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Abenteuer (in) O'zbekistan

Rubriken: Tipp - Reiseziele: Usbekistan

Auch ohne Kamel lässt sich die alte Seidenstraße bereisen. Zur Zeit (wegen der jüngsten Entwicklungen im Mittleren Osten) ein wenig abseits der ausgetretenen Touristenpfade, bietet sich dieses wohl faszinierendste Stück der alten Handelsroute dem Einzelreisenden von fast unberührter Urtümlichkeit dar - nur dass, wie gesagt, heutige Karawanen flotter unterwegs sind (ein bisschen wenigstens).

Denn öffentliche Verkehrsmittel gibt es genug im Land der Seidenstraße zwischen der Hauptstadt Tashkent und den unübertroffenen historischen Höhepunkten Samarkand, Buchara (in neuerer o'zbekischer Schreibweise: Buxoro) und Xiva (sprich: Chiwa). Not tut dem Individualtouristen lediglich der Überblick, wie man ihn in Ländern dieser Art über ein bestimmtes Angebot immer erst gewinnen muss; so auch bei Verkehrsmitteln. Für den Eiligen bietet sich der gar nicht übertriebene Luxus von Binnenflügen der Uzbekistan Airlines an, deren Service sich durchaus mit internationalen Standards messen kann (weiteste Distanz Tashkent-Xiva schon gesehen um US $ 57,-).

Präzise Planung ist hier gefragt, denn außerhalb der Hauptreisezeit (und die beginnt erst im April) gehen Flüge meist nicht öfter als zweimal die Woche. Wer auf dem Boden bleiben möchte und solches nicht von Europa aus vorgebucht hat (eigenes Fahrzeug mit Fahrer ist lediglich eine Frage des Budgets) kann ohne Schwierigkeiten vor Ort ein Taxi für Fahrten jeder Distanz auftreiben, er muss nur wissen, dass "Bazar" in diesen Regionen weniger eine bestimmte Lokalität als vielmehr eine Geisteshaltung bedeutet und auch hier Handeln dringend gefragt ist. (Die mindestens sechsstündige Fahrt Buxoro-Xiva gibt's dafür schon ab US $ 40,- pro Fahrzeug.) Natürlich ist auch an Gefährten aller dazwischenliegenden Größenordnungen kein Mangel, wobei - wie fast immer - der Grundsatz gilt "je größer, desto naturbelassener bzw. volksnäher". Im Linienbus, der zwischen allen wesentlichen Destinationen von leicht erfragbaren (aber meist außerhalb des Stadtbilds gelegenen) Busbahnhöfen mehrmals täglich verkehrt, gibt's Fahrkarten schon ums sprichwörtliche "Butterbrot" von ca. 1 €.

Das reale Butterbrot ist mittlerweile auch schon häufiger anzutreffen: Neben einem durchaus abstoßenden Sortiment an verfallenden Sowjet-Hotels boomt in O'zbekistan die B(ed) & B(reakfast)-Branche (wenngleich z. Z. etwas unausgelastet). Die Betriebe liegen meist in fürsorglicher Familienhand, was nicht heißen soll, dass in den betreffenden Häusern nicht (fast) mitteleuropäischer Standard herrschen würde - mehr jedenfalls als von Hotels zu erwarten. Das Ambiente entweder stilvoll renoviert oder stilvoll historisch: So etwa in der Altstadt von Buxoro im Haus einer Adelsfamilie aus dem 19. Jahrhundert mit Speisesaal im Mudejar-Stil (gesehen bereits um US $ 15,- für Nacht/Frühstück). Dort wird nun das "Butterbrot" serviert, und mehr noch.

Da es um die Gastronomie ziemlich urtümlich bestellt ist - will heißen, der Heißhunger wird tagsüber im echten Teehaus (Choy-Xona) bei o'zbekischen National-gerichten wie Plov-Reis und Schaschlik gestillt, sofern man sich vor 18.00 dafür Zeit genommen hat -, ist am späteren Abend guter Rat auch nicht teuer, wenn man nur seinen Vermieter fragt: Der kocht meistens auch ganz gern Abendbrot für seine Gäste. Und wenn er verhindert ist, bietet o'zbekische Gastlichkeit noch ein Service der besonderen Art: Es ist durchaus nicht unüblich, von Kindern auf der "Straße" gefragt zu werden, ob man nicht bei Mama zum Abendessen geladen sein möchte - gegen freiwilligen Unkostenbeitrag natürlich. Und die Küche der Mama ist meistens zu empfehlen!

À propos Unkostenbeitrag: Der wird trotz der Schwäche der eigenen Währung noch ganz gern in den landesüblichen So'm (sprich: Sum) kassiert, deren Kurs zuletzt (Apr. 02) bei ca. 1.500,- je US $ hielt (andere Währungen werden nicht so günstig getauscht, Euro sind weitgehend unbekannt, "Plastikgeld" nur auf der Bank unter gröberem Zeitaufwand umzusetzen). Die beliebten 200-So'm-Scheine, in denen das Wechselgeld meistens ausbezahlt wird, zeigen das malerische Motiv zweier Tiger von der Sher'dor-Medresse am Registan in Samarkand und werden im Normalfall nach cm Dicke gezählt (handelsüblich Bündel zu 100 Noten, also 20.000 So'm, Gegenwert ca. 14,50 €).

Ach ja, der "Sandplatz" (wörtliche Übersetzung von "Registan"). Manche behaupten, er streite mit dem Meidane Imam in Esfahan (Iran) um den Rang des schönsten aller Plätze. Wie dem auch sei, was Sie sich immer zu 1001 Nacht vorgestellt haben, aber nie zu träumen wagten - hier finden Sie es realisiert. Sei es historische Ensembles von beeindruckender Erhabenheit wie eben der Registan mit seinen drei riesigen Medressen (Koranschulen) in Samarkand, an deren Rand das Leben der modernen "Seidenstraße" pulsiert, sei es scheinbar verschlafene Altstadtviertel wie die von Buxoro, die in Wahrheit immer noch das Herz des Lebens sind - hier gibt es Highlights für jeden Geschmack. Und wer's ganz "lupenrein" haben will, der findet in der Altstadt von Xiva praktisch ein Freilicht-Museum vor, das sich seit 1913 (letztes Minarett des Chans vor der Revolution) nicht mehr verändert hat - nur erhalten. Erst in Tashkent taucht man wieder auf in die moderne Welt des GUS-Staats O'zbekistan, dessen Hauptstadt in Sowjetzeiten großzügig aus- und nach dem schweren Erdbeben von 1966 wiederaufgebaut wurde (die erdbebensichere U-Bahn blieb verschont, sie ist tatsächlich künstlerisch noch wertvoller als die Moskauer). Zwischen all dem der Flair von Märchen, Geschichte, Orient - und o'zbekischer Gastlichkeit. Da lohnt sich schon der Sprung ins nicht mehr ganz so Unbekannte!

Ebenso wenig unbekannt bzw. "schon gesehen" ist das beliebte Kapitel "Sichtvermerk" oder Visum. Mit erfrischend wenig Bürokratie wartet hier die o'zbekische Botschaft auf (1090 Wien, Porzellang.32), wo's bereits binnen 1 Woche ein Touristenvisum für 7 Tage (US $ 30,-) oder 15 Tage (US $ 50,-) abzuholen gibt (und für die Endausfertigung muss gar nicht unbedingt der Pass dort bleiben). Die gute alte "Einladung" aus Sowjetzeiten ersetzt der Blanco-Voucher um € 22,- aus der Hand eines Wiener Reisebüros.

Bei Flügen über Russland heißt's hingegen "Vorsicht! Falle". Wer glaubt, bei An- oder Abreise ein wenig russische Luft schnuppern zu müssen, sollte wissen, dass es in Russland u.a. keine Transitflüge gibt, d.h., dass man in jedem Fall nach dem Verlassen des ersten Fliegers zur Einreise mit allen Schikanen gezwungen wird. Stimmt dann das Datum im Visum (noch) nicht, kann man leicht das erste "Njet" zu hören bekommen: Durch die Passkontrolle geht es erst nach Mitternacht. Anschlussflug weg - Pech gehabt! Für Hin- und Rückflug ist also auf jeden Fall ein Mehrfachvisum vonnöten.

Die alte Einladung braucht man hier immer noch (Ausnahme: max. 72 Stunden Aufenthalt; dann aber muss man sich eigens beim nächsten Meldeamt registrieren lassen, 2-3 Stunden Aufwand), und erst wenn die vorliegt, beginnt der Amtsschimmel in der Wiener Botschaft loszutraben. Mindestdauer sind dabei 14 Tage, Pass bleibt dort für US $ 50,- (jede Beschleunigung lässt die Bearbeitungsgebühr zu schwindelnden Höhen aufsteigen). Grundregel bleibt: Auch im Amtsschimmel steckt der russische Bär, und der will's gemütlich, auf gar keinen Fall sollte man ihn reizen (erst recht nicht in der eigenen Höhle). Zwei ist nun mal weniger als Drei, und in der 2.Welt dauert eben alles länger als sonstwo auf diesem Globus. Na ja.

Zurück nach O'zbekistan, und auf zum Gang ins Reisebüro: Mit Turkish Airlines über Istanbul ab € 800,-, mit Uzbekistan Airlines ab Frankfurt schon ab 500,-. Xush kelibsiz!

-Viktor Streicher-

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