Traveller Club Austria

BUDDHA LÄCHELT WIEDER..., Laos jenseits des Bambusvorhanges

Rubriken: Tipp - Reiseziele: Laos

Noch weiß man hierzulande relativ wenig über dieses indochinesische Binnenland, das auf einer Fläche von bloß 235.000 km² zwischen Thailand, Myanmar (wie sich Burma seit kurzem nennt), Vietnam, Kombodscha und China eingeklemmt ist. Zu lange war dieses ehemalige französische "Schutzgebiet", das heute zu den zehn ärmsten Ländern der Welt zählt (Durchschnittseinkommen etwa öS 4000,- pro Kopf im Jahr), hinter einem nahezu undurchdringlichen Bambusvorhang versteckt. Die Bevölkerung von nur 4,7 Mio. - 80% aller Laoten Südostasiens leben nämlich im benachbarten Thailand! - ist keinesfalls homogen, sondern setzt sich aus nicht weniger als 68 unterschiedlichen Ethnien zusammen, die sich jedoch mehrheitlich zum Buddhismus bekennen. Ungefähr dreiviertel sind auf bereits reprivatisierten Bauernhöfen landwirtschaftlich tätig (neben dem obligaten Reis werden auch noch Korn, Baumwolle, Tabak, Gemüse, Früchte, ja sogar Tee und Kaffee gepflanzt), der Rest findet in einer bescheidenen Industrie (Bekleidung, Baustoffe, Motorräder) sowie Administration und Armee sein karges Auskommen. Staatssprache ist das dem Siamesischen linguistisch verwandte Lao; die Hauptstadt nennt sich Viang Chan (Vientiane) und beherbergt in diesem, frei übersetzt, "ummauerten Platz" 133.000 Einwohner. Etwa die Hälfte des Landes ist (noch) von dichtem Regenwald bedeckt, und der insgesamt 4350 km lange Mekong (= "Mutter der Wasser"), der während des Monsuns eine Tiefe von teilweise 30 m und eine Breite bis zu 14 km erreichen kann, bildet nich nur mehr oder minder die Westgrenze zu Thailand, sondern auch die Hauptverkehrsader Laos', dem bislang einzigen Staat Südostasiens ohne eigenem Eisenbahnnetz. Seit 1994 wird dieser mächtige Strom, der seinen Ursprung im fernen Tibet hat, erstmals wenigstens von einer 2,4 km langen Betonbrücke (einem 315-Mio.-Schilling-Geschenk Australiens) überspannt, auf der auch langsam Touristen ins Land sickern. Wagten dies 1990 erst ganze 6000, "eroberten" fünf Jahre später bereits 210.000 Abenteuerlustige dieses exotische Paradies - und jährlich werden's mehr. Diese boomende Fremdenverkehrsbranche möchte nun eine neue, marktwirtschaftlich denkende Politikergeneration - die langsam die Betonkopfriege der marxistischen Scheuklappenplaner abzulösen beginnt - neben dem Export von Tropenhölzern und hydroelektrischer Energie gerne sukzessive zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor des Landes ausbauen: 2,3 Mrd. Schilling investierte bereits eine malaysische Finanzgruppe in ein Megaressort mit allem Drum und Dran (einschließlich eines "Lover's Paradise" - was auch immer im eher puritanischen Laos damit gemeint sein mag) am 250 km² großen Nam-gum-Stausee nordöstlich Vientianes, wo sich einst ein mörderisches, kommunistisches Umerziehungslager für politische und kriminelle Gefangene - darunter auch 3000 Prostituierte - befand. Ein weiteres nicht minder aufwendiges touristisches Mammutprojekt der Superlative mit Spielkasinos und sonstigem Schnickschnack planen die Thais ein wenig südlicher im Mekongdelta nahe der kambodschanischen Grenze. Sehr zur "Freude" internationaler Tierschutzorganisationen übrigens, die damit wohl nicht zu Unrecht das endgültige Aus für die ohnehin kleine und nur noch hier existierende Irrawaddy-Delphin-Population befürchten.
Kräftige Lebenszeichen also von einem Land, das bereits vor etwa 10.000 Jahren besiedelt war und in dem sich dann 1353 das legendäre "Königreich der eine Million Elefanten" (Lang Xang) konstituierte, das immerhin vier Jahrhunderte Bestand hatte, um anschließend in drei Satrapenstaaten zu zerfallen. 1893 für ganze 61 Jahre wieder unter französischer Oberhoheit vereint (noch dazu unterbrochen durch eine fünfjährige japanische Präsenz im II. Weltkrieg), erkämpften sich die Laoten in einem gnadenlosen indochinaweiten Guerillakrieg 1954 ihre Freiheit. Das Erbe der eben abgezogenen "Franzmänner", die über acht Jahre fast bis zum letzten (deutschen) Fremdenlegionär zäh ihren Kolonialbesitz verteidigt hatten, treten dann eine Dekade später die Amerikaner an und verwickeln das ohnehin bereits ausgeblutete kleine Land bis 1972 in ihr Vietnamabenteuer. Der "geheime Krieg", den die USA von 1964 bis 1972 auch in Laos führten, wurde offiziell nur als das "andere Theater" bezeichnet. In den neun Jahren ihres Engagements flogen die Amerikaner 580.944 Einsätze (eineinhalbmal mehr als in Vietnam!) und warfen 24 Stunden täglich alle acht Minuten eine volle Flugzeugladung Bomben auf Laos: Insgesamt also etwa 2,3 Mio. Tonnen oder 10 t/km² bzw. 0,5 t pro Einwohner. Mit Sprengfallen versehene Spielsachen (z. B. Puppen) waren ein weiteres gern verwendetes Geschenk dieser "Soldaten Christi". An den Spätfolgen von zusätzlich etwa 800.000 Litern aus der Luft versprühter Herbizide ("Agent Orange" und "Yellow Rain") hat ein nicht unbeträchtlicher Teil der laotischen Bevölkerung noch bis heute zu leiden. Laos "in die Steinzeit zurückzubomben", wie es der damals wahrscheinlich bereits weltweit um die Einhaltung der "Human Rights" besorgte Mister President Lyndon B. Johnson 1970 wortwörtlich vorhatte, ist aber damit - Buddha sei Dank! - dennoch nicht gelungen. 400 "GIs" ("Government Issue", wie die Boys treffend genannt werden) bezahlten ihre Eintrittskarte in das "andere Theater" mit dem Leben, nach weiteren 400 Vermißten wird noch bis in unsere Tage intensiv gesucht. (Unter anderen soll ja ein gewisser "Rambo" damit befaßt sein.)

Kaum daß sich der letzte Pulverdampf verzogen hatte, putschen sich 1975 die siegreichen "Pathet Lao" (= "Land der Laoten") unblutig an die Macht, rufen die "Volksrepublik" aus und beenden mit der Abschaffung der Monarchie auch gleichzeitig deren 661-jährige Präsenz im Land. Zu Beginn der neunziger Jahre brechen dann im Sog des Kollapses der Sowjetunion schlußendlich auch in Laos die radikal-sozialistischen Strukturen langsam in sich zusammen. - Und darüber lächelt Buddha wohl auch ein kleines bißchen...

Das heutige Laos individuell zu bereisen wird jedenfalls immer einfacher (Devisen braucht das Land). Waren einst Marathons allein schon für die Beschaffung des Visums zu bewältigen, so gibt's diesen begehrten Stempel für einen vierwöchigen Aufenthalt nunmehr problemlos um 30 US-Dollars sowohl auf der Botschaft in Bangkok als auch im Konsulat ("Kongsun Lao") in Khon Kaen; ja selbst an der Grenze ist er noch zu haben - dort kostet das Visum aber bereits $ 50,- und gilt dafür nur zwei Wochen. Dies, falls man sich in Thailand vorher vielleicht noch die kaum besuchte Isan-Provinz ansehen möchte. Reist man jedoch per Flieger ein, bekommt man das Visum auch am "Wattay Airport" Vientianes in den Paß geklatscht...
Die Traveller-Infrastruktur (Unterkünfte, Transport, Englishspeaker, Futter) steht - zumindest in den drei touristischen Highlights Vientiane, Luang Prapang (alte Königsresidenz und für mich die schönste Stadt SO-Asiens) sowie Phonsavan ("Ebene der Tonkrüge") - derjenigen Thailands kaum nach. Überall anders wird's dann schon ein wenig "strenger". Doch die Bevölkerung ist allenorts (noch) herzlich und hilfsbereit. Sieht man einmal von den "Officials" ab, die (z.B. bei einer vergessenen Immigrationsmeldung) manchmal recht hantig werden können und unbarmherzig zur Kassa bitten. Apropos Kassa: Die Preise liegen im allgemeinen einen Hauch über den thailändischen, die Landeswährung ist der laotische Kip (von denen es offiziell etwa 1800 für einen Dollar gibt - also den Rucksack zur Wechselstube mitnehmen!), doch werden daneben auch Bath und Dollar fast landesweit als beliebte Zahlungsmittel akzeptiert.

Alle weiteren Details finden sich im - übrigens ausgezeichneten - "lonely planet". Nicht aber, daß man dieses zauberhafte Laos wenn möglich bald besuchen sollte, bevor die bereits immer häufiger gesichteten Package-Gruppen ein unerträgliches Ausmaß angenommen haben und ein freundliches Lächeln (muß ja nicht gerade von Lord Buddha himself sein) vielleicht nur noch für einen Geldschein zu haben ist.

Heinz K. Prokisch

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Friday, 09. January 2009

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