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Burma, ein Erlebnis wert (ende 2004)

Rubriken: Tipp - Reiseziele: Myanmar

Myanmar 2004
Du fährst in ein Land mit einem Militärregime, dass nicht nur seine Bevölkerung unterdrückt, sondern auch die Reisefreiheit einschränkt? Ja, und ich habe es nicht bereut. Gerade als Individualtourist fließt mein Geld nicht an staatliche Reiseagenturen, sondern an private Busunternehmen, private Guesthouses, Taxifahrer, Straßenküchen, … Die Menschen heben ihren Lebensstandard durch die Touristen, die vor allem außerhalb der Regenzeit das Land bereisen. Die Idealzeit ist November bis Februar. Danach wird’s zu heiß.
Vorab habe ich mich natürlich ausführlich informiert. Neben den Reiseführern hat Burma den Vorteil eines deutschen Internetforums mit aktuellsten Informationen. www.myanmar-guide.de. Dort klickt man auf Forum und ladet in einer Fülle von Informationen, die man besser zuerst liest, bevor man eine Frage postet.
Ausgestattet mit besten Informationen landet man in Yangon, der Hauptstadt Burmas, da eine billige Einreise über Land derzeit noch nicht gestattet ist. Offiziell haben die Behörden Angst um die Touristen, da es an der Grenze Widerstandkämpfer gibt, die für die Demokratie kämpfen. Natürlich sind die nicht an Übergriffen auf Touristen interessiert, als vielmehr an Kontakten, um die Situation des Landes in Detail auch über die Grenzen bekannt zu machen. In Yangon gibt es Guesthäuser mit e-mail, von denen man, bei rechtzeitiger Anmeldung, vom Flughafen abgeholt wird. Die Guesthouses sind auch die Informationsquellen der Reisenden. Was immer man auch braucht, sie wissen eine Antwort. Auch das Geldwechseln ist dort viel bequemer als auf der Strasse oder am Markt. Dort geht’s in aller Ruhe vor sich und man zählt das Geld vor dem Rezeptionisten nach. Einmal auf der Straße, ist man auch nicht auf sich alleine gestellt. Es gibt genügend Burmesen, die mit etwas Englisch aufwarten können, vor allem in den Touristenzentren.
Wenn man nicht nur die Sehenswürdigkeiten abhakt, sondern auch in das Leben der Burmesen eintauchen will, gibt es überall Gelegenheit. Ob nun die Seitengassen Yangons, oder das Flussufer Mandalays, die Märkte der verschieden Dörfer, überall wird man mit der Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und mit der Selbstverständlichkeit zum gegenwärtigen Leben eines Entwicklungslandes, das 50 hinter den Industriestaaten steht, belohnt.
Natürlich gibt auch der einrucksvolle Bau der Shwedagon Pagode einen tollen Einblick in das Leben. Dreht sich das Leben der Burmesen doch um die Religion – den Buddhismus. Dort trffen sich die Menschen zum Gebet, dort spielen Kinder Fußball, dort hält man ein Picknick ab, dort pulsiert das Leben. Die Auswüchse des Tourismus sind aber auch dort zu spüren. Neben den zurückhaltenden offiziellen Reiseführern der Shwedagon Pagode, streifen auch selbsternannte umher. Die Masche ist in jeder Brache gleich. Zuerst wird Interesse an einem bekundet und eine kurze Konversation entsteht. Dann bekommt man etwas gezeigt, ob man will oder nicht. Langsam kommt das Gespräch auf die Kinder oder die Schule, die besucht werden will und man möge doch etwas für die Führung geben. So bleibt es jedem überlassen, diese Kontakte rechtzeitig abzubrechen oder zu nutzen. Im Land gibt es jede Menge Mönche, die auch Zugang zu Bildung in den Klöstern haben. Diese suchen vor allem Kontakte, um ihr Englisch zu praktizieren. Manchmal ist es nett, mit ihnen zu plaudern, auch wenn sie ihre Bildung niemals in einem Beruf der Gesellschaft zum Nutzen bereitstellen werden. Im Gegenteil, sie lassen sich durch zahlreiche Spenden in Form von Geld oder Nahrung noch von der offensichtlich armen Gesellschaft aushalten. Aber das gehört auch zum Bild des Landes. Die Burmesen nehmen´s hin, sie kennen es nicht anders. Es war so, es ist so, aber es wird nicht immer so sein. Denn die jungen Burmesen in den Städten unterliegen, in diesem Fall zum Glück, dem Konsum. Sie fahren, oder würden gerne, Motorroller. Sie gehen in die wenigen Internetcafes. Sie kleiden sich westlicher, abgesehen vom Longi und den Flipflops. Der Longi ist ein Männerrock, der weit geschnitten, über dem Bauch zusammengerafft wird und immer wieder aufgeht. Daher sieht man die Männer ständig den Rock wieder zusammenzuraffen. Sieht unheimlich dämlich aus, und muss es wohl auch sein. Aber die Tradition, die man nur in Burma findet, wird wohl nicht so schnell weichen. Burma ist auch das Land der Flipflops. 99,9 % der Burmesen tragen sie. Praktisch, da in der Regenzeit das einlaufende Wasser auch gleich wieder abläuft. Praktisch, da in den Pagoden die Schuhe ausgezogen werden müssen, ebenso wie in Privathäusern.
Üblicherweise fährt man von Yangon über Bago, Inle Lake, Mandalay, Bagan wieder nach Yangon. Das hat so seine Gründe, aber die waren mir damals noch nicht bekannt. Daher habe ich die Reise nicht kilometeroptimiert absolviert. Wenn man aber bis zu 17 Stunden für 350 Kilometer braucht, gewöhnt man sich das schnell an. So erzähle ich aber von meiner Rundreise, begonnen von Yangon nach Mandalay. Dort endlich angekommen, man fährt meist des nachts, wird man am Busbahnhof wie über all von Personen umringt, die Taxis anbieten. Die sind übrigens meist nicht die Taxler selbst, sondern Vemittler, die vermutlich irgendwie von den Taxlern bezahlt werden. Besser man weiß, in welches Guesthouse man will. Sonst ist man den Provisionsgebern der Taxler ausgeliefert. Dies sind meist zu teure und schlecht ausgestattete Häuser. In Mandalay und vor allem Umgebung gibt’s viel zu sehen. Nicht alles muss man gesehen haben. Die Mahumini Pagode in Mandalay ist aber schon einen Besuch wert. Der Buddha ist über und über vergoldet. Teilweise schon über 40 Zentimeter mit Blattgold versehen. Er glänzt auch ganz anders im Licht als die bloß goldfarben lackierten. Auch der Sonnenuntergang am Mandalay Hill ist recht nett. Man kann den Berg hinauffahren und den Rest mit dem Aufzug schaffen, oder aber sich beim Aufgang absetzten lassen und die halbe Stunde hinaufgehen. Dann sollte man sich aber den Weg einprägen und eine gute Taschenlampe für den Rückweg dabeihaben. Oben gibt es eine netten Ausblick in die Umgebung. Mönche wollen dort gerne für einen Plausch deine Zeit beanspruchen.
Wer einen noch schöneren Sonnenuntergang erleben will, muss aber nach Amarapura fahren. Früh am Morgen, gegen 8 Uhr gehen die Menschen auf der U-Bein Brücke von der Insel aufs Festland zur arbeit oder Schule. Ein nettes Erlebnis abseits der Touristenströme, denn die kommen erst gegen 09:30. Dann geht’s ins Kloster. Das ist nämlich für die Touris geöffnet und man kann dies ungehemmt besichtigen. Vor allem gegen 10:30, wenn die Essensausgabe beginnt. Hunderte von Gleichgesinnten filmen, fotografieren, gaffen, … Die Mönche tragen´s mit stoischer Gelassenheit – auch die älteren – höheren Ranges. Dann bietet es sich an nach Inwa zu fahren. Eine ehemalige Königsstadt, von der fast nichts mehr übrig ist. Immerhin hat man eine kurze Überfahrt mit einem Boot, eine Pferdekutschenfahrt und ein Teakholzkloster. Da erkennt man, dass selbst Teakholz nicht für die Ewigkeit gebaut ist. Es ist teilweise dem Verfall preisgegeben. Dann steigt man durch Souvenirjäger auf einen ehemaligen Wachturm, um einen netten Rundblick über die Gegen zu haben. Das viele grün entschädigt für den Dreck im Land und in den Städten. Kaum zu glauben, dass sich ein so verwöhnter Reisender wie ich an einem Stück grün so erfreuen kann. Das heißt schon was – und zwar eine ganze Menge – wenn´s sogar mir auffällt.
Daran gewöhnt man sich am besten gleich vorher, Dreck überall, überall Staub. Früher wurden die Lebensmittel alle in Bananenblättern verpackt. Die wurden der Natur wieder übergeben, immer und überlall. Auch heute im Zeitalter des Plastiksackerls wird dieses aus dem Fenster der Busse geworfen, landet als Abfall auf den Strassen. Staub, er auf den Strassen liegt und außer in der weit entfernten Regenzeit nicht von der Strasse gewaschen wird und der natürlich aufgewirbelt wird und sich auch im Gepäck im Reisebus wiederfindet – Regenhülle für Rucksäcke ist angeraten.
Aber wir waren gerade in Inwa. Zurück mit dem Boot über den Fluss, wird es langsam Zeit für den Sonnenuntergang auf der in aller Frühe besuchten U-Bein Brücke in Amarapura. Keine Sorge, die Ruderer kommen frühzeitig auf dich zu, um dir anzubieten, dass du die Brücke überquerst, und auf der anderen Seite ihr Boot nimmst, um die besten Plätze der Sonnenuntergänge zu sehen. Das ist auch das beste das dir passieren kann, abhängig von der seltenen Bewölkung und der Luftfeuchtigkeit. Ich jedenfalls hatte ein Naturschauspiel der Superlative. Sonnenuntergang – blutrot.
Wenn man mehr Zeit in Mandalay verbringt, dann kann man natürlich auch nach Mingun fahren. Dort befindet sich der größte Ziegelhaufen der Welt. Eine Pagode sollte es werden, aller Streiks wegen der unmenschlichen Arbeitsbedingungen zum Trotz. Die größte, die es je geben sollte. Gerade das Erste Potest ist es geworden, aber trotzdem ist es ein Heiligtum un man muss sich die Schuhe ausziehen. So begibt man sich barfuß auf den Ziegenhaufen. Ein Rundblick über den Irrawady belohnt dafür. Natürlich kann man bei den zahllosen Souvenirständen einkaufen, oder bis zur größten Glocke Burmas weitergehen. Glocken haben hier keine Klöppel, sie werden mit einem Stück Holz von außen geläutet. Wer Energie genug hat, geht weiter flussaufwärts. Dort fängt das Dorf an, in das sich sehr selten Besucher verirren. Viel Kontakt hat man aber auch hier nicht. Besser ist es schon, bei der Abfahrt in Mandalay mindestens eine Stunde früher da zu sein. So geht man vom Jetty flussaufwärts. Dort spielt sich das Leben im Schatten der Pagoden ab. Menschen leben auf dem Ufer des Irrawady. Blätterdächer, das ist alles, was sie haben. Mansche haben den Luxus eines Hausschweines am Strand. Die Idylle trügt, das ist Leben an der Grenze des Möglichen. Die Menschen wenden sich jedoch nicht in Scham ihres Daseins ab wie anderswo, sie tragens als Buddhisten. Das nächste Leben ist sicher besser. Unglaublich, aber wahr.
Von Mandalay bin ich nach Phiyn U Lin gefahren. Das geht am besten mit ein paar anderen Reisenden per Taxi. Außer den Pferdekutschen und den Botanischen Garten gibt’s dort nicht viel zu sehen. Aber nach all dem Dreck im Botanischen Garten wieder Farben zu sehen, das entschädigt für alles. Die Langsamkeit der Pferdekutsche ermöglicht Einblicke, die sich sonst nicht ergeben. Dabei ist außer dem gemieteten Fahrrad keine anderes Verkehrsmittel verfügbar. Interessant ist der Ort als Ausgangsbasis für eine Zugfahrt über das Gotageik Viadukt. Enttäuschung pur, das Fotografieren auf der Brücke ist strengstens verboten. Kein Wunder, hat doch die Brücke ihr Lebensalter, wie mir ein schweizer Techniker erklärte, grenzenlos überschritten. Auch ein gebildeter Einheimischer hats erklärt: die Garantie der englischen Herstellerfirma ist erloschen. Darüber hinaus fahren heute nicht Dampfloks, sondern Diesellokomotiven mit höherer Vibrationszahl und höherem Gewicht über die Brücke. In Hsipaw angekommen, kann man sich wieder vom reservierten Hotel abholen lassen. Viel gibt nicht zu sehen. Trekkingtouren – geführt, durch die Gegend und ein Einheimischer, der die Geschichte des Shan Staates erklärt, erlebenswert für Geschichtsinteressenten. So also zurück nach Mandalay – mit dem Bus. Seltsam, der Bus hat Sitze, bei denen man selbst in Asien mit den Füßen nicht auf den Boden reicht. Nach einer eineinhalbstündlichen Unterbrechung – Frühstück genannt, kommt der Bus wieder, diesmal geht sich der Abstand aus. Vollgefüllt mit über 100 Säcken Mais unter den Sitzen und im Mittelgang habe ich mehr Kontakt zum Boden als mir recht ist. So geht’s dann halt abseits der Touripfade im Land dahin.
Aber davon nicht genug. Ich will unbedingt die im Loose Reiseführer beschriebenen Schluchten und Bambuswälder nördlich von Mandalay sehen. Die Straße ist wegen der Nähe zur Grenze zu China für Ausländer nur mit Spezial Permit zu bereisen. Also ab mit dem Flieger nach Bhamo. Dort gibt es fast keine touristische Infrastruktur. Umso überrascher bin ich, als ich sogar 2 Beauty Salons entdecke. Auch sonst ist das Dorf vielfach weiter entwickelt als viel andere. Neue Häuser im Übermaß. Auf das Schiff muss ich allerdings 30 Stunden warten, es hat eben Verspätung. Dann noch die manuelle Ent- und Beladung der Güter. Das ist offensichtlich ein kombiniertes Schiff für Güter und Personen. Die Vorstellung von Personenschifffahrt kann man gleich über Bord werfen. Personenbeförderung trifft hier ungefähr den Standard von Tieren. So werde ich auf Isomattenformat für 3 Tage die Reise zurück nach Mandalay antreten. Beim ersten Klogang beschließe ich, nicht mehr zu essen. Das geht sich dann auch knapp bis Mandalay aus. Überall liegen Menschen. Auch ein Gang zur Rehling ist nicht möglich – dort liegen sie ebenso wie in der Mitte – überall Menschen. Nur ein Medizinstudent der ein paar Brocken Englisch anbringen möchte, sonst nur burmesisch.
In Mandalay zurück, ohne Aussicht auf Schluchten und Bambusdickicht wie beschrieben, schnellst möglich nach Inle Lake. Natürlich wieder mit Bus, wieder in der Nacht. Gegen 4 Uhr früh auf einer Straßenkreuzung ausgesetzt, waren die Taxihaie. Es geht mit anderen Reisenden ins Dorf. Dort steigt man um 5 in einem Hotel ab. Am gleichen Tag die Seerundfahrt – man will ja keine Zeit verlieren. Besser man macht sich vorher aus, keine Firmen mit Gold, Seidenweberei, Zigarrenherstellung, … zu besuchen. Dafür sollte man die nicht erreichten Völker am anderen Ende des Sees besuchen. Das gibt sicher mehr her.
Wenn man nach Inle noch einen Abstecher nach Kalaw macht, dann nur, um die Höhlen von Pindaya zu sehen. Eigentlich nur eine Höhle, die mit Buddhafiguren vollgestopft ist. Sonst fährt man gleich weiter nach Bagan.
Pagoden über Pagoden. So was ist wirklich einzigartig. Viele reisen per Schiff von Mandalay an. Wer mit dem Schiff reisen will, dem sei das auch wirklich empfohlen. Ich habe 2 Tage mit der Besichtigung der Pagoden mittels Pferdekutsche zugebracht. Das ist auch wirklich genug. Dafür waren 2 Sonnenuntergänge dabei. Nicht berauschend, aber nett. In 2 Tagen kann man wirklich jede Menge Pagoden sehen und einen Überblick über die Gegend erhalten.
Ich bin dann urlaubsreif der Kultur nach Ngapali Beach gefahren. Dazu muss man in Payay übernachten und dort abends den nächsten Bus nehmen. Aber der Strand hats in sich. Ich war im Royal Beach Motel. Das billigste, aber schönste des Strandes. Abhängen bis zum Abwinken. Fischerdorf in der Nähe, zum Sonnenaufgang und –untergang. Leider viel zu früh musste ich wieder nach Yangon.
Da das Visa ablief musste ich mich entscheiden: Schifffahrt nach Pathein oder Golden Rock. Ich bin zum Golden Felsen gefahren. Ein Erlebnis für sich. Vor allem in Vollmondnächten finden sich zahllose Einheimische ein, sie übernachten oben und gehen dann um 4 in der Früh am Wanderweg runter. Keine Sorge, hinauf kommt man auf der Ladefläche eines Muldenkippers. Dann geht ein Weg auf die Spitze. Wer da nicht mit kann, der nimmt sich eine Sänfte, kein Problem und absolut billig. Wer als Reisender unterwegs ist, muss Eintritt bezahlen. Dort wird man auch gefragt, ob man Zimmer hat und so weiter. Wer also oben übernachten will, soll dort ein Guesthouse angeben. Kontrolliert werden kanns nicht.
Zurück in Yangon blieb mir nur mehr der Antritt zur Rückreise, mit Strafzahlung wegen Überschreitung der Visazeit. 3 Dollar pro Tag und 3 Dollar für das Ausfüllen eines Formulars und alles ist geregelt. Nur nicht Aufmucken, das könnte in die Hose gehen. Das Recht der Militärregierung zählt hier uneingeschränkt. Hier regieren wieder die Beamten der Militätregierung. Zurück in der Realität.
Nicht vergessen ist jedoch die Fröhlichkeit der Menschen auch in der Armut. Hilfsbereitschaft überall. Burma ist ein Reiseland das man sicher als Individualtourist in 28 Tagen Visazeit ohne staatliche Abzocke bereisen kann und soll.

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Wednesday, 23. May 2012