Chiles Atacama / Boliviens Hochebenen / Perus Nebelwälder und Küstenwüsten (4/98)
Unsere Reiseroute war längst abgesprochen und lag auf dem
Tisch. Doch 4 Wochen vor unserem geplanten Abflug verbrannte das
Vorhaben im Feuer einiger wahnwitziger Brandstifter Indonesiens
und war nur mehr als dichte Rauchwolke über den 13000 Inseln zu
erkennen. Als Ersatz bot sich Südamerika an.
Santiago de Chile empfängt uns mit kühlen Temperaturen. Die
Innenstadt scheint bloß aus Bankgebäuden und hektischen
Geschäftsleuten zu bestehen. Dementsprechend kommen wir uns mit
Jeans, Pulli und ohne Krawatte fast schäbig vor. Großstädte
haben wir daheim, daher entschließen wir uns rasch zu einem Flug
in den nördlichen Teil Chiles. Wir wählen dafür die National
Airlines - ein Preisvergleich zwischen den einzelnen Fluglinien
lohnt wegen der enormen Preisunterschiede!
Arica, Freihandelszone an der regenlosen Küste, nur 20 km vor
der peruanischen Grenze, ist der Ausgangspunkt für einen
lohnenden Ausflug in den Lauca Nationalpark. Die Reiseagenturen
in der Stadt sind zahlreich und bieten Ein- oder Zweitagestouren
an. Nur 10 Kilometer außerhalb der Stadt bewundern wir die in
einen Berghang geritzten Zeichnungen von Lluta. Eine der
ältesten Kirchen des Landes, in Poconchile, liegt ebenso auf
unserem Weg wie die Iglesia de San Geronimo aus dem 17. Jh. Der
Eintritt in ihr Inneres wird uns nicht gestattet.
Nur wenige Kilometer später windet sich die Ruta 11 in engen
Serpentinen aus dem Lluta-Tal hinauf in einsame Bergregionen.
Vorbei an Kandelaber Kakteen, die nur die Küstennebel zur
Feuchtigkeitsaufnahme nutzen können, erreichen wir die
Grundmauern der aus dem 12. Jh. stammenden Festung Pukara de
Copaquilla. In der Ferne zeigen sich erstmals die schneebedeckten
Vulkankegel der Atacama. Vorbei an Grundmauern, die einst die
Dächer von Inka-Lagerhäusern getragen haben, wird die Luft
immer dünner - aber auch klarer. Zur Vorsorge gegen die Symptome
der Höhenkrankheit schlürfen wir in einem der
Straßenrestaurants den beliebten Kokatee.
In einer Höhe von 4.500 m bewundern wir eine phantastische
Natur. Zwischen den schneebedeckten Vulkanen, von denen
Guallatire bedrohlich raucht, grasen in den Hochebenen Vikunas,
die wild lebende Form des Lamas, neben ihren domestizierten
Artgenossen. Zwischen den Felsen tummeln sich die wie Chinchillas
aussehenden Vizcachas und über uns zieht ein Kondor seine
Kreise. In den zahlreichen Seen und Lacken fühlen sich
Andengänse, riesige Bläßhühner und rosa Flamingos sichtlich
wohl.
Selbst sollte man jedoch keine zu großen Sprünge wagen. Die
Höhe und der geringe Sauerstoffgehalt der Atemluft machen sich
durch Kopfschmerzen und leichte Schwindelgefühle schnell
bemerkbar, müssen wir feststellen!
Überlandbusse sind in Chile trotz der riesigen Entfernungen
empfehlenswert. Die Nachtbusse bieten viel Platz und die
"Liegesitze" verdienen wirklich die Bezeichnung. Die
Tagbusse bieten dafür den Reiz der Landschaft. Von Arica nach
Iquique und weiter nach Calama sind 12 ½ Stunden Zeit zu opfern
und 8.500 chilenische Pesos bereitzuhalten. Wegen Calama kommen
die wenigsten in diese Gegend. San Pedro de Atacama heißt das
eigentliche Ziel und ist nur mehr 2 ½ Stunden entfernt.
Dieser kleine Ort liegt am Rand eines riesigen Solars inmitten
der Atcamawüste. Man könnte meinen, daß man bei diesen
extremen Lebensbedingungen keine Tiere vor die Augen bekommen
würde, doch den rosa Flamingos scheint es hier zu gefallen. In
der Mitte eines knöcheltiefen Salzsees suchen sie in der
gesättigten Lösung nach Nahrung. Als dann langsam die Sonne
hinter dem Horizont verschwindet, entsteht ein atemberaubendes
Farbenschauspiel der Natur. Ein weiteres lohnendes Ziel in der
Gegend bieten die Geysire von El Tatio. Durch die Kälte der
Nacht zeigen sie bei den ersten Sonnenstrahlen des
Sonnenaufganges ihre volle Dampfpracht.
Nur wenige Kilometer hinter San Pedro de Atacama erhebt sich
eine Hügelkette aus der Wüste, der den Namen "Moon
Valley" wirklich verdient. Zum Großteil besteht das Gestein
aus reinem Salz. Der Wind und der seltene Regen schufen eine
bizarre Landschaft. Dazwischen lagern riesige Sanddünen. Der
Sonnenuntergang taucht auch hier die Landschaft in sein weiches
Licht und zaubert dabei mit den Farben. Über den Kamm einer
riesigen Sanddüne erreichen wir einen Aussichtspunkt und der
gesamte Solar breitet sich vor uns aus.
Der Flug nach La Paz beginnt mit dem herrlichen Blick auf den
Lauca-Nationalpark und endet mit der einzigartigen Sicht auf den
riesigen Talkessel der Hauptstadt Boliviens beherbergt. Die ganze
Stadt scheint ein einziger Markt zu sein. Auf gutgemeinte
Ratschläge, daß die Märkte in Peru auch nicht teurer seien,
sollte man nicht unbedingt hören. Mit etwas Verhandlungsgeschick
liegen die Preise in La Paz mindestens ein Drittel niedriger.
Auch scheinen mir die Qualität und Auswahl besser zu sein.
Ein Ausflug führt uns zu der etwa 1000 Jahre alten,
zeremoniellen Stätte Tiahuanaco. Nur 20 km vom Titicacasee und
der peruanischen Grenze entfernt, findet man hier die wichtigste
archäologische Ausgrabungsstätte Boliviens. Leider blieb von
dieser Präinkakultur nicht viel übrig. Das heutige Wissen über
diese frühe Hochkultur beruht daher auf Vermutungen.
Eine der landschaftlich reizvollsten Strecken Südamerikas
führt uns von La Paz nach Copacabana. Ein schönes Zimmer mit
Blick über den See und den Ort finden wir in der Residencial La
Cupula. Ein deutsches Ehepaar hat sich hier ihren
Auswanderertraum erfüllt und ein kleines Hotel in herrlicher
Lage am höchstgelegenen schiffbaren See der Welt errichtet. Die
Überfahrt von Copacabana zu Sonnen- und Mondinsel kann bei Sturm
und Regen zu einem kleinen Abenteuer werden, stellen wir auf
einem wackligen und, na sagen wir einmal gut besetzten,
Ausflugsboot, fest.
Der Zutritt zur Sonneninsel war zu Inkazeiten nur Männern
gestattet und selbst diese mußten Prüfungen und Bußen
überstehen um zum Geburtsplatz der Sonne, dem heiligsten Platz
der Insel, vorgelassen zu werden. Weibliche Wesen durften die
Insel nur als Jungfauen betreten und das auch nur zu einem Zweck:
um wenig später der Sonne geopfert zu werden. Heute nutzen
Touristen beider Geschlechter in gleich großer Zahl die
Besuchsmöglichkeit.
Der Grenzübertritt nach Peru gestaltet sich problemlos. Von
Puno aus besuchen wir das obligate Touristenziel, die
schwimmenden Inseln der Uros.
Nach 2 ½ Stunden Fahrt legt das Boot am Steg der Insel
Taquile an. 500 Stufen rauf! heißt die Aufgabe, die zu
bewältigen ist, ehe man das Dorf betreten kann. Schwitzend und
keuchend angekommen, genießen wir die freundliche Bedienung in
einer der Gaststätten des Ortes. Wir lassen sowohl die grandiose
Aussicht über den See und Inseln als auch die ruhige und
beschauliche Art dieser Inselbewohner auf uns einwirken. Da die
Bewohner ihre Insel völlig eigenständig verwalten und alles was
sie zum Leben benötigen selbst produzieren, sind die noch
mäßigen Touristenströme auf dieser Insel ein willkommener
Nebenverdienst.
Die Eisenbahnfahrt über die Andenpässe von Puno nach Cusco
ist natürlich ein Muß. In Cusco sollte man sich ausreichend
Zeit für die Besichtigung der Ruinenstätten rund um die Stadt
nehmen. Die organisierten Touren lassen nicht einmal genügend
Zeit, um zu fotografieren. Dafür halten die Fahrer lieber etwas
länger bei den Souvenirständen...
Touristenmassen hin und her, Machu Picchu isteindeutig der
kulturelle Höhepunkt dieser Reise. Dank unserer Übernachtungen
in Aguas Calientes können wir wenigstens einige Stunden vor dem
Eintreffen des Touristenzuges fast alleine durch die Ruinen
wandeln und die Kolibris bei ihrer akrobatisch schwirrenden
Nektarsuche beobachten.
Mit der Kraft einer Boeing 727 jetten wir von Cusco nach
Arequipa. Die 3 Düsen werden gegen 4 abgefahrene Gummipneu, an
denen ein klappriger, roter Minibus notdürftig befestigt wurde,
getauscht. Die Schubkraft dieses Motors läßt zwar bei jeder
Steigung zu wünschen übrig, aber nach einem staubigen und
durchrüttelten Tag erreichen wir doch noch Chivay, den
Ausgangspunkt zur Wanderung in den Colca-Canyon. Schon am
nächsten Morgen haben wir Glück: Vielleicht 20 Kondore segeln
elegant, zum Greifen nahe, an uns vorbei.
Die Linien von Nasca dürfen wir natürlich ebenfalls nicht
auslassen. Zwischen den in den Wüstenboden geritzten Figuren
sind auch die Wracks der beiden Flugzeuge, die vor einigen
Monaten bei der Besichtigung der Linien in der Luft kollidiert
waren, gut zu erkennen. Sehenswürdigkeiten der neueren Art...
In der Endstation Lima bleibt nur noch Zeit für einen
Stadtbummel und natürlich für das gewaltige Museo de Oro. Zum
Verdauen der Anstrengungen verbringen wir ein paar Karibiktage
auf der venezuelanischen Isla de Margarita. Wenige Palmen, viele
Mangroven und ein paar mittelprächtige Strände sind das Fazit
dieser Insel. Dort geblieben wären wir gern, denn am Vienna
International Airport schlägt uns nach fünf Wochen
Lateinamerika das Grau und die Kälte erbarmungslos ins Gesicht.
- Fred Gruber -
Karte
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