Die Giovanninis in Australien (7), Von Perth nach Kalgoorlie, Weihnachten an der West/Südküste Australiens
Dezember 1999/Jänner 2000: Die Bars und Restau-rants von Northbridge quellen über vor Feiernden, zwischen T-Shirts und Smokings finden wir unseren Weg zum De-partment of Immigration. Wir feiern noch nicht, zuerst wol-len wir nochmals sechs Mo-nate Aufenthaltsbewilligung in diesem Land. Wie er-wartet, vermutet die Behöre in uns klammheimliche Ein-wanderer, dabei hat man mit den Boat-People aus China schon genug "Scherereien" am Hals. Da braucht man nicht auch noch ein paar Hungerleider aus Mitteleuropa.
Nach dem Vorweisen von ausreichendem Geldvorrat wird unserem Wunsch doch Rechnung getragen. Der Amtsschimmel lässt uns für sein Wiehern pro Person 170 AUS$ (man multipliziere ca. mit 8,7) berappen, was wir gar nicht lustig finden.
Als ersten Eindruck nehmen wir an, alle Perthianer (oder wie nennt man die Bewohner der isoliertesten Millionen-stadt des Erdballs?) befinden sich bei einer Prä-Christmas-Party in einer der zahllosen originellen Tavernen nächst der City. Weit gefehlt. Minde-stens genausoviele üben sich beim last minute Christmas Shopping, was uns völlig aus dem Häuschen bringt. Wir alle vier sind nach den Mo-naten im ziemlich einsamen Busch von solch einem Gewurl entwöhnt und daher etwas verstört. Zu allem Überfluss hat Chiara soeben richtig Spass am Ver-steckenspiel gefunden und lässt unsere Einwände, dass die unbekannte Grossstadt dafür ungeeignet sei, nicht gelten.
Trotzdem kommen auch wir in Weihnachtsstimmung, viel-leicht in etwas anderen Dimensionen. "When I find myself in times of trouble, Mother Mary comes to me, speaking words of Wisdom ... Let it be ..." Die Beatles sind ebenso Bestandteil eines Weihnachtskonzerts wie drei junge asiatische Breakdancer (genau! - die drei Könige aus dem Morgenland ...). Im lauen Sommerabend wird Samba getanzt, das Dige-ridoo erklingt und bunte chinesische Glücksdrachen rauschen durch das be-geisterte Publikum. X'mas wird als grosse Party ge-feiert, der religiöse Part ist eher unbedeutend. Bier dafür umso bedeutender, generell gesprochen.
Wir erleben unser Weih-nachten schon am 23. De-zember, denn eine Redback-Spinne (ziemlich giftig) nistet sich auf Darios Spielzeug-lastwagen ein. Ein Nachbar-bub erkennt die Gefahr und seine Mama entfernt das Un-tier. Gottlob ist nichts pas-siert! Wenig später wird der Strand von Perth evakuiert, denn Taucher haben vor der Küste einen 14 Fuss langen (knapp 5 m) weissen Hai gesichtet. Wiederum ge-schieht nichts.
Abseits vom Zapfhahn wer-ben Kirchenorganisationen für ihre Metten, etwa indem Clowns Luftballons her-schenken und freiwillige Helfer eiskaltes Wasser an keuchende Weihnachstein-käufer und schwitzende Touristen wie uns verteilen. Angesichts der Tempera-turen, täglich jenseits der 35 Grad (wieder eine Hitzewelle, beklagt das Lokalradio) kommt bei uns keine über-mässig besinnliche "Stille Nacht-Stimmung" auf. Leb-kuchen, Maroni und Glühwein wären hier keine Verkaufs-schlager!
Dennoch erleben wir weisse Weihnachten. Im rund 100 Kilometer nördlich gelegenen Lancelin borge ich mir ein Brett aus und gehe boarden. So weit so alpin. Hier handelt es sich um ein Sandboard (der originellen Marke "Suislide" übrigens) und statt flaumiger Neuschneehänge sause ich festgepresste, schneeweisse Dünen hin-unter. Man lenkt schwerer, fällt härter, und während der Pulverschnee ganz von selbst aus den Ohren schmilzt, bleibt der feine Sand minde-stens die nächsten drei Du-schen in den diversen Ge-sichtsöffnungen erhalten ...
Der Christtag gilt als Familienfesttag, was mit Ge-schenken beginnt, mit einigen Bieren beim Familien-Lunch begossen wird und für viele an einem der herrlichen City-Strände endet. Die Feiertage markieren auch den Beginn der Sommer-Schulferien, die bis Ende Jänner dauern und den Höhepunkt der Urlaubs-saison bedeuten.
Die Hauptreisezeit wollen wir uns nicht entgehen lassen! Perth gefällt uns und wir küren es zum saubersten Dorf mit urbanem Hauptplatz, das wir kennen. Aber weil wir gerade im heissesten Som-mermonat seit Beginn der meteorologischen Aufzeich-nungen hier sind, beschlies-sen wir, uns der Karawane anzuschliessen. Schliesslich will auch Krusi weiterziehen und uns beweisen, dass die 850$ für ein grosses Service neue Lebensgeister in ihm wachgerufen haben!
150 Jahre vor der Genmanipulation …
Deaderoos, Flateroos, Stinke-roos - je nach dem Stadium der Verwesung benennen wir die Opfer des Roadkills. Diese armen Tiere, die an den Stossstangen der Road-trains und anderer schneller Fahrzeuge ihr Leben verloren haben, pflastern die Über-landstrassen. Hauptsächlich liegen Känguruhs und die kleineren Wallabies herum, aber je nach Region müssen wir auch toten oder "lebensmüden" Possums, Füchsen, Schafen, grossen Eidechsen und Kaninchen ausweichen.
Und wenn wir wieder einmal solch eine Todesstrecke pas-sieren, meist eintöniges Buschland, bleibt genügend Zeit, über die Veränderungen in Australiens Tier- und Pflan-zenwelt seit dem Eintreffen der ersten Weissen nachzu-denken. Diese Veränderun-gen sind nachhaltig. Die heimischen Tiere des Fünften Kontinents sind den impor-tierten im Kampf um Futter weit unterlegen, oder sind Feinde, gegen die es keine Abwehrkonzepte gibt.
Hopp! Go for it! Die Fünf gewinnt!
Ein Krötenrennen im Hinterhof eines Backpacker-Quartiers. Und weil Wetten im Naturell des Australiers liegt, findet hier die cane toad ("Zuckerrohrkröte") endlich eine sinnvolle Verwendung.
Importiert wurde dieses hand-tellergrosse Getier vor einem Jahrhundert, um Schädlingen in den Zuckerrohrplantagen Herr zu werden. Es stellte sich bald heraus, dass die Kröten lieber anderes Getier verzehren und wurden so rasch zur Bedrohung für viele einheimische Tiere … Und weil die Lebensbedingungen so gut waren, vermehrten sie sich rasant und unkon-trollierbar.
Frühe Seefahrer brachten Schweine und Ziegen zur Fleischversorgung an Land, englische Siedler setzten Kaninchen und Füchse zum Jagdvergnügen aus. Hunde und Katzen fanden ihren Weg aus Europa in die Weiten des australischen Buschlands. Niemand dachte an die weitere Entwicklung und die Veränderungen, die dadurch in der Fauna Australiens verursacht werden.
Irgendwie erinnert das an die aktuelle Diskussion um die Genmanipulation in Pflanzen und auch Tieren: Probieren wir, ob es hier geht; wir haben zwar keine Vorstellung wohin das führen wird, aber unsere Nachkommen werden schon sehen, was rauskommt …
In vielen Nationalparks war-nen grosse rote Schilder vor den Giftködern, die für Hunde, Katzen und Füchse bestimmt sind. Diese Räuber rotteten viele der einheimi-schen Säugetiere aus, weil diese keine Feinde kannten und daher keine Abwehr-möglichkeit besassen. Weite-re Gattungen sind heute von den höher entwickelten Importen bedroht.
So unglaublich es klingt, selbst die verwilderten Ziegen und Schweine und die zahllosen Kaninchen vernich-ten den Lebensraum für heimische Arten und werden heutzutage mit massivem Einsatz bekämpft. Zu einem guten Teil erfolglos, zu weitläufig ist der australische Busch.
Immerhin eine Gattung freut sich über die Entwicklungen: Nachdem Füchse und Katzen die traditionelle Nahrungs-quelle der Adler dezimiert hatten, kamen Kaninchen rechtzeitig als Ersatz.
Und während diese Nager-plage heute massiv bekämpft wird, hat sich der Adler längst auf eine völlig andere Futterquelle eingestellt: Ent-lang der Highways findet er alles frisch erlegt am Strassenrand.
Nicht selten liegt da eine der zahllosen Kröten, die als Nützlinge gebracht worden sind und rasch zu Schädlingen mutiert sind …
PS: Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Tierwelt!
Jeder von uns kennt Bilder vom berühmten Uluru (Ayers Rock). Nur wenige erkennen in der Vegetation rundherum das widerstandsfähige, sich rasch ausbreitende Büffel-gras.
Zur Befestigung der Dünen rund um den Flughafen von Alice Springs wurden in den 50er Jahren Büffelgrassamen aus Flugzeugen abgeworfen. Heute breitet es sich das Gras mit der Hauptwindrich-tung westwaerts aus und vernichtet die heimische Flora. Gegenmittel? Bisher keines bekannt!
Weihnachten markiert also den Beginn der grossen Schulferien in Australien. Und gleich nach den Feiertagen setzt sich halb Perth in Bewegung, um die Strände im Süden zu überfluten.
Natürlich wollen wir auch die westaustralische Urlaubskul-tur kennenlernen und bege-ben uns daher nach Busselton, quasi das Jesolo von Perth. Um die rund ATS 300 Hochsaison-Camping-platzgebühr könnte ich locker unsere ganze Familie in der Besenkammer einer oberita-lienischen Strandpension unterbringen.
Hatten wir vor kurzem lamentiert, zu wenige Kinder unterwegs zu treffen? Hier sind sie nun alle. Vornehmlich im Swimming Pool, auf dem Bike und Skateboard oder bewaffnet mit Riesenwasser-pistolen, die mit Weihnachts-geschenkeuphorie quer über den Campingplatz eingesetzt werden. Nein, so viele Urlauber auf einem Fleck hätten wir nicht gebraucht.
Als ob der Trubel noch nicht genug sei, scheinen sich unzählige Fliegen gerade hier zur Jahreshauptversammlung zu treffen. Nach zwei Tagen reicht's uns in Busselton, wir reisen südwärts und möchten gerne ein wenig die berühmte Weinregion rund um Margaret River kennenler-nen.
Die Fliegen scheinen auch gerade auf Gruppenausflug zu sein und vermiesen mit iher Präsenz unsere Weinver-kostung ein wenig. Trotzdem finde ich im distinguierten Ambiente des Weinguts Amberley einen guten Tropfen der Sorte Chenin (nie gehört davon, aber, wie man mich aufklärt, echt franzö-sisch). Ein paar Flaschen wandern über den Tresen und als wir den Wein an einem herrlichen Strand bei Yallingup geniessen wollen, sind wieder diese Fliegen da. Erst als uns einige der weltbesten Surfer an einem der (diesmal wirklich!) welt-besten Surf Beaches infor-mieren, dass man heuer nicht einmal draussen in den Wellen vor diesen fliegenden Ungeheuern sicher sei, nehmen wir zur Kenntnis, dass nicht die Fliegen uns folgen, sondern sie überall sind. A really bad year, sorry, mate!
Unglaublich, wie die Jungs trotz der Fliegen auf ihren kleinen Brettern durch die Brecher flitzen!
Wenigstens in den Tropfstein-höhlen hier hat man Ruhe. Trotzdem ist das Personal, das durch die wirklich schöne Jewel Cave fuehrt, ein bisschen traurig. Schliesslich hat man soeben den Titel "weltlängster Stalagtit" um zwei Zentimeter an die USA verloren!
Wir füechten nach einem fliegenumschwärmten Besuch auf Cape Leeuwin, dem südwestlichsten Zipfel des Kontinents in die Wälder im Süden Westaustraliens und lassen die Fliegenplage fast hinter uns. Über uns die Kronen von bis zu 60m hohen Baumriesen mit so klingenen Namen wie Jarrah und Karri. Dario und Chiara sind begeistert von den hohlen Stämmen, in denen man soooo gut verstecken spielen kann. Immer wieder müssen wir sie einbremsen und auf die Gefahr von Schlangen, Spinnen etc. verweisen.
Auf einem beschaulichen Caravanpark mitten im Wald nahe Pemberton (das ist hügelig, ein paar Holzhäuser und etwa da, wo Fuchs und Hase Gute Nacht sagen) tickt die Uhr dem Neujahrsmorgen entgegen. Wir nehmen keine Notiz davon.
Manchmal wird man vom Namen gefangengenommen und entscheidet, dort muss man unbedingt hin. Vielleicht weil es seit zwei Wochen ununterbrochen Sturmwar-nung an der Südkueste gibt, vielleicht weil es wirklich sehr, sehr einsam im d'Entre-casteaux Nationalpark liegt, versteife ich mich auf einen Besuch in Windy Harbour. Klingt doch vielversprechend, oder? Es ist jedenfalls in keinem Reiseführer erwähnt, also noch ein Plus!
Selbstgebastelte Wellblech-hütten und ein paar bunt bemalte Holzhäuschen drücken sich in den Wind-schatten hinter einer Düne. Die Brandung sendet einen Dauersprühregen herüber. Wer Strom will, hat seinen Windgenerator. Der funktio-niert hier so gut wie immer. Wir verankern unseren "Kari" hinter einer Hecke und die Kinder haben bald Spielge-fährten gefunden. Es ist noch Ferienzeit.
Ich gehe auf Entdeckungs-reise entlang der zerklüfteten Steilküste, die malerische Sandsicheln einschliesst. Herrliche Aussicht vom Leuchtfeuer, bloss aufpas-sen, dass mich der Wind nicht umwirft! Iregenwie muss es Eingebung sein, dass ich gerade an jenem Punkt durch das Buschland an die Küste marschiere. Plötzlich stehe ich am Abgrund - und genau hier sehe ich feine Felsge-bilde, die an zarte indische Marmorschnitzerei erinnert. Die Abendsonne blitzt durch den Dunst, kühler Wind pfeift zwischen den Felsen und tief unter mir tobt die Brandung des Southern Ocean. Der perfekte Ort, um die Schön-heit und die Gewalt der Natur zu inhalieren.
Am nächsten Tag rumpeln wir über Schotterpisten zum Salmon Beach, dem Haus-strand von Windy Harbour, wo ich die angenehmen Sei-ten der Naturgewalten teste: Bodysurfing in über drei Me-ter hohen Wellen! Raus-tauchen durch die Brandung bringt den ersten Adrenalin-stoss, die Beschleunigung die Nase der brechenden Welle hinunter vermittelt ein herr-liches Gefühl - leider gelingt es viel zu selten ... Wie toll muss erst Wellenreiten sein!
Nach ein paar Strandtagen geht es weiter und wir erlei-den einen Kulturschock! Schon zurück in Mitteleuro-pa?? So viel Leben in der Stadt! Fussgänger bevölkern die Hauptstrasse, die von überwiegend hübschen alten Häusern gebildet wird. Beides sind nicht die üblichen Attribute australischer Städte.
Aber Albany ist anders, die älteste Siedlung in West-australien glänzt mit europä-ischem Charme, Strassen-cafes und windigen 24 Grad. Zwischen den Häuserzeilen notieren wir viel saftiges Grün und die bewaldeten Hügel verleihen dem Stadtbild Ab-wechslung. Auch das findet man in den trockenen Boom-towns im Westen kaum.
Der lockenköpfige Cafetier mit dem forschen Kapperl am Haupt erzählt von seinen Kärntner Vorfahren und dem guten Klima in Albany, das rund ums Jahr angenehm sei. Wenn man Wind und Regen bei 15 Grad mag.
Der Cappucino schmeckt gut, die Kipferl sind knusprig - Albany ist wieder solch ein Ort, an dem wir gerne etwas länger bleiben, in der City bummeln, eine alte Walfang-station besuchen oder die spektakulären Felsformatio-nen an den Granitkliffs be-staunen. Mehr als eine Nebenbeschäftigung ist es, in einem weitläufigen Super-markt unsere Vorräte aufzu-stocken.
Nur keine Hetzerei, nur keinen Zeitdruck auferlegen. Es bleibt uns fast noch ein halbes Jahr für die Rückfahrt nach Brisbane! Und nach den bisherigen 30.000 Kilometern zeigt die Landkarte, dass wir schon weit über die Hälfte der Australienumrundung hinter uns haben. Krusi schnurrt weiterhin brav und zieht stets unser Schneckenhaus nach…
Trotzdem können wir nicht alles sehen, wird sind wieder einmal am Scheideweg: Bleiben wir an der Küste und besuchen noch ein paar nette Buchten in diversen National-parks oder verabschieden wir uns ins Landesinnere und versuchen uns als Bergstei-ger.
Ab ins Gebirge, lautet die Entscheidung! Obwohl schon ziemlich alt und daher von Wind und Wetter abgeschlif-fen, bietet die Stirling Range einige bizarre Felswände und viele Wildblumen zum Bestaunen. Wir entscheiden uns nach einem netten Abend mit den Caravannachbarn und einem Ranger ohne Lagerfeuer (sommerliche Trockenheit verbietet jegliche Feuer in Nationalparks!), den höchsten Gipfel des Massivs zu erklimmen.
750 Höhenmeter rauf und dann wieder runter sind eine echte Herausforderung für die ganze Familie. Nicht nur der spektakulaere Ausblick auf die anderen Gipfel und die Plauderei mit dem Gegenver-kehr lassen die Zeit rasch vergehen, auch das Tierleben trägt bei. So überquert eine gelbbauchige Tigerschlange ganz ungeniert ein paar Meter vor uns den Pfad. Der Ranger meint später, diese seien zwar sehr giftig, aber nur in der Paarungszeit aggressiv. Für uns ist sie jedenfalls ein - milde ausgedrückt - überra-schender Anblick …
Den Gipfelsieg feiern wir mit Keks und Wasser und herrlichen Vistas auf Berge und Ebenen und Salzseen und in der Ferne die Küste. Eine lohnende Anstrengung, stellen wir fest. Noch an-strengender erweist sich die Motivation des Nachwuchses, den Weg hinunter selbstständig zu bewältigen. Ein umfangreiches Geschich-ten- und Liederrepertoire erweist sich wieder als sehr nützlich! Es gelingt und zur Belohnung erzählen uns die Jungbergsteiger noch ein paar Tage lang, wie ein Muskelkater in Kinderbeinen zu spüren ist.
Viel weniger zu gehen gibt es auf den Wave Rock, diese geschätzt 2700 Millionen Jahre Felsformation in Form einer brechenden Welle. Die Kids sind vom Anblick mindestens 10 Sekunden beeindruckt und brechen dann in Begeisterung aus - als wir deutsche Stimmen vernehmen. Nein, sogar urösterreichische Laute! Für den Nachmittag haben wir neue Kinderfreunde gefunden und ich versuche mich mit meinem Mountainbike auf dem verwitterten Gestein, drohende dunkle Wolken über mir. Beim Gewittersturm nutze ich den überhängenden Fels als Unterschlupf, bevor ich mich nochmals ganz hinauf wage.
Rundherum zucken die Blitze aus tiefschwarzen Wolken in einer Intensität, wie man sie in Europa nicht kennt. Hier erhält der Begriff "elektrischer Sturm" eine neue Bedeutung! Die Sonne schickt einzelne Strahlen durch die Regen-güsse und plötzlich glänzt ein Weizenfeld hier oder dort goldgelb, dahinter das Unwet-ter. Die Bäume, die sich auf dem Granitblock unter mir festklammern, bilden schwar-ze Umrisse, wild bewegt vom Sturm. Ich hätte nie gedacht, dass sich diese sanfte Land-schaft so schnell in einen Hexenkessel verwandeln könnte!
Eine Tagesreise entfernt liegt die Goldgräberstadt Kalgoor-lie und hier wiederholt sich das abendliche Gewitter-schauspiel. Mit dem Unter-schied, dass hier alte Fas-saden goldfarben erstrahlen, Strassen unter Wasser stehen und zahllose Pubs und Bars als Rückzugsort zur Verfügung stehen.
Peter Giovannini
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