queensland. Peter Giovannini

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Thursday, 24. May 2012